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Umfassende europaweite Studie über die Versauerung der Ozeane durchgeführt

Mehr als 160 Forscher aus 10 europäischen Ländern haben sich in einem ersten internationalen Projekt zusammengeschlossen, das sich mit der Versauerung der Ozeane und deren Folgen befasst. Den Partnern des EPOCA-Projekts ("European Project on Ocean Acidification") zufolge w...

Mehr als 160 Forscher aus 10 europäischen Ländern haben sich in einem ersten internationalen Projekt zusammengeschlossen, das sich mit der Versauerung der Ozeane und deren Folgen befasst. Den Partnern des EPOCA-Projekts ("European Project on Ocean Acidification") zufolge war die Meeresforschung noch ein relativ junges Gebiet, als sie das Projekt vor vier Jahren starteten. An diesem Projekt beteiligten sich Wissenschaftler, die sich Gedanken über die möglichen Risiken für Meeresorganismen und Ökosysteme im Zusammenhang mit der Versauerung machten. Diese Bedenken entstanden, nachdem Beweise vorlagen, dass der Ozean in den vergangenen 250 Jahren rund ein Drittel des aufgrund menschlicher Aktivitäten ausgestoßenen Kohlendioxids absorbiert hatte. Die dadurch verursachte CO2-Belastung beeinflusste die Chemie der Meere und erhöhte den Säuregehalt des Seewassers. Die Versauerung der Ozeane wird auch oft als das "andere CO2-Problem" bezeichnet. Das EPOCA-Projekt untersuchte deshalb die Frage nach den biologischen Folgen und entdeckte, dass 10 % des Oberflächenwassers der Arktis bereits in weniger als 10 Jahren für Muscheln und Knochen zu sauer sein werde und diese zerstören wird. Weitere Analysen der Küstenlebensräume des Mittelmeeres zeigten auch, dass rund 30 % der in den Meeren beheimateten Pflanzen- und Tierarten bis zum Ende dieses Jahrhunderts ausgestorben sein könnten. Doch die Wissenschaftler waren der Ansicht, dass sich dagegen noch etwas unternehmen ließe, wenn nur Maßnahmen ergriffen werden, um die Folgen der CO2-Emissionen aufzufangen. Sie prognostizierten, dass diese Gegenmaßnahmen langfristig den Säuregehalt der Ozeane erheblich senken könnten. Diese wichtige Erkenntnis spornte ein großes Expertenkonsortium dazu an, Richtlinien und Vorgaben für die Forschung zur Versauerung der Ozeane umzusetzen. EPOCA hat das wissenschaftliche Verständnis der Versauerung der Meere und seine Auswirkungen auf marine Organismen und Ökosysteme vorangebracht. Das Projekt führte überdies mehrere wichtige Studien durch, in denen nachgewiesen wurde, dass viele kalkbildende Organismen wie etwa Weichtiere (Mollusken) durch die Versauerung der Ozeane geschädigt werden. Weitere Studien zeigten auch, dass die Empfindlichkeit von eng verwandten Arten und sogar zwischen verschiedenen Stämmen derselben Art erheblich variierte. Einigen Arten schien die Versauerung der Ozean wenig auszumachen, auch bei relativ hohen CO2-Werten, während andere Arten besonders empfindlich darauf reagierten. Hohe CO2-Werte führten zu einer verzögerten Larvenentwicklung bei Krustentieren, Zweischalern und Stachelhäutern. Bei einigen Arten wurde festgestellt, dass sie bei kurzen Belastungen auf eine Versauerung empfindlich reagierten, doch wenn sie längere Zeit einem hohen CO2-Partialdruck (pCO2) ausgesetzt wurden, wurden sie unempfindlich. Aus anderen Studien ging hervor, dass die Versauerung der Ozeane die Temperaturtoleranz vieler Organismen herabsetzte und dass die Interaktion von Erwärmung und Versauerung die Struktur ihrer Gemeinschaften und die Biodiversität verändern könnten. Ein Beleg für die Bedeutung dieser Erkenntnisse ist, dass EPOCA während der Projektdauer über 200 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht hat. Diese stellen 21 % aller Forschungsaufsätze über die Versauerung der Ozean dar, die in diesem Zeitraum veröffentlicht wurden. EPOCA hat auch Werkzeuge und Methoden entwickelt, die jetzt von der Forschungsgemeinschaft und den politischen Entscheidungsträgern genutzt werden. Die Ergebnisse des Projekts sollen weitere Studien zu den sozioökonomischen Auswirkungen der Versauerung der Ozeane beeinflussen. Dr. Jean-Pierre Gattuso, Forschungsleiter an der mit dem nationalen französischen Forschungszentrum CNRS verbundenen Universität Pierre und Marie Curie in Paris, Frankreich, sagt dazu: "Das Projekt hat bedeutendes internationales Interesse erregt und Unterstützung erhalten. Die Referenzbenutzergruppe von EPOCA (EPOCA Ocean Acidification Reference User Group, OA-RUG), die im Rahmen des Projekts gegründet wurde, hat sich sehr schnell aufgebaut, um verwandte Forschungsprogramme in Deutschland, im Vereinigten Königreich und im Mittelmeerraum mit einzubeziehen. Da neuerlich auch Drittländer in das Projekt aufgenommen wurden, traf man die Entscheidung, die internationale Referenzbenutzergruppe (International Ocean Acidification Reference User Group, iOA-RUG) zu bilden, die von der Prinz-Albert-II-von-Monaco-Stiftung unterstützt wird." Dr. Gattuso ist der Ansicht, dass die europäische Forschung zur Versauerung der Ozeane dank der Bemühungen der Europäischen Kommission so viel Aufmerksamkeit und erhöhte internationale Beachtung erhalten habe. "Die EU-Finanzierung hat sichergestellt, dass das Vermächtnis von EPOCA weitergereicht wird und dass die Forschungen zur Versauerung der Ozeane über andere europäische Kanäle wie etwa das EU-Projekt MedSeA (¿MEDiterranean Sea Acidification in a Changing Climate¿) weitergeführt werden. Wir haben auch die Finanzierung eines auf drei Jahre angelegten Projekts durch die Stiftung BNP Parisbas gesichert, sodass wir unsere Arbeiten weiterführen können." EPOCA, dessen Gesamtbudget 16 Mio. EUR beträgt, erhielt eine Teilfinanzierung in Höhe von 6.5 Mio. EUR von der Europäischen Kommission.Weitere Informationen sind abrufbar unter: EPOCA http://epoca-project.eu MedSEA http://medsea-project.eu

Länder

Frankreich

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