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Neuer Gentest erkennt Risiko auf Mundkrebs

Durchbruch dank neuem Gentest: Bei Patienten mit gutartig erscheinenden Mundläsionen können nun präkanzeröse Zellen - Krebsvorstufen - erkannt werden. Mund- und Rachenkrebs ist die siebthäufigste Krebsart in Europa und rangiert auf Platz neun in Bezug auf den Krebstod. 2004 ...

Durchbruch dank neuem Gentest: Bei Patienten mit gutartig erscheinenden Mundläsionen können nun präkanzeröse Zellen - Krebsvorstufen - erkannt werden. Mund- und Rachenkrebs ist die siebthäufigste Krebsart in Europa und rangiert auf Platz neun in Bezug auf den Krebstod. 2004 gab es schätzungsweise 67.000 Neuerkrankungen und 26.000 Todesfälle. Es gibt besorgniserregende Hinweise auf eine zunehmende Häufigkeit in Osteuropa. Forscher der Queen Mary, University of London im Vereinigten Königreich haben einen Test entwickelt, der möglicherweise für Risikopatienten eine früher einsetzende Behandlung und somit deutlich verbesserte Überlebenschancen bedeuten könnte. Mund- bzw. Mundhöhlenkrebs entwickelt sich in einem der Bereiche der Mundhöhle. Dazu gehören die Lippen, das Zahnfleisch, die Zunge und der Zungengrund, die Wangenschleimhaut, Gaumen und Mundboden. Mundhöhlenkarzinomen gehen meist Präkanzerosen voraus, Gewebeveränderungen, die auf Krebs hindeuten können. Mundkrebs ist eine von mehreren Krebsarten, die in der Kategorie Kopf-Hals-Karzinome zusammengefasst und oft ähnlich behandelt werden. Allein im Vereinigten Königreich betrifft Mundkrebs mehr als 6.200 Menschen jährlich - und weltweit mehr als eine halbe Million. Die Zahl wird bis zum Jahr 2030 voraussichtlich auf über eine Million Betroffener pro Jahr ansteigen. Die Mehrzahl der Fälle ist entweder auf das Rauchen oder das Kauen von Kautabak und Alkoholgenuss zurückzuführen. Die Forschungsstudie ergab für den qMIDS-Test (quantitative Malignancy Index Diagnostic System) eine Krebsnachweisrate zwischen 91 Prozent und 94 Prozent. Dabei wurden mehr als 350 Gewebeproben aus dem Kopf- und Halsbereich von 299 Patienten aus dem Vereinigten Königreich und Norwegen getestet. Die Ergebnisse wurden online im International Journal of Cancer veröffentlicht. Mundläsionen sind sehr häufig, aber nur fünf bis 30 Prozent entarten zu verschiedenen Krebsarten. Wird der Krebs im frühen Stadien erkannt, kann er durchaus geheilt werden. Bisher mangelte es jedoch an einem Test, mit dem genau nachgewiesen werden kann, welche Läsionen bösartig werden könnten und welche nicht. Die Histopathologie ist der derzeitige diagnostische Goldstandard. Bei diesem Test wird ein während einer Operation per Biopsie entnommenes Gewebestückchen von einem Pathologen unter dem Mikroskop untersucht. Diese Verfahrensweise ist relativ invasiv. Meist erfolgt die Mundkrebsdiagnose in späteren Stadien, wenn die Überlebenschancen bereits deutlich eingeschränkt sind. Für Patienten mit fortgeschrittenen diagnostizierten Krankheitsstadien sind die Überlebensraten eher schlecht; sie liegen nach fünf Jahren bei etwa zehn bis 30 Prozent. "Wir brauchen einen empfindlichen Test zur Quantifizierung des Krebsrisikos eines Patienten, um eher abwartende Interventionen zu vermeiden. Krebsfrüherkennung, gekoppelt mit einer geeigneten Behandlung, kann die Behandlungsergebnisse am Patienten deutlich verbessern, die Mortalität sowie langfristig die Kosten im öffentlichen Gesundheitswesen senken", erläutert der Untersuchungsleiter und Erfinder des Tests, Dr. Muy-Teck Teh vom Institut für Zahnmedizin am Queen Mary, University von London. Im Wesentlichen misst der qMIDS-Test die Daten von 16 Genen, die über einen diagnostischen Algorithmus in einen "Malignitätsindex" umgewandelt werden, der das Risiko der Läsion quantifiziert, zu Krebsgewebe zu werden. Den Forschern zufolge ist er weniger invasiv und schneller als die Methoden der Standard-Histopathologie. Man braucht lediglich ein ein bis zwei Millimeter großes Stück Gewebe (weniger als ein halbes Reiskorn), und es dauert weniger als drei Stunden bis zum Ergebnis. Beeindruckend im Vergleich zu der in der Standard-Histopathologie üblichen Wartezeit, die sich bis zu einer Woche hinziehen kann. Der beratende Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Professor Iain Hutchison, Gründer von Saving Faces und Koautor der Studie, schwärmt begeistert über ihre Ergebnisse und die Auswirkungen für die Patienten: "Wir freuen uns über diesen neue Test, da er es uns ermöglichen wird, Patienten mit harmlosen Läsionen von regelmäßigen Nachuntersuchungen und unnötigen Ängste zu erlösen, während Hochrisikopatienten bereits in einem frühen Stadium erkannt werden und eine angemessene Behandlung erhalten können. Früh erkannter Mundkrebs, der am besten auf eine chirurgische Behandlung anspricht, hat eine sehr hohe Heilungsrate." Dr. Catherine Harwood, beratende Dermatologin und Koautorin der Studie, fügt hinzu: "Unsere Vorstudien haben vielversprechende Resultate erbracht, die darauf hinweisen, dass der Test möglicherweise auch zur Identifizierung von Patienten mit verdächtigen Haut- oder Vulvaläsionen eingesetzt werden kann, wobei sich auch hier die Chance auf frühere und weniger invasive Behandlungen eröffnet." Während diese Machbarkeitsstudie qMIDS durchaus als einen diagnostischen Test zur Krebsfrüherkennung bestätigt, sind weitere klinische Studien erforderlich, um den langfristigen klinischen Nutzen des Tests auf Mund- und Rachenkrebs zu bewerten. Wird der Test weiterentwickelt, könnte er unter Umständen auch bei anderen Krebsarten angewendet werden, da er auf einem Krebsgen - FOXM1 - basiert, das bei vielen Krebsarten stark exprimiert ist. Die Forscher setzten bei dieser Studie den qMIDS-Test zur Früherkennung von Krebszellen in Vulva- und Hautproben ein und können vielversprechende Ergebnisse vorweisen. Dr. Tehs frühere Forschungsarbeit zu FOXM1 wurde von der International Society for Molecular and Cell Biology and Biotechnology Protocols and Research als "Molekül des Jahres 2010" ausgezeichnet. Wie diese Forschung ergab, verliert das Protein FOXM1 bei Überexprimierung die Kontrolle über das Zellwachstum, was den Zellen die krankhafte Wucherung ermöglicht.Weitere Informationen sind abrufbar am: The Institute of Dentistry at Queen Mary, University of London: http://www.dentistry.qmul.ac.uk/ International Journal of Cancer: http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1002/%28ISSN%291097-0215

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