Auf dem Weg zu Komponentenmodellen
Der Grundgedanke von Komponentenarchitekturen besteht in der Schaffung von wieder verwendbaren Objekten und der Entwicklung von speziell gefertigter Nutzersoftware durch eine passende Zusammensetzung. Unter diesem Gesichtspunkt unterscheiden sich die Funktionen von Komponentenentwicklern und Kompositoren von Anwendungen deutlich. Komponentenentwickler entwickeln generische Komponenten, wohingegen sich Kompositoren von Komponenten auf den Anwendungsbereich konzentrieren, indem sie generische Komponenten "aus dem Regal" zusammensetzen und konfigurieren. Eine Komponente gehört zu einem Komponentenmodell, das den Standard für die Integration und Interoperabilität der Komponenten liefert. Dies bedeutet, dass ein Komponentenmodell bestimmt, wie individuelle Komponenten konstruiert werden müssen und wie diese Komponenten gleichzeitig global kommunizieren und miteinander interagieren. Es existieren mehrere Komponentenmodelle, die zur Bildung solcher zusammenfügbaren Komponenten standardisiert wurden. Dennoch sind verschiedene Komponentenmodelle nicht kompatibel, weshalb eine Komposition mit anderen Modellen nicht möglich ist. Um das Problem der Interoperabilität und Zusammenfügbarkeit von Komponenten über verschiedene Komponentenmodelle hinweg zu lösen, wurde im Rahmen des von der Europäischen Union finanzierten Projekts EASYCOMP (Easy Composition in Future Generation Component Systems) ein Prototypensystem vorgestellt: die Komponentenwerkbank mit Grundlage auf dem Vienna Component Framework (VCF). Das VCF wurde entwickelt, um zu verschiedenen Komponentenmodellen einen einheitlichen Zugang zu erhalten. Das VCF fördert die Interoperabilität und Zusammenfügbarkeit von Komponenten über verschiedene Modellarten hinweg, was deren Wiederverwendung innerhalb einer einzelnen Anwendung ermöglicht. Das VCF stellt, umgesetzt durch eine Fassadenkomponente, für den Anwendungsprogrammierer ein vereinheitlichtes Komponentenmodell dar. Dadurch wird die Nutzung verschiedener Komponentenmodelle bei gleichzeitiger Einschränkung wesenseigener Unterschiede vereinfacht. Das VCF nutzt Plugins, die als Verbindungselemente dienen sowie Komponenten mit vordefinierten Kommunikationssemantiken verbinden und damit schließlich den Zugang zu einem Komponentenmodell ermöglichen. Solche Plugins werden für JavaBeans, Enterprise JavaBeans, Microsoft COM+ und durch CORBA verkaufte Artikel eingesetzt. Die Komponentenwerkbank (CWB - Component Workbench) ist ein flexibler Instrumentensatz zur Komposition von Komponenten. Sie ist eine grafische Kompositionsumgebung und ermöglicht den Entwicklern die grafische und interaktive Konstruktion von Kompositionen aus bestehenden Komponenten. Durch die Moduleigenschaften der CWB und einem generischen, einheitlichen Komponentenmodell, das für die interne Repräsentation der Komponenten verwendet wird, können verschiedene Komponentenmodelle zusammengefügt werden und deren Eigenschaften im selben Projekt genutzt werden. Durch Nutzung des VCF ist die Verwendung von zufälligen Komponentenmodellen möglich. Mittels der Komponentenwerkbank, die auf dem Vienna Component Framework basiert, besteht ohne Einschränkungen durch den Modelltyp Zugriff auf vielfältige Softwarekomponenten. Zudem bietet dies eine Grundlage für den detaillierten Vergleich verschiedener Komponentenmodelle.