Maritimes Industrie-Forum fordert bessere Koordinierung bei Forschungsarbeiten
Auf Einladung des Landes Bremen fand die diesjährige Plenarsitzung des Maritimen Industrie-Forums vom 26. bis 27. Juni 1995 in Bremen statt. Es brachte Vertreter aller maritimen Wirtschaftszweige, Gewerkschaften, Forschungsinstitute, Mitglieder des Europäischen Parlaments, des Wirtschafts- und Sozialausschusses, Vertreter der Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission zusammen, um die Orientierung der maritimen Wirtschaft in Europa zu erörtern. Neben Kommissar Martin Bangemann nahmen für die EG-Kommission auch die Kommissare Edith Cresson und Neil Kinnock an der Plenarsitzung des Forumsteil. Auf der Tagesordnung standen die wichtigsten maritimen Themen, die gegenwärtig die Diskussion beherrschen. - Forschung und Entwicklung Das Forum stellte erneut heraus, daß ohne Forschungsanstrengungen auch eine maritime Industrie kaum wettbewerbsfähig sein kann. Vieles ist bereits in dieser Hinsicht geleistet worden, doch besteht zusätzlicher Handlungsbedarf. - Das Bewußtsein für die Notwendigkeit internationaler Forschungsarbeit ist zu stärken. - Forschungsleistungen müssen wirkungsvoll koordiniert werden. - Industrie und Wissenschaft müssen stärker zusammenarbeiten. Ein von der Industrie im letzten Dezember eingerichtetes FuE-Koordinierungsgremium stellte die Eckpunkte eines sogenannten Master Plans vor, der Richtschnur für künftige Forschungsarbeit sein wird und "Doppelforschung" verhindern kann. Auf Kommissionsseite haben die Kommissare Bangemann, Cresson und Kinnock kürzlich beschlossen, eine sog. maritime "Task Force" zu bilden, die die Anstrengungen der Forschungs- und Industriepolitik bündeln soll. Die operativen Arbeiten beginnen nach der Sommerpause. Ziel der Task Force ist es vor allem, zusammen mit der Industrie industrielle und technologische Ziele der Forschungsarbeit zu bestimmen und Synergien zwischen EU, nationalen und sonstigen Bemühungen zu schaffen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung ist besonders auch bei der Umsetzung des 4. Rahmenprogramms der Europäischen Gemeinschaft im Bereich der Forschung, technologischen Entwicklung und Demonstration (1994-1998) von Bedeutung. Das Thema maritime Industrien spielt in fast allen Spezifischen Programmen eine herausragende Bedeutung. Das hohe Engagement der europäischen maritimen Wirtschaft zeigt sich daran, daß nach der ersten Ausschreibung im März über 400 Vorschläge für Forschungsvorhaben die Kommission erreicht haben. Nach Meinung des Forums geht es in Zukunft darum, - die Zahl und Qualität der maritimen Projekte für den nächsten Ausschreibungstermin im Herbst noch zu erhöhen sowie - zusammen mit der Industrie und Anwendern Prioritäten regelmäßig zu aktualisieren. MARIS Die Industrie unterstrich ihren entschiedenen Willen, alles daran zu setzen, daß das Thema Informationsgesellschaft Eingang in maritime Abläufe findet. Hierfür steht das Pilotprojekt MARIS, das anläßlich der Konferenz zur Informationsgesellschaft der G7-Staaten in diesem Februar beschlossen wurde. Es teilt sich ein in die Unterprojekte: * SAFEMAR : Maritime Sicherheit und Schutz der maritimen Umwelt * MARTRANS: Verbesserung hafenlogistischer Informationssysteme * MARSOURCE: ein weltweites Fischerei- und Meeresinformationsnetzwerk zum Schutz von Fischbeständen * MARVEL: ein anwendungsorientiertes Projekt für die intelligente Fertigung von Schiffen, indem Werften und ihre Zulieferer in gemeinsamen und globalen Informationsnetzen verbunden werden. Der Gipfel der G7-Staaten in Halifax hat für den Fortgang der Pilotprojekte Arbeitsaufträge erteilt. Für Maris wird die Kommission diese Aufträge gemeinsam mit der Industrie umsetzen. Konkrete Ergebnisse sollen bereits auf der EXPO '98 in Lissabon gezeigt werden. Auf dem Forum ging es auch um das OECD-Schiffbauabkommen, durch das im Schiffbau der weltweite Wettlauf um staatliche Beihilfen beendet werden soll. Dieses Abkommen wird voraussichtlich zum 1. Januar 1996 in Kraft treten.