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Wie Risikowahrnehmung und Unsicherheit die Klimapolitik verbessern können

Eine EU-finanzierte Initiative hat untersucht, wie Menschen den Klimawandel wahrnehmen und inwiefern sich deren Vorlieben und Einstellungen zu Risiko und Unsicherheit auf diese Wahrnehmung auswirken.

Klimawandel und Umwelt

Das Projekt RISICO hat sich die zentrale Rolle von Unsicherheit angeschaut und so die Konzeptualisierung, Modellierung und Einordnung der Entscheidungsfindung in der Klimapolitik immens vorangebracht. „Unsicherheit ist zwar in allen Aspekten des Klimawandels vorhanden, das steht außer Frage, doch der Großteil der Forschungsarbeiten, die sich mit Klima befassen, lassen Unsicherheit außen vor – vor allem wegen der technischen Komplexität, die damit zusammenhängt“, so Projektkoordinatorin Valentina Bosetti. Das Konsortium des Projekts hat untersucht, wie Menschen den Klimawandel wahrnehmen und inwiefern sich ihre Vorlieben und Einstellungen zu Risiko und Unsicherheit auf diese Wahrnehmung auswirken. Neben Labor- und Feldexperimenten, Meinungen von Fachleuten und Umfragen sammelte das Forschungsteam in einer einjährigen Erhebung auch Daten aus verschiedenen Ländern, um herauszufinden, wie Einstellungen zum Klimawandel zwischen Einzelpersonen, Ländern oder von einem Tag auf den anderen variieren.

Wahrgenommene Risiken

Viele zentrale Bestandteile des Klimawandels, von der Schwere der damit einhergehenden Schäden bis zu den Kosten für Klimaschutzmaßnahmen, sind mit großer Unsicherheit verbunden. „Um politische Maßnahmen planen und ausgestalten zu können, müssen wir diese Unsicherheit so gut wir können quantifizieren“, erklärt Bosetti. „Mehrere Meinungen von Fachleuten im Projekt erklärten die Wahrscheinlichkeit für so vielfältige Themen wie alternativen Szenarien für Treibhausgasemissionen der Zukunft oder Technologien zu CO2-Abscheidung aus der Luft.“ RISICO betrachtete mithilfe von Erhebungen und Befragungen nun auch, wie die Menschen diese Risiken wahrnehmen, denn die Wahrnehmung ist für die Handlungsentscheidung einer Person genauso relevant wie die tatsächliche Wahrscheinlichkeit. „Die meisten, die ein bestimmtes Risiko als bedrohlicher wahrnehmen, werden mehr tun, um es zu vermeiden und sich davor zu schützen. Und das muss nicht unbedingt das Beste für sie sein“, beobachtet Bosetti. Daher läuft gerade eine einjährige Befragung unter Bewohnerinnen und Bewohnern von sechs Städten in drei Ländern auf drei Kontinenten (Peking, Shanghai, Mailand, Rom, New York und Dallas). Die Ergebnisse beleuchten die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung des Klimawandels oder anderer gesellschaftlich zentraler Risiken und wie diese miteinander zusammenhängen. In Laborexperimenten untersuchte das Team zudem individuelles Verhalten angesichts großer Unsicherheit und fand heraus, dass ein konstanter Anteil der Personen Ambiguität meidet und daher Entscheidungen anhand von festen Vorlieben trifft. Bosetti dazu: „Das trifft auch zu, wenn die Stichprobe der Befragten aus Klimapolitikerinnen und -politikern besteht. Zu wissen, wie der Einzelne Risiko und Unsicherheit in Entscheidungen überträgt, ist also für die Empfehlung von Protokollen für die politische Entscheidungsfindung unerlässlich.“

Deutliche Vorteile

Unter anderem wurde geklärt, wie internationale Klimaunterhändlerinnen und -händler die langfristige Wirkung des Übereinkommens von Paris bewerten. Dies ist ein großer Fortschritt und ein wichtiger Referenzwert für weitere Bewertungen der kommenden Jahre. Außerdem konnte gezeigt werden, dass die Vorlieben der politischen Verantwortlichen bei Ambiguität in ihrer Verteilung stark denen einer allgemeinen Stichprobe aus Bürgerinnen und Bürgern ähneln. Bosetti ergänzt: „Wir haben herausgefunden, dass sich auch die Art, wie Unsicherheit kommunikativ vermittelt wird, stark darauf auswirken kann, wie die Menschen Informationen über das Klima wahrnehmen. Das kann sogar wichtiger sein als das Hintergrundwissen der einzelnen Personen.“ Unsicherheit bei zentralen Themen zu quantifizieren, wird oft kontrovers betrachtet, da die Fachleute so gezwungen werden, Ereignissen in der Zukunft eine Wahrscheinlichkeit zuzuweisen. „Doch ganz ohne sie hätten wir einfach keine Zahlen für unsere Analysen. Darum kann es sehr hilfreich sein, wenn die Sachverständigen versuchen, das Ausmaß der Unsicherheit einzugrenzen, damit wir verlässliche Analysen durchführen können“, so Bosetti abschließend. Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation, Klimaunterhändlerinnen und -unterhändler sowie die allgemeine Öffentlichkeit werden von RISICO profitieren können.

Schlüsselbegriffe

RISICO, Unsicherheit, Klimawandel, Risiko, Politik, Übereinkommen von Paris, Wissenschaftskommunikation

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