Skip to main content

Article Category

Nachrichten

Article available in the folowing languages:

Die Allgemeinmedizin betont die Notwendigkeit, auf Herzrythmusstörungen zu testen

Sie haben eine Grippe? Ich prüfe mal Ihren Herzrhythmus. Eine von der EU unterstützte Umfrage klärt über Tests auf Vorhofflimmern in der täglichen klinischen Praxis auf und darüber, wie viel Bedeutung diesen in der Allgemeinmedizin beigemessen wird.

Gesundheit

Eine Umfrage in der Allgemeinmedizin vom EU-finanzierten Projekt AFFECT-EU betont die Notwendigkeit, Tests auf Vorhofflimmern in Aktivitäten wie Grippeimpfungen und Krebsvorsorgeuntersuchungen zu integrieren. Vorhofflimmern ist eine häufig unbemerkte Herzerkrankung, die zu einem unregelmäßigen und oft ungewöhnlich schnellen Herzrhythmus führt. Das erhöht das Risiko für Schlaganfälle, Herzversagen und andere mit dem Herz zusammenhängende Erkrankungen. Schätzungsweise leiden in Europa über 11 Millionen Menschen an dieser Erkrankung – und diese Zahl wird durch die alternde Bevölkerung vermutlich stark ansteigen. Die Umfrageergebnisse wurden bei der Tagung der European Heart Rhythm Association (EHRA) 2022 vorgestellt, einem Wissenschaftskongress des AFFECT-EU-Projektpartners Europäische Kardiologische Gesellschaft (EKG). „Unsere Studie zeigt, dass Tests auf Vorhofflimmern in Europa wenig verbreitet sind, obwohl die Allgemeinmedizin für deren Notwendigkeit plädiert“, merkt die Doktorandin und Studienautorin Paulien Vermunicht von der Universität Antwerpen, Belgien, in einer Pressemitteilung auf der EKG-Website an. In der Pressemitteilung heißt es, dass eine frühere Studie von AFFECT-EU verdeutlicht hat, dass der praktikabelste Ansatz darin besteht, dass in der Allgemeinmedizin auf Vorhofflimmern getestet wird, wann immer Patientinnen und Patienten in die Praxis kommen, egal warum. Der Herzrhythmus würde dann mit kompakten Handgeräten für 1-Kanal-Elektrokardiogramme (EKG) getestet werden. In der neuen Umfrage, die auf dem EHRA-Kongress 2022 vorgestellt wurde, wurden Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner in Europa befragt, wie sie über die Einführung dieses Testansatzes im täglichen klinischen Ablauf denken. Die Multiple-Choice-Umfrage beinhaltete Fragen zur aktuellen Praxis und zu der Wahrnehmung von Tests für verschiedene Krankheiten, der Machbarkeit opportunistischer 1-Kanal-EKG, Hürden bei der Umsetzung dieser Testart und bevorzugten Lösungen. Von den eingereichten 561 Antworten berichteten 87 % der Befragten, dass Tests auf Vorhofflimmern in ihrer Region derzeit nicht üblich sind. „Doch die Notwendigkeit standardisierter Tests auf Vorhofflimmern wurde auf einer Skala von 0 bis 100 mit 82,3 bewertet; dieser Wert reicht an den für Darmkrebs (86,5), Brustkrebs (86,8) und Gebärmutterhalskrebs (89,2) heran“, heißt es in der Pressemitteilung. Hinsichtlich der Machbarkeit berichteten sogar 87,2 %, dass sie über kein 1-Kanal-EKG-Gerät verfügen.

Hürden und Lösungen

Etwa 25 % der Befragten berichteten, dass den Tests auf Vorhofflimmern nichts im Wege steht. Doch zu den Stolpersteinen der anderen 75 % gehörten der Bedarf an Schulungen vor Einführung der Tests auf Vorhofflimmern (18,9 %), mangelnde Ressourcen in der Praxis (18,7 %) und Bedenken über eine Fehldiagnose (10,5 %). Etwa 25 % der Befragten entschieden sich, Tests auf Vorhofflimmern in Programme zu Grippeimpfungen oder Krebsvorsorgeuntersuchungen zu integrieren. Genauso beliebt war die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten, die für Tests infrage kommen, mithilfe der Algorithmen in Softwaresystemen für die Grundversorgung zu bestimmen. „Das AFFECT-EU-Konsortium hat einen Algorithmus entwickelt, der anhand der Informationen in der Patientenakte Patientinnen und Patienten erkennt, bei denen ein Risiko für Vorhofflimmern besteht“, berichtet Prof. Renate Schnabel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Deutschland, dem Projektkoordinator von AFFECT-EU (DIGITAL, RISK-BASED SCREENING FOR ATRIAL FIBRILLATION IN THE EUROPEAN COMMUNITY). „Wenn betroffene Personen in die Praxis kommen, gibt das Softwaresystem einen Hinweis aus, sodass der Arzt oder die Ärztin das EKG durchführen können. Dieses Verfahren wird in Deutschland getestet und stellt einen großen Fortschritt dar.“ Weitere Informationen: AFFECT-EU-Projektwebsite

Schlüsselbegriffe

AFFECT-EU, Herz, Vorhofflimmern, Tests, Herzrhythmus, Allgemeinmedizin, Allgemeinmedizinerin, Allgemeinmediziner, EKG