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Inhalt archiviert am 2023-03-09

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Epigenetische Untersuchungen zu neuropsychiatrischen Erkrankungen

Neuropsychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie und bipolare Störung werden durch epigenetische Prozesse beeinflusst, so das Ergebnis einer neuen Studie aus dem Vereinigten Königreich, die jetzt im Fachblatt Human Molecular Genetics veröffentlicht wurde. Untersucht wurden i...

Neuropsychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie und bipolare Störung werden durch epigenetische Prozesse beeinflusst, so das Ergebnis einer neuen Studie aus dem Vereinigten Königreich, die jetzt im Fachblatt Human Molecular Genetics veröffentlicht wurde. Untersucht wurden in genomweiten Studien epigenetische Unterschiede bei Zwillingen, die unter Psychosen litten mit dem Ziel, daraus neue Therapien abzuleiten. Die Studie wurde teilweise durch das Projekt EUTWINSS (European twin study network on schizophrenia) finanziert, das durch ein Stipendium für Marie-Curie-Ausbildungsnetze in Höhe von 2,4 Mio. EUR unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6) gefördert wurde. Frühere Studien hatten epigenetische Veränderungen im Gehirn bereits auf verschiedene biologische und kognitive Prozesse wie Neurogenese, Drogenmissbrauch und Neurodegeneration zurückgeführt. Nun wurden auch epigenetische Veränderungen im Gehirn als ursächlich für eine Reihe psychiatrischer Erkrankungen wie etwa Psychosen mitverantwortlich gemacht. Erstmals wurden in einer umfassenden Analyse krankheitsassoziierte Unterschiede in der DNA-Methylierung bei Zwillingen untersucht, von denen einer an Schizophrenie oder bipolarer Störung erkrankt war. Die Forscher am Institut für Psychiatrie des King's College London, Vereinigtes Königreich, fanden keine Veränderungen in der globalen DNA-Methylierung bei kranken und gesunden Zwillingen. Allerdings entdeckten sie Unterschiede an spezifischen Stellen im Zwillingsgenom. "Das deskriptive Design der experimentellen Studie ermöglichte es uns, krankheitsassoziierte Unterschiede in der DNA-Methylierung an Stellen des Genoms zu finden, die bislang nicht mit psychiatrischen Störungen in Zusammenhang gebracht worden waren. Wir fanden aber auch Anhaltspunkte für Unterschiede in der DNA-Methylierung in Genen, die mit Psychosen assoziiert werden", wie es in der Studie heißt. "Analysen von Signalwegen verdächtiger Loci zeigten eine signifikante Häufung von Störungen auf epigenetischer Ebene in biologischen Netzwerken und Signalwegen, die mit psychiatrischen Erkrankungen und der Entwicklung des Nervensystems in Verbindung gebracht werden. Insgesamt bestätigen die Daten, dass Unterschiede in der DNA-Methylierung bei der Ätiologie von Schizophrenie und bipolarer Störung eine Rolle spielen." Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass zwar 70% aller Fälle von Schizophrenie und bipolarer Störung erblich sind, die Konkordanzrate bei Zwillingspaaren jedoch bei weitem nicht 100% beträgt, was wiederum zeigt, dass nicht nur genetische Faktoren zur Erkrankung beitragen. "In einer der größten bisherigen Zwillingsstudien zu komplexen Erkrankungen untersuchten wir eine Gruppe von 22 eineiigen Zwillingspaaren, also insgesamt 44 Personen", erklärt Studienleiter Dr. Jonathan Mill. "Bei jedem Paar war einer der Zwillinge entweder an Schizophrenie oder bipolarer Störung erkrankt. Da eineiige Zwillinge genetisch identisch sind, können genetische Ursachen im betroffenen Zwilling ausgeschlossen werden - Ziel der Studie war daher, epigenetische Variationen als Ursache für die jeweilige Erkrankung aufzudecken." Den Forschern zufolge existiere ein Zusammenhang zwischen epigenetischen Mechanismen und erblichen, aber reversiblen Veränderungen in der Genexpression. Betont werde jedoch, dass keine Veränderungen in der DNA-Sequenz zu finden seien. Auslöser seien vielmehr Veränderungen in der DNA-Methylierung und Chromatinstruktur. "Die Daten legen nahe, dass es nicht nur auf genetische Variation ankommt", so Dr. Mill. "Die beobachteten epigenetischen Veränderungen könnten neue Erkenntnisse zu den Ursachen von Schizophrenie und bipolarer Störung zu Tage fördern, da manche Veränderungen jeweils krankheitsspezifisch waren. Wichtig ist auch, dass epigenetische Prozesse möglicherweise reversibel sind, d.h. unsere Forschungen könnten neue Wege bei der Entwicklung neuartiger Therapien und Medikamente eröffnen."Weitere Informationen finden Sie unter: Human Molecular Genetics: http://hmg.oxfordjournals.org/(öffnet in neuem Fenster) Institute of Psychiatry at King's College London: http://www.kcl.ac.uk/iop/index.aspx(öffnet in neuem Fenster)

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