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Eine wahre Herausforderung: moderne Wahrnehmung bei literarischen Werken der Vergangenheit

EU-finanzierte Forschung hat die Rolle der klassischen Mythologie als eine Figuration des Begehrens in der Dichtung der Spätrenaissance und des Barock aufgearbeitet. Die Arbeit konzentrierte sich hauptsächlich auf spanische und italienische Texte, bezog aber auch englische, französische, deutsche und skandinavische Literatur ein.

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Das Projekt AFD (Ambiguous figures of desire) beruhte auf zwei Hypothesen. Zunächst einmal spiegelt die Literatur der Spätrenaissance und des Barock eine unsichere Beschäftigung mit Erotik wider, wobei dieser Aspekt heute zumeist in einem unzweideutig positiven Licht gesehen wird. Zweitens ist diese Voreingenommenheit am deutlichsten in der sogenannten mythologischen Poesie dieser Periode zu belegen. Mit einer Kombination aus empirischer Forschung und theoretischen Reflexionen untersuchte AFD Texte von Autoren wie William Shakespeare, Luis de Góngora, Pedro Soto de Rojas, Giovan Battista Marino and Pedro Calderón de la Barca sowie Dichtung von Francisco de Quevedo. Die Resultate dieser Studien sind in fünf Artikeln in von Experten begutachteten Fachzeitschriften und zwei Anthologiekapiteln veröffentlicht worden. Die Forschung erstellte eine systemische Klassifizierung der frühneuzeitlichen mythologischen Dichtung, wobei jedem Werk ein Wert auf einer Skala zugeordnet wurde, die von Erotik bis Moralismus reicht. So konnte eine bessere Formulierung der entscheidenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von mythologischen Sammlungen, etwa zwischen der "polyfonen" Mythografie von Shakespeare, der "mosaikartigen" Mythografie von Góngora, der "antithetischen" Mythografie von Soto de Rojas, Marinos "aporetischer" Mythografie und Calderóns "allegorischer" Mythografie, vorgenommen werden. Das wichtigste im Rahmen von AFD entwickelte Konzept ist "Diglossia" (Diglossie), welches die moralisch-ästhetischen Zweisprachigkeit der frühneuzeitlichen mythologischen Dichter beschreibt. Sämtliche Forschungsergebnisse fanden in die Monografie "Diglossia. The Early Modern Reinvention of Mythological Discourse" (Diglossie. Die frühneuzeitliche Neuerfindung des mythologischen Diskurses). Die Projektarbeit stellt einen wichtigen Beitrag zur Neuauflage einer Vergeschichtlichung der vormodernen erotischen Literatur dar. Sie hat die heute üblichen historiografischen Methoden der Literaturwissenschaft in Frage gestellt und Debatten über die Art und Weise eingeleitet, in der wir uns mit den literarischen Werken der Vergangenheit auseinandersetzen. Im Allgemeinen sind die Auswirkungen des AFD-Projekts kulturhistorischer und erkenntnistheoretischer Art. Es fördert das Wissen über ein konkretes historisches Thema durch die Diskussion vielfältiger Konfigurationen des Begehrens in der mythologischen Dichtung der Spätrenaissance und des Barock. Das Projekt hat außerdem das historische Bewusstsein durch Diskussionen darüber geschärft, wie und warum wir uns dem kulturellen Erbe der Vergangenheit zwecks besserer Reflexion über die Beziehungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart annähern.

Schlüsselbegriffe

literarische Werke, klassische Mythologie, Spätrenaissance, Dichtungen des Barock, Figuren des Begehrens

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