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FTE-Erfolgsstorys - Neue Jugend für alte Klassiker

Schaut man sich Zeichentrickklassiker wie Micky Maus als Zauberlehrling im Disneyfilm "Fantasia" auf YouTube an, so finden sich dort buchstäblich tausende Kommentare über die "guten alten Zeiten" der Animation. Dank EU-finanzierter Verfahren zur Verbesserung von Originalfilmmaterial werden auch zukünftige Generationen noch in der Lage sein, die Kunstform der Animation zu genießen. Die entwickelten Werkzeuge, die den Job des Trickzeichners sehr vereinfachen, werden in den kommenden Monaten als Standardprodukt auf den Markt kommen.

Digitale Wirtschaft

Generationen von Kinobesuchern, die mit Disney-Animationen wie dem "Zauberlehrling" oder "Fantasia" aufgewachsen sind, erinnern sich lebhaft an diese Meisterwerke, da in ihnen Musik und emotional starke Bilder und Geschichten miteinander verwoben sind. Bei vielen entwickelten sich diese frühen Erfahrungen zur Liebe zur Musik, zur Kunst und zu anderen kulturellen Interessen. Wenn doch nur die klassische Animation auch heute noch diese Art der emotionalen Reaktion auslösen könnte. Daniel Sýkora, ein tschechischer Wissenschaftler, zweifelt keinen Moment daran, dass sie es immer noch kann. Sein Forschungsprojekt "Computer assisted renewal of classical cartoon animation" (CARToon) bringt uns die Magie der von Hand gezeichneten Trickfilme zurück, damit sich auch zukünftige Generationen in ähnlicher Weise von ihnen inspirieren lassen können. Der Forscher entwickelte eine neue Software, um das zeitraubende Ausmalen bei handgezeichneten Trickfilmszenen und am PC erzeugten Skizzen zu automatisieren. Die Software, die schon bald als ein Standard-Plug-in zum Einsatz mit einem etablierten Grafikdesignprogramm zur Verfügung steht, wird Karikaturisten, Grafikdesignern, Kurzfilmmachern, Entwicklern von Videospielen und sogar traditionellen Künstlern unter die Arme greifen. Und wo kam diese Idee überhaupt her? Als Dr. Sýkora vom tschechischen Fernsehen gebeten wurde, etwas Schwarzweiß-Filmmaterial für ein populäres Abendprogramm nachzukolorieren, erkannte er, wie mühsam und ineffizient sich der Prozess unter Einsatz der vorhandenen Mal- und Grafikwerkzeuge gestaltete. So ging er buchstäblich zurück ans Reißbrett und entwickelt einige "Algorithmen" (kleine Computerprogramme), die strukturbezogene und semantische Informationen abfragen, die in oder hinter den Bildern versteckt sind. Diese Techniken - er nennt sie "LazyTools" - sind nicht stilspezifisch und können bei eine breiten Spektrum von Zeichenstilen angewendet werden. Letztlich bedeutet das, dass die interaktive Kennzeichnung und Bearbeitung handgezeichneter Trickfilme wesentlich einfacher und kostengünstiger als manuell restauriertes Filmmaterial. LazyTools besteht aus drei Algorithmen: LazyBrush, LazyDepth und LazySnap. Die Werkzeuge wurden von Künstlern des Anifilm-Studios Prag erprobt und bei Produktion von Gutenachtgeschichten für Kinder in der beliebte Serie "Doctor Animo" eingesetzt. "Bei diesen Versuchen habe ich viel gelernt", bestätigt Dr. Sýkora. "Die Künstler waren so an die Verknüpfungen mit der Alt-Taste in ihrer aktuellen Software gewöhnt, dass sie erwarteten, dass neue Programme den gleichen Prinzipien folgen sollten." Nach einigen Wochen mit LazyTools erkannte die Trickfilmzeichner jedoch die Vorteile dieses neuen Ansatzes. "Die Versuche halfen mir dabei, das Programm zu verfeinern. Ich sah, wie die Künstler die Werkzeuge auf neue und kreative Art nutzten", erklärt Dr. Sýkora. Vorteile für die Trickfilmzeichner Das LazyBrush-Werkzeug, das Dr. Sýkora in der wissenschaftlichen Arbeit "LazyBrush: Flexible Painting Tool for Hand-drawn Cartoons" (http://dcgi.felk.cvut.cz/home/sykorad/lazybrush.html) beschreibt, hat gegenüber anderen Ansätzen einen entscheidenden Vorteil. Es ist nicht so empfindlich gegenüber ungenauen Pinselstrichen und der Rauigkeit der Zeichnung und vereinfacht tatsächlich sehr das Auszeichnen handgezeichneter Bilder sowie auch Korrekturarbeiten. Der Künstler kann mit dem LazyDepth-Pfeilsystem zum Zeigen und Markieren zusammen mit einem modernen Bildschirm nach Augenmaß ungefähre Parameter festlegen und der Algorithmus berechnet dann auf Tastendruck die absoluten Größenordnungen für die vollständige 3D-Schattierung und Rekonstruktion. All dies wurde in der preisgekrönten Veröffentlichung "Adding depth to cartoons using sparse depth (in)equalities" demonstriert, die 2010 auf dem Kongress 2010 der European Association for Computer Graphics (http://www.eg.org/ Eurographics) den Günter Enderle Award gewann und später in dem einflussreichen Industriefachblatt Computer Graphics Forum publiziert wurde. Eine weitere Technik, LazySnap, die in der Veröffentlichung als "so starre wie nur mögliche Bildregistrierung für handgezeichnete Zeichentrickfilme" beschrieben wird, wurde entwickelt, um einige mühsame Aufgaben, wie zum Beispiel das unüberwachte "Dazwischen" (weichere Übergänge zwischen Rahmen), Auto-Auszeichnen, Bearbeiten und Bewegungsretargierung zu vereinfachen. Hierbei handelt es sich um spezielle Techniken, die etwas Übung erfordern, aber die Trickfilmzeichner äußerten sich laut Dr. Sýkora sehr positiv über die Ergebnisse. Seiner Einschätzung nach haben die EU-Marie-Curie-Maßnahmen und Finanzhilfen ihm die Freiheit verschafft, eine kreative Idee zu entwickeln, die zu einer völlig neuen Art des Denkens über Grafikdesign hinführen könnte. Allerneueste Nachricht ist, dass LazyBrush in den kommenden Monaten als ein Standard-Plug-in für Adobe Photoshop erscheinen wird. Von einer Idee zu einem Produkt: Dank Dr. Sýkoras Projekt können die heißgeliebten Comic-Klassiker nun schnell und kostengünstig wiederbelebt werden, so dass immer wieder neue Kindergenerationen die Magie dieser Meisterwerke erleben werden können. Daniel Sýkora ist ein 34-jähriger tschechischer Wissenschaftler, der von 2008 bis 2010 ein innereuropöisches Stipendium am Trinity College, Dublin, erhielt und seine bahnbrechende Forschungsarbeit im Rahmen des Folgeprojekts ToonPaint fortsetzte, das im September 2012 endete. - Vollständige Bezeichnung des Projekts: "Computer assisted renewal of classical cartoon animations" - Projektakronym: CARToon (und ToonPaint) – mit dem Projekt verlinkte Websiten: Dr. Sýkoras Website und YouTube:%20http://www.youtube.com/watch?v=XTUefe5HGKU (LazyBrush in Action auf YouTube) - Projektreferenznummern: 221320 und 268216 - Name/Land des Projektkoordinators: Trinity College Dublin (Irland), Tschechische Technische Universität Prag (Tschechische Republik) - Gesamtprojektkosten: 184 035 EUR (30 000 EUR) - Beitrag der EK: 184 035 EUR (30 000 EUR) - Projektbeginn/-ende: Juli 2008 bis Juli 2010 (und Oktober 2010 bis September 2012)