Deutsche Forschungszentren ubernehmen Schlusselrolle in der Aufklarung der Zellzykluskontrolle
Wissenschaftler aus drei großen deutschen Forschungseinrichtungen und zwei deutschen Unternehmen schließen sich mit Forschern anderer Länder zusammen, um eine wichtige Rolle bei MitoCheck zu übernehmen, dem größten integrierten Forschungsprojekt zur Zellzykluskontrolle im 6. Rahmenprogramm der EU-Kommission (FP6). Zur deutschen Delegation zählen Wissenschaftler des European Molecular Biology Laboratory (EMBL, Heidelberg), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ, Heidelberg), der Firma Leica Microsystems (Mannheim), des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG, Dresden) und der Firma Gene Bridges GmbH (Dresden). Mit einer Gesamtförderung von 8.5 Millionen Euro soll das Projekt die zentrale Frage beantworten: Wie wird die Zellteilung reguliert? Die Zellteilung (Mitose) gehört zu den Schlüsselprozessen des Lebens. Fehler während der Mitose können zu Unfruchtbarkeit und geistiger Behinderung führen und zur Krebsentstehung beitragen. Die Mitose ist größtenteils noch unverstanden. Zwar wissen die Forscher, dass bestimmte Enzyme - so genannte Proteinkinasen - eine Schlüsselrolle spielen, doch ist noch unbekannt, auf welche Weise diese Enzyme die Zelle letztlich zur Teilung veranlassen. Um den Prozess der Zellteilung im Detail aufzuklären, wird das europäische MitoCheck-Konsortium systematisch nach Genen suchen, die für die Teilung notwenig sind und deren Genprodukte in Bezug auf die Regulation durch Proteinkinasen analysieren. Ein großer Teil des Projektes soll in Deutschland durchgeführt werden. Fünf Organsationen wollen gemeinsam herausfinden, welche Gene während der Zellteilung aktiv sind und was passiert, wenn man sie unterdrückt. Wissenschaftler des EMBL liefern die Methode der RNS-Interferenz, die Mitosegene gezielt auffinden und stilllegen kann. Das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik steuert eine große Bibliothek dieser Moleküle bei. Etwa 20.000 Gene sollen einzeln stillgelegt werden. Mit eigens entwickelten Mikroskopen (vom EMBL und von Leica Microsystems) werden Filmaufnahmen der Zellen während der Zellteilung angefertigt. In mehreren hunderttausend Filmsequenzen soll der Zellzyklus einzelner Zellen über jeweils 48 Stunden dokumentiert werden, um die Auswirkung der stillgelegten Gene auf den Prozess der Zellteilung erfassen zu können. Die Analyse der enormen Datenmengen, die dabei anfallen, übernehmen DKFZ und EMBL in enger Kooperation. Alle Daten werden in phenobase gespeichert, der ersten Datenbank, in der Informationen über stillgelegte Gene beim Menschen gesammelt werden. Als mitoserelevant identifizierte Gene werden dann vom MPI-CBG in Dresden und der Firma Gene Bridges GmbH weiter analysiert. Mit gentechnischen Methoden wird Gene Bridges diese Gene mit einem Markermolekül versehen. Damit soll es den Wissenschaftlern des MPI-CBG gelingen, die Genprodukte und assoziierten Proteine für biochemische Studien aus den Zellen zu isolieren. Ziel dieser deutschen Kooperation ist zu verstehen, welche Gene während der Zellteilung aktiv sind und was passiert, wenn sie unterdrückt werden. Diese Erkenntnisse können dann von europäischen Projektpartnern genutzt werden, z. B. um die Einsatzmöglichkeiten in der Tumordiagnostik zu prüfen. Über das DKFZ und die Datenbank der MitoCheck-Partner in Großbritannien (Sanger Institute) werden der Wissenschaft und der Öffentlichkeit alle Daten zur Verfügung gestellt.,
Länder
Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Vereinigtes Königreich