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Europäisches Netzwerk entschlüsselt Genomsquenz eines wichtigen Bakteriums

Ein europäisches Forschungsnetzwerk, das von der EU innerhalb des Rahmenwerks des spezifischen FTE Programms im Bereich Biothechnologie (BIOTECH) unterstützt wird, hat angekündigt, daß es die Entschlüsselung der 4,2 Mio. Basen des industriell bedeutenden Bakteriums 'Bacillus s...

Ein europäisches Forschungsnetzwerk, das von der EU innerhalb des Rahmenwerks des spezifischen FTE Programms im Bereich Biothechnologie (BIOTECH) unterstützt wird, hat angekündigt, daß es die Entschlüsselung der 4,2 Mio. Basen des industriell bedeutenden Bakteriums 'Bacillus subtilis' abgeschlossen hat. Die Mitteilung, die während der 9. Internationalen Konferenz über Bazillen (Lausanne, 15.-19. Juli 1997) gemacht wurde, stellt einen bedeutende Fortschritt in unserer Kenntnis lebender Organismen dar. Der 'Bacillus subtilis' und seine nahen Verwandten bieten eine wichtige Quelle für industrielle Enzyme (wie u.a. Amylasen, Proteasen), und ein Großteil des kommerziellen Interesses an diesem Bazillus ergibt sich aus ihrer Fähigkeit zur Abscheidung dieser Enzyme in hohen Konzentrationen. Er bot sich daher als Organismus für die Untersuchung der Proteinabscheidung und die Erzeugung kommerziell wertvoller Proteine an. Dieses Projekt ist von großer medizinischer Bedeutung. Obwohl es sich bei B. subtilis um eine sichere Mikrobe handelt, dient es doch auch als wirksames Modell für die Studie von Krankheiten, die von ihren Verwandten verursacht werden: dem Antrax verursachenden Bazillus B. anthracis und dem Nahrungsmittelvergiftung verursachenden Bazillus B. cereus. Das Wissen um diese Sequenz ermöglicht uns ferner die Identifikation potentieller Ziele für die Entwicklung neuer Antibiotika, die gegen neu erscheinende Krankheiten aktiv sind. Es sind bereits mehrere Gene entdeckt worden, die bei der Erzeugung von Proteinen mit antibiotischen Eigenschaften eine Rolle spielen, und es ist möglich, daß hier eine Quelle für die Erzeugung neuer Antibiotika aus technisch hergestellten Genen liegt. Kombiniert mit einem neuen, ebenfalls von der Europäischen Kommission finanzierten Programm, werden Versuche unternommen, die Funktionen aller 4.000 Gene dieses Bakteriums zu definieren. Obwohl die vollständige Analyse dieser großen Menge von Informationen mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, hat eine vorläufige Analyse bereits einige interessante Merkmale gezeitigt, und es ist eine Reihe von Genprodukten identifiziert worden, die durchaus kommerziell nutzbar sein könnten. Zur Erleichterung der Kontaktaufnahme zwischen Projektteilnehmern und europäischen biotechnologischen Unternehmen sowie zur Nutzung potentieller kommerzieller Anwendungen der entdeckten Gene, ist eine industrielle Plattform eingerichtet worden, die sich aus den folgenden Unternehmen zusammensetzt: Gist Brocades (NL), Glaxo-Wellcome (GB), Novo Nordisk (Dänemark), Frimond (Belgien), Hoechst Marion Roussel (Frankreich, Deutschland), SmithKline Beecham (Vereinigtes Königreich), Dupont de Nemours (Frankreich, USA), Genencor (Finnland, USA) und Hoffmann-La Roche AG (Schweiz). Dieses von der Europäischen Kommission finanzierte Projekt nahm seinen Anfang im September 1990, als ein Netzwerk von fünf europäischen Labors mit der Arbeit auf Pilotprojektbasis begann, um die Durchführbarkeit des Projekts zu testen. Die Beteiligung an dem Projekt nahm allmählich zu und entwickelte sich schließlich zu einem Konsortium von achtundzwanzig Labors in sechs europäischen Staaten, das am Institut Pasteur in Paris (Frankreich) koordiniert wird. Die internationale Bedeutung der durchgeführten Forschungsarbeit spiegelt sich in der Teilnahme eines aus sieben japanischen Labors bestehenden Konsortiums, das am Nara Institute of Life Sciences, Japan koordiniert wird und sich 1991 dem Projekt anschloß. Auch von einem koreanischen und zwei amerikanischen Labors wurden Beiträge empfangen. In einer Stellungnahme zu diesem Durchbruch betonte Frau Edith Cresson, Kommissarin für Forschung, Innovation, berufliche und allgemeine Bildung sowie Jugend, daß sich darin die äußerst fortschrittliche Forschungsarbeit niederschlägt, die von den biotechnologischen Programmen der EU gefördert wird, welche seit einigen Jahren im Vorfeld der Wissenschaft und Technik aktiv sind und mehrere Pionierleistungen aufzuweisen haben, wie z. B. die vollständige Entschlüsselung des Hefegenoms im Jahre 1996."

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