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Studie belegt: Parasiten passen sich dem Immunsystem des Wirts an

Parasiten, die Krankheiten wie Elefantiasis und Flussblindheit verursachen, entwickeln und vermehren sich schneller, wenn sie sich in einem Wirt mit einem guten Immunsystem befinden, wie neuste EU-finanzierte Forschungen zeigen. In der Fachzeitschrift PLoS Biologie schreiben d...

Parasiten, die Krankheiten wie Elefantiasis und Flussblindheit verursachen, entwickeln und vermehren sich schneller, wenn sie sich in einem Wirt mit einem guten Immunsystem befinden, wie neuste EU-finanzierte Forschungen zeigen. In der Fachzeitschrift PLoS Biologie schreiben die Wissenschaftler aus Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den USA, dass diese Erkenntnisse auch Einfluss auf die Entwicklung von Impfstoffen gegen diese schwerwiegenden Krankheiten haben können. Unterstützung von der EU kam hier über ein Marie-Curie-Stipendium, sowie die Projekte VARBO ("Vaccination against river blindness") und SCOOTT ("Sustainable control of onchocerciasis today and tomorrow"), die im Rahmen des Budgets für internationale Zusammenarbeit des Fünften bzw. Sechsten Rahmenprogramms der EU (RP5 und RP6) finanziert wurden. Manche Spezies sind in der Lage, Entwicklung und Vermehrung ihrer Umwelt anzupassen. Beim Wasserfloh Daphnia zum Beispiel hängen Alter und Größe für die Geschlechtsreife von der Anwesenheit von Raubfischen ab. Schon seit längerem hatten Wissenschaftler den Verdacht, dass Fadenwürmer (Filarien), die Krankheiten verursachen, die bereits das Leben von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zerstört haben, womöglich über einen ähnlichen Anpassungsmechanismus verfügen. Um diesem Verdacht nachzugehen, veränderten die Forscher das Immunsystem von Mäusen auf unterschiedliche Weise und infizierten sie anschließend mit den winzigen fadenförmigen Parasiten. Diese Experimente ergaben, dass die Parasiten tatsächlich in der Lage sind, ihre Entwicklung und Vermehrung dem Vorhandensein von Immunzellen namens Eosinophile anzupassen, die eindringende Parasiten angreifen. Ein kräftiges Immunsystem des Wirts bedeutet für die Parasiten eine potenziell erhöhte Sterblichkeitsrate, weshalb die Würmer schneller und mehr Nachwuchs produzieren. Mehr noch: Welche Strategie die Parasiten verfolgen werden, entscheidet sich bereits innerhalb von wenigen Stunden nach der Infektion. Diese Erkenntnisse werden Einfluss auf die Entwicklung von Impfstoffen gegen die betreffenden Krankheiten haben. Gegenwärtig haben die meisten Impfstoffe den Zweck, das Immunsystem für den Kampf gegen die Parasiten zu stärken. "Die meisten Impfstoffe ahmen die natürliche Immunität der Menschen nach, unsere Forschungen jedoch zeigen, dass dieser Ansatz bei manchen Krankheiten konterproduktiv sein kann", erklärt Dr. Simon Babayan von der Universität Edinburgh im Vereinigten Königreich und leitender Autor des Artikels. "Wir hoffen, dass diese neusten Erkenntnisse die Entwicklung zukünftiger Impfstoffe gegen diese Infektionen verändern werden. Klinische Tests analysieren die Auswirkungen potenzieller Impfstoffe auf die Gesundheit des Wirts; Unserer Ansicht nach sollten sie auch den Einfluss auf den Lebenszyklus der Parasiten untersuchen." Nach Aussage der Forscher sind weitere Untersuchungen nötig, um die Mechanismen hinter der Fähigkeit der Parasiten, ihre Fortpflanzungsstrategie an die Stärke des Immunsystems des Wirts anzupassen, vollständig zu verstehen. Bis dahin bilden ihre Erkenntnisse einen wichtigen Beitrag zu einem internationalen Projekt zur Entwicklung von Impfstoffen gegen die betreffenden Krankheiten. Rund 200 Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind mit Filarien infiziert, was zu schlimmen Krankheiten wie lymphatische Filariose und Flussblindheit führen kann. Die winzigen Würmer werden durch Fliegen und Mücken übertragen. Bei der lymphatischen Filariose nisten sich die Parasiten im Lymphsystem ein und verursachen dort schwere Ödeme, mit denen die Betroffenen ihrer Arbeit oder sozialem Leben kaum noch nachgehen können. Nach Ansicht der Global Alliance to Eliminate Lymphatic Filariasis sind weltweit mehr als 120 Millionen Menschen mit diesem Parasiten infiziert, 40 Millionen davon sind aufgrund der Erkrankung arbeitsunfähig oder entstellt. Flussblindheit (Onchozerkose) wird durch Filarien der Art Onchocerca volvulus verursacht, die sich über Haut und Augen der betroffenen Personen ausbreiten. Wenn die Würmer absterben, verursachen sie Schäden in den Augen sowie einen starken Juckreiz. Die Schäden in den Augen können zu Blindheit führen, während die Hautprobleme die Patienten entstellen.

Länder

Frankreich, Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten

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