Führende Persönlichkeiten aus der Industrie erörtern FTE in Europa
Der Beratungsausschuß für industrielle Forschung und Entwicklung (IRDAC) der Europäischen Kommission hat eine Broschüre mit dem Titel Let's talk research" (Gesprächsthema Forschung) veröffentlicht, in der sich acht Führungspersönlichkeiten aus der Industrie zum Thema Forschung und Entwicklung in Europa äußern. Die Broschüre basiert auf einer Interviewserie, in denen führende Industrielle über ihre Meinung zum Stand von Wissenschaft und Technologie in Europa und zu den Forschungsprogrammen der Europäischen Union befragt wurden. Alle Interviewpartner waren sich einig, daß eine der Stärken Europas zwar die Wissenschaft sei, daß es aber nicht gelungen sei, neue wissenschaftliche Fortschritte ebenso schnell in industrielle Praxis umzusetzen, wie dies in den USA oder in Japan der Fall sei. Außerdem sei in Europa kaum das gleiche Maß an Unternehmergeist anzutreffen wie beispielsweise in den USA. Als größte Herausforderung Europas sehen die Industriellen die Herbeiführung eines tragfähigen Interessenausgleichs zwischen dem Konzept des freien Marktes einerseits und konstruktiver Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung zwischen konkurrierenden Unternehmen andererseits. In diesem Zusammenhalt halten sie eine stärkere Bündelung der gemeinschaftlichen FTE-Programme für erforderlich und erachten die Einsetzung neuer Task-forces für Industrieforschung als einen positiven Schritt in diese Richtung. Es besteht Konsens, daß eine Hauptaufgabe der Vierten Rahmenprogramme die Aufrechterhaltung der Förderung sein müsse, die in erstklassige ehrgeizige Grundlagenforschung in den Universitäten fließt, was sich dann durch ein Angebot hochqualifizierte Akademiker in der Industrie bemerkbar mache. Allerdings wurde die Meinung vertreten, daß die Gemeinschaftsprogrammen in einigen Teilen immer noch zu sehr auf den akademischen Bereich orientiert seien und es an einer prägnanten industriellen Ausrichtung fehle, insbesondere was die Forschung in den Bereichen Umwelt, nichtnukleare Energie sowie Ausbildung und Mobilität von Forschern betreffe. Nach allgemeiner Ansicht unter den Befragten seien auch besondere Anstrengungen erforderlich, um Forschungs- und Entwicklungsergebnisse auf dem Weg über verschiedene europäische Programme und Projekte zu nutzen; außerdem müsse die Überleitung von Forschungsergebnissen in die Entwicklungs- und Vermarktungsphase beschleunigt werden, etwa durch Demonstrationsprojekte, Durchziehprojekte" oder Risikokapitalvorhaben. Darüber hinaus müsse die Kommission vereinfachte Verfahren einführen und rascher auf Forschungsvorschläge reagieren. Die acht Interviewpartner waren: Dr. Yves Farge (Pechiney), Prof. Sergio Barabaschi (früher Ansaldo, jetzt italienischer Wissenschaftsminister), Dr. Pierre Castillon (Elf Aquitaine), Prof. Hans Danielmeyer (Siemens), Dr. Ashok Ganguly (Unilever), Prof. Helmut List (AVL List), Dr. Jens Rostrup-Nielsen (Haldor Topsoe), Dan Tierney (Cross Group), Dr. Jose Viana Baptista (Petrogal).