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Kommissar Flynn zum Thema 'Informationsgesellschaft'

RTD-News hat sich vor kurzem mit Kommissionsmitglied Padraig Flynn (Beschäftigung und soziale Angelegenheiten) unterhalten; dabei umriß er das Mandat der neuen hochrangigen Expertengruppe für die Informationsgesellschaft und die Rolle der Telearbeit im Europa von morgen. Hier ...

RTD-News hat sich vor kurzem mit Kommissionsmitglied Padraig Flynn (Beschäftigung und soziale Angelegenheiten) unterhalten; dabei umriß er das Mandat der neuen hochrangigen Expertengruppe für die Informationsgesellschaft und die Rolle der Telearbeit im Europa von morgen. Hier einige Auszüge aus dem Interview: - Könnten Sie kurz die Ziele und Aufgaben der hochrangigen Expertengruppe beschreiben? Die Gruppe soll untersuchen, welche praktischen Schritte erforderlich sind, um die Informationsgesellschaft rasch und sozialverträglich zu verwirklichen. Sie konzentriert sich auf das Thema Beschäftigung, weil darin zur Zeit die größte Herausforderung für Europa liegt. Aber auch in anderen Bereichen sind größere Veränderungen und Umwälzungen zu erwarten: Gesundheitswesen, regionaler und sozialer Zusammenhalt, allgemeine und berufliche Bildung. Auch mit diesen Bereichen beschäftigt sich die Gruppe. Es muß betont werden, daß die Gruppe unabhängig ist. Sie soll der Kommission helfen, die sozialen Aspekten der Informationsgesellschaft zu gestalten. Die Kommission verfolgt die Arbeiten der Gruppe mit großem Interesse und unterstützt sie nach besten Kräften. Wir erwarten den Rat der Experten in diesen wichtigen und sehr schwierigen Fragen. - Wie wird die Informationsgesellschaft Ihrer Meinung nach die Arbeitsnormen in Europa verändern? Sie sprechen ein Kernthema der Expertengruppe an. Deshalb muß ich mich vorsichtig ausdrücken, damit ich keine Schlußfolgerungen vorwegnehme: Die Art, wie wir arbeiten, wird von vielen Seiten massiv kritisiert. Vieles ist durch den wirtschaftlichen Wandel bedingt: stärkere Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt, wachsende Bedeutung der Teilzeitarbeit, Trends zur Selbständigkeit, neuartige Arbeitsverträge usw. Viele Haushalte werden keine Aussichten mehr auf ein Ganztags-Familieneinkommen haben. Darüber hinaus ändert sich die Industriestruktur: traditionelle Fertigungsbereiche werden von Dienstleistungen verdrängt; Dienstleistungen sind immer stärker von Standortverlagerungen betroffen. Die Informationsgesellschaft verstärkt viele dieser Tendenzen. Sie ermöglicht jedoch auch viele positive Aktionsprogramme, um alternative Arbeits- und Lebensbedingungen zu schaffen, die Aussichten auf größere soziale Standards bieten. Wichtig dabei ist, daß uns die Informationsgesellschaft Wahlmöglichkeiten bietet. Die Gesellschaft muß die Technologien formen, nicht umgekehrt. Wir wollen den besten Kurs für unsere Maßnahmen ermitteln und ihn dann mit Nachdruck verfolgen. Wir wollen eine neue Vision der europäischen Informationsgesellschaft, nicht nur in der Arbeitswelt sondern in allen Lebensbereichen. - Sehen Sie Telearbeit als Möglichkeit für alle? Wie können die Arbeitnehmer in Europa davon profitieren? Telearbeit bietet eine Gelegenheit; sie bringt aber auch Risiken mit sich. Sie ermöglicht einen besseren Zugang zur Arbeit, denn sie erlaubt größere Flexibilität, was die Arbeitszeiten und Standorte anbelangt. Bei effizienter Verwaltung könnten neue Möglichkeiten für gesellschaftliche Gruppen eröffnet werden, die derzeit vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Es ist aber auch klar, daß Telearbeit in einigen Fällen die Isolation der Arbeiter verstärken, deren Solidarität untereinander schwächen und die Qualität des Erwerbslebens verschlechtern kann. Wir untersuchen die praktischen Schritte, die diese negativen Aspekte der Telearbeit verhindern können, ohne daß die Vorteile dabei auf der Strecke bleiben. Wir haben Studien in Auftrag gegeben, um die Bereiche auszuleuchten, die von Veränderungen betroffen sein dürften: Arbeitsrecht, Gesundheit und Sicherheit, Sozialversicherung. Besonders liegen uns die Auswirkungen auf weibliche Arbeitskräfte am Herzen, denn derzeit leisten viele Frauen Telearbeit. Die Telearbeit könnte die Arbeitsmarktaussichten für Frauen erheblich verbessern. Eine Studiengruppe unter der Leitung der international anerkannten Telearbeit-Expertin Ursula Huws geht diesen Fragen derzeit nach. - Es wird befürchtet, daß die Informationsgesellschaft zur Zweiklassengesellschaft führt, die viele von den Vorteilen für bestimmte Bereiche der Gesellschaft ausschließt. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gefahren der Informationsgesellschaft und was wird dagegen getan? Die Gefahr ist groß, daß die Informationsgesellschaft zur Zweiklassengesellschaft führt. Auch deshalb entwickeln wir strategische Antworten. Diese Fragen dürfen nicht einfach dem Markt überlassen werden. Wir müssen das europäische Gesellschaftsgefüge während des Übergangs zur Informationsgesellschaft absichern. Vor allem müssen wir die Menschen und Organisationen dazu befähigen, sich an den Wandlungsprozeß anzupassen und ihn zu steuern. Dazu muß eine neue Kultur geschaffen werden: lebenslanges Lernen (die sog. Lerngesellschaft). Außerdem muß die Umwandlung der Arbeitskultur unterstützt werden, damit die Menschen ihr Arbeits- und Gesellschaftsleben in die Hand nehmen können. Dies sind große Ziele. Die Zeit drängt. Wir brauchen dringend eine gesellschaftliche Tagesordnung für den Wandel...

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