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Wissenschaftler untersuchen Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und arktischen Temperaturen

Durch die Analyse des Baumwachstums auf der russischen Kola-Halbinsel konnten deutsche und russische Wissenschaftler herausfinden, dass zwar Teile der Arktis in den letzten rund 100 Jahren zweifellos abkühlten, sich in den letzten zwei Jahrzehnten auch maßgeblich erwärmten. Di...

Durch die Analyse des Baumwachstums auf der russischen Kola-Halbinsel konnten deutsche und russische Wissenschaftler herausfinden, dass zwar Teile der Arktis in den letzten rund 100 Jahren zweifellos abkühlten, sich in den letzten zwei Jahrzehnten auch maßgeblich erwärmten. Die in der Zeitschrift Arctic, Antarctic and Alpine Research veröffentlichten Ergebnisse geben Aufschluss über eine Rekonstruktion der Sommertemperaturen zwischen 1600 und 2000 auf der Grundlage der Daten über Baumringe aus Regionen nördlich des Polarkreises. Kurz gesagt: Die Sonnenaktivität beeinflusst die Temperaturen während der arktischen Sommermonate. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass die Temperaturen auf der Kola-Halbinsel über die letzten 400 Jahre in den Monaten Juli und August schwankten, und zwar zwischen 10,4°C (1709) und 14,7°C (1957), bei einem Mittelwert von 12,2°C. "Die Daten deuten auf einen starken Einfluss der Sonnenaktivität auf die Entwicklung der Sommertemperatur hin, der allerdings seit 1990 von anderen Faktoren überlagert wird", schreiben die Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der Universität Hohenheim, beide in Deutschland, und des Moskauer Instituts für Geographie an der Russischen Akademie der Wissenschaften. Für die Untersuchungen verwendeten die Forscher Holzproben von insgesamt 69 Waldkiefern (Pinus sylvestris) aus dem Khibiny-Gebirge auf der Kola-Halbinsel, einer Übergangszone zwischen Skandinavien und den kontinentalen Gebieten Eurasiens. Diese Region steht unter einem enormen Einfluss des Nordatlantikstroms, einer starken, warmen Meeresströmung, die den Golfstrom - einen weiteren starken, warmen und schnell fließenden Atlantikstrom - verlängert, und ist deshalb bei Forschern für klimatologische Studien sehr beliebt. Die Kola-Halbinsel ist für ihr kühles Klima bekannt, die Winter hier sind lang aber mäßig kalt und die Sommer kühl und feucht. Den Forschern zufolge schwankt die Temperatur in diesem Teil der Arktis im Mittel zwischen -12°C im Januar und +13°C im Juli. Die Wachstumsphase für die Vegetation, die an den nördlichen Ausläufern der Taiga von Fichten, Kiefern und Birken geprägt wird, dauert nur 60 bis 80 Tage. Die Proben stammten von drei Standorten im Khibiny-Gebirge in Höhen von 250 bis 450 Meter über dem Meeresspiegel und nicht weit entfernt von der geografischen (nördlichen) Baumgrenze. Die Bäume hier reagieren empfindlich auf Temperaturveränderungen und bieten Forschern Informationen für eine korrekte Bewertung. "Außer von der Temperatur, hängt das Wachstum auch stark von nichtklimatischen Faktoren wie Licht, Nährstoffen, Wasserversorgung und Konkurrenz zu anderen Bäumen ab", sagt Juri M. Kononov von der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. "Es ist daher entscheidend, diese Trends zu isolieren, um ein möglichst reines Klimasignal zu erhalten." Die Forscher verglichen ihre Ergebnisse mit ähnlichen Untersuchungen an Baumringen aus dem schwedischen Lappland sowie dem sibirischen Teil Russlands. Es zeigte sich, dass die rekonstruierten Sommertemperaturen der letzten 400 Jahre vergleichbar sind, weil alle Datenreihen einen Anstieg der Temperatur in den 1950er Jahren anzeigten. Auffällig an den Daten der Kola-Halbinsel ist, dass die höchsten Werte im Zeitraum um die Jahre 1935 und 1955 ermittelt wurden. Die Kurve sank 1990 auf das Niveau von 1870, was dem Beginn des industriellen Zeitalters entspricht. Aber Daten deuten darauf hin, dass die Temperaturen in den letzten 20 Jahren wieder anstiegen. "Sicher ist nur: Dieser Teil der Arktis hat sich nach dem Ende der Kleinen Eiszeit vor ca. 250 Jahren erwärmt, ab der Mitte des vorigen Jahrhunderts abgekühlt und erwärmt sich seit 1990 wieder", schlussfolgert Tatjana Böttger vom UFZ.

Länder

Deutschland, Russland

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