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Architekten des Altertums beispielhaft für moderne Ökoeffizienz

Wollen Sie Ihr nächstes Haus ökoeffizienter hinbekommen? Dann könnte es sich durchaus lohnen, eine Nachhilfestunde bei den Architekten des Altertums zu nehmen. Diesen Ratschlag geben Forscher aus Spanien, die neueste Technologien und mathematische Werkzeuge einsetzten, um jahr...

Wollen Sie Ihr nächstes Haus ökoeffizienter hinbekommen? Dann könnte es sich durchaus lohnen, eine Nachhilfestunde bei den Architekten des Altertums zu nehmen. Diesen Ratschlag geben Forscher aus Spanien, die neueste Technologien und mathematische Werkzeuge einsetzten, um jahrhundertealtes Wissen zu bewerten und auf seinen Wahrheitsgehalt hin zu prüfen: Die Temperatur in einem typisch mediterranen Innenwohnhof ist niedriger als die auf der Straße. Ihre Ergebnisse wurden im Fachjournal Energies veröffentlicht. Die von den Forschern eingeholten wissenschaftlichen Ergebnisse könnten Energie und Geld sparen, worin erwiesenermaßen auch das Ziel ökoeffizienter Gebäude besteht. Die Resultate beweisen außerdem, dass das seit Jahrhunderten weitergegebene Wissen der Menschen in mediterranen Regionen, dass es im Sommer in ihren Höfen kühler als auf der Straße ist, durchaus einer Überprüfung standhält. Dieser einfache Fakt hat jedoch gravierende Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Häuser entworfen werden können. "Warum denn sollte man die Absauganlagen der Klimaanlagen auf den Dächern oder an den Außenwänden anbringen, wenn wir doch Energie sparen können, indem wir die kühlere Luft aus dem Hofinneren dazu nehmen", fragt sich Architekt Juan Manuel Rojas. Der Forscher Juan Manuel Rojas hat zusammen mit zwei Dozenten der Universität Sevilla ein mathematisches Instrument entwickelt, das erstmals das komplexe thermodynamische Verhalten eines Hofs bewerten kann. "Diese Räume erzeugen eine Mischung verschiedener Phänomene: Schichtung (warme Luft steigt nach oben und kalte Luft fällt nach unten), Konvektion (die über den ganzen Tag aufgeheizten Wände geben die Luft nach oben ab) und Strömungsmuster (Wirbelwindbildung in Abhängigkeit von der Raumgeometrie)", erklärt Rojas. Mit all diesen Informationen, zusammen mit speziellen Daten zum lokalen Klima (Durchschnittstemperatur und Windgeschwindigkeit) und über den Hof selbst (Höhe, Breite, Baumaterialien), da nicht alle nehmen die gleichen Strahlungswerte aufnehmen, wird ein Programm gefüttert. Das Resultat ist dann ein "Film", der die Entwicklungsgeschichte der Luft über den Tag zeigt. "Das Modell gestattet dann eine Bewertung der thermischen Vorteile der Wohnhöfe. So wiederum ergeben sich neue gestalterische Möglichkeiten für effizientere und nachhaltige Gebäude, ohne dabei das Budget zu sprengen", erläutert der Architekt. Dieses Wissen, das schon seit mehr als 4 000 Jahren im Gebrauch ist, hätte keinerlei Verfallsdatum und könne ebenso beim Bau moderner Gebäude unserer Tage genutzt werden. Mit der Einführung ökoeffizienter Projekte in den letzten Jahrzehnten hat man sich eher von Innenhöfen wegbewegt oder die Atrien mit Glas abgedeckt, da man davon ausging, dass über die größere Fläche mehr Energie übertragen wird. "Aber die für diese Berechnung verwendete Energiebilanz setzt voraus, dass die Luft innerhalb und außerhalb des Hofes die gleiche Temperatur hat. Das ist aber nicht der Fall und das muss berücksichtigt werden", betont Rojas. Wobei er anerkennt, dass geschlossene Atrien in Mittel- und Nordeuropa durchaus sinnvoll seien. Das Modell ist seit dem Anfangsentwurf bereits mit Erfolg in einem Hotel in Malaga getestet wurden und folgt den thermodynamischen Strategien des Wohnhofs zum Zweck der allgemeinen Verbesserung der Energieeffizienz. Die Stromrechnung für die Klimaanlage des Hotels kann dadurch, dass die Luft aus dem bis zu neun Grad Celsius kühleren unteren Teil des Hofs angesaugt wird, erheblich reduziert werden, da das Gebäude nur die Hälfte der Energie verbraucht, wie es bei den umliegenden Gebäuden üblich ist. Die Studie bietet außerdem eine neue thermodynamische Interpretation historischer Innenhöfe bei traditionellen Beispielen in Cadiz und Sevilla, für den Kreuzgang der Kathedrale von Santiago de Compostela und das Palazzo Farnese in Rom. Über den Vergleich unterschiedlicher Wohnhöfe ist gut zu beurteilen, welcher Art Hof für spezielle Klimazonen am besten geeignet ist. "Die tiefsten und engsten Höfe funktionieren in heißeren Regionen am besten, während die offeneren besser für den Norden geeignet sind, wie man schon ganz einfach auf Google Maps sehen kann", sagt Rojas. Der Architekt ist überzeugt, dass das Klima und nicht die Kultur oder die Kunst den je nach Region bestgeeigneten Wohnhoftyp geschaffen hat, der dann traditionell bewahrt wurde: "Auf diesselbe Weise, wie die natürliche Selektion die besten Organismen auswählt, hat die Gegend selbst immer den Einsatz der architektonischen Optionen vermittelt, bei denen die zur Verfügung stehenden Ressourcen am besten ausgenutzt werden."Weitere Informationen finden Sie unter: Energies: http://www.mdpi.com/journal/energies Universität Sevilla: http://www.us.es/eng

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Spanien