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Klimawandel? Schuld sind Produktionsverfahren und nicht nur die Kühe

Rülpsen zählt nicht nur beim Menschen als unfeines Benehmen: Umweltschützer machen die Methanausdünstungen von Rindern mitverantwortlich für die Veränderungen im Klimasystem unserer Erde. Eine neue Studie aus dem in Kenia beheimateten International Livestock Research Institute...

Rülpsen zählt nicht nur beim Menschen als unfeines Benehmen: Umweltschützer machen die Methanausdünstungen von Rindern mitverantwortlich für die Veränderungen im Klimasystem unserer Erde. Eine neue Studie aus dem in Kenia beheimateten International Livestock Research Institute (ILRI) schlägt nun aber vor, von Kühen verursachte Treibhausgasemissionen durch Verbesserung degradierten Landes, durch widerstandsfähigere Rassen und die Veränderung des Futters der Tiere zu drosseln. Die Ergebnisse der Studie wurden in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. Diese Veränderungen in der Produktion hätten nicht nur positive Auswirkungen auf die Umwelt - auch die Viehbesitzer würden dabei nur gewinnen. Die Studie hantiert mit stolzen Zahlen: Arme Bauern könnten allein durch den Verkauf von eingespartem Kohlenstoff auf den globalen Märkten jährlich Ausgleichszahlungen im Wert von 1,3 Mrd. USD (ca. 1 Mrd. EUR) erzielen. "Diese technologisch unkomplizierten Schritte in der Art der Tierhaltung könnten sinnvolle Auswirkungen auf die Treibhausgaserzeugung haben, während gleichzeitig Einkommen für arme Bauern geschaffen werden", erklärt Koautor Professor Philip Thornton vom ILRI und der Universität Kopenhagen in Dänemark. Die Viehwirtschaft ist für 18 Prozent aller globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Diese Emissionen werden durch Entwaldungen in tropischen Ländern, mit denen Raum für Weiden und Futterpflanzen geschaffen wird, die Methanemissionen der Rinder sowie das von Dung und Gülle emittierte Lachgas ausgelöst. Dem ILRI zufolge besteht jedoch die wachsende Besorgnis, dass eine zunehmende Tierproduktion als Resultat des Versuchs, die steigende Nachfrage nach Milch und Fleisch in den Entwicklungsländern zu decken, diese Treibhausgasemissionen sogar noch weiter anheizen wird. Professor Thornton und sein ILRI-Kollege Dr. Mario Herrero weisen auf leicht verfügbare Alternativen hin, die in den nächsten 20 Jahren die Produktion von bis zu 417 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) durch die Tierhaltung in tropischen Ländern verhindern könnte. Diese Zahl verkörpert sage und schreibe etwa 7 Prozent der weltweit durch Viehhaltung erzeugten Treibhausgasemissionen. Gilt nicht nur für die Tropen: Die Forscher gehen außerdem soweit zu betonen, dass ein abnehmender Verbrauch an Milch und Fleisch generell einen bedeutenden Beitrag zur Kohlenstoffspeicherung auf unserem Planeten leisten würde. Über 500 Millionen Tierhalter in tropischen Ländern müssten bei der Vergrößerung ihrer Viehbestände zurückstecken, aber die Forschung zeigt, dass gerade diese armen Landwirte ermutigt werden könnten, um Praktiken, die besser für unsere Umwelt, besser für unser Leben sind, zu übernehmen. "Es wäre ein nützlicher Anreiz, wenn diese Bauern die erreichten Reduzierungen als Guthaben auf den globalen Kohlenstoffmärkten verkaufen könnten", meint Professor Thornton. "Wir haben herausgefunden, dass bei 20 USD [16 EUR] pro Tonne - dafür wurde Kohlenstoff in letzter Zeit im Emissionshandel des Europäischen Programms zur Klimaänderung (European Climate Exchange) gehandelt - arme Viehzüchter in tropischen Ländern rund 1,3 Milliarden USD jährlich Umsätze durch Kohlenstoff erzielen könnten." Wenn auch nicht zu erwarten ist, dass die Kohlenstoffausgleichszahlungen die Landwirte reich machen werden, so würden sie doch sicher dazu beitragen, dass die Kleinbauern ihre Einstellung in Bezug auf die Ausweitung der Tierhaltung überdenken. Veränderungen der Produktionspraktiken - man denke etwa an den Einsatz nahrhafterer Weidegräser sowie die Wiederherstellung geschädigter Weideflächen, das Anpflanzen von Bäumen und eine geeignete Ergänzung der Ernährung der Tiere - könnten dazu beitragen, Reduzierungen der mit der Tierhaltung im Zusammenhang stehenden Treibhausgasemissionen zu beschleunigen. Warum nun konzentriert sich die Studie ausgerechnet auf die tropischen Länder? Dr. Herrero dazu: "Wir wollten speziell die Auswirkungen in den tropischen Ländern abschätzen, weil sie das Epizentrum einer regelrechten Viehrevolution sind. Wir erwarten, dass sich der Konsum von Milch und Fleisch in den Entwicklungsländern bis 2050 etwa verdoppeln wird. So ist es gerade jetzt von entscheidender Bedeutung, nachhaltige Ansätze zu verfolgen, die die negativen Auswirkungen der Tierhaltung eindämmen und reduzieren, und dabei aber den Ländern trotzdem gestatten, sich Vorteile wie zum Beispiele eine bessere Ernährung und die Realisierung höherer Einkommen für die Haushalte der Viehhalter zu sichern." Nach Meinung von ILRI-Generaldirektor Carlos Seré trägt diese neueste Studie positiv dazu bei, die Diskussionen über den Beitrag der Rinder zum Klimawandel zu entschärfen und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, auf welche Weise man die Auswirkungen der steigenden Tierproduktion auf die Umwelt am besten bewältigen kann. Carlos Seré verdeutlicht: "Es gibt heutzutage eine Tendenz, die Tierhaltung einfach als Ursache des Klimawandels zu verteufeln, ohne dabei ihre Bedeutung insbesondere für die armen Bauern der Entwicklungsländer zu berücksichtigen."

Länder

Dänemark, Kenia

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