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An innovative people localisation system for safe evacuation of large passenger ships

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Neue Technik macht Schiffsevakuierungen sicherer

Ihr Schiff ist in Seenot. Zuerst müssen Sie herausfinden, wo sich jeder gerade befindet, um dann alle zu evakuieren. Neue Technologien machen genau das möglich.

Verkehr und Mobilität
Sicherheit

Bei den prominentesten Schiffsunglücken mit Passagierschiffen der letzten Jahre – der Costa Concordia und der Sewol – kamen 32 bzw. 304 Menschen ums Leben. In beiden Fällen trugen verspätete und ungeordnete Evakuierungen zu diesen Zahlen bei. Diese Vorfälle zeigen, dass das Evakuierungssystem dringend verbessert werden muss. Momentan kann weder der Aufenthaltsort der Passagiere noch der Besatzung bestimmt werden. Menschen könnten in nicht zugänglichen Bereichen des Schiffs gefangen sein und die Retter würden es nicht merken. Das EU-finanzierte Projekt LYNCEUS2MARKET hat für diese Probleme jetzt technische Lösungen geliefert. Dessen Vorgänger, das EU-Projekt, LYNCEUS, hatte Technologien zur Lokalisierung und Verfolgung von Personen bei Schiffsevakuierungen entwickelt und die Ausrüstung im Labormaßstab sowie bei Pilotstudien getestet. Das neue Projekt brachte jetzt Akteure aus der Industrie zusammen, um die Entwicklung weiter voran zu treiben und die Technologien in Vorbereitung der Markteinführung unter realistischen Bedingungen zu testen. Ortung von Passagieren Alle Technologien des Projekts heben den aktuellen Stand der Technik auf ein neues Niveau. Sie gehören zu zwei Kategorien. „Zum einen gibt es Systeme für die Lokalisierung von Passagieren und Besatzung an Bord sowie für deren Verfolgung bei einer Notevakuierung“, sagt Projektkoordinatorin Melinda Kuthy. Ein Netzwerk von WLAN-Knoten im ganzen Schiff entdeckt intelligente Geräte, die den Passagieren ausgegeben wurden, wie Schlüsselkarten, Rettungswesten oder Armbänder. All diese Geräte speisen in Echtzeit Informationen in ein zentralisiertes Entscheidungshilfesystem auf der Brücke des Schiffs; Rettungswesten und Armbänder überwachen zudem die Herztöne des Passagiers. Somit lässt sich jede Einzelperson finden und aus der Ferne können auch ihre medizinischen Bedürfnisse festgestellt werden. Die Führungskräfte würden das System einsetzen, um die Standorte sämtlicher Mitarbeiter anzuzeigen, und die unter den jeweiligen Bedingungen besten Maßnahmen einleiten. Das Entscheidungshilfesystem könnte beispielsweise empfehlen, dass die Evakuierung um einen gefährlichen Schiffsbereich herum geleitet werden soll. „Unser zweites Set besteht aus Such- und Rettungssystemen zur Lokalisierung von Passagieren und Besatzung nach Verlassen des Schiffs“, fügt Kuthy hinzu. Elektronische Signale von Suchdronen aktivieren Funkfeuer an den Rettungswesten. Das Team hat zusätzlich Aufnäher für die Rettungswesten entwickelt, die Radarsignale reflektieren. Damit kann die Position jedes Passagiers im Wasser unabhängig von der Tageszeit durch Triangulation bestimmt werden. Diese Informationen werden auch in das zentrale Steuerungssystem übertragen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, die Überlebenden zu retten, bevor Unterkühlung einsetzt. Weiterentwicklung und Tests Die Forscher aus LYNCEUS2MARKET haben die Vorgängertechnologien im Hinblick auf Gestaltung, Miniaturisierung, Netzschnittstellen und Energiemanagement stark verbessert. Die Geräte sind jetzt klein, günstig und praktisch. Das System ist auch kompatibel mit gängigen Armbändern und Schlüsselkarten. Außerdem hat das Team Aspekte des Steuerungssystems weiterentwickelt, unter anderem Datenströme, Formate von Passagierdatenbanken, Visualisierungsmodule und Algorithmen zur Situationserkennung. Beim bisher größten Test dieser Art schickten die Forscher 200 Dummys mit Rettungswesten über Bord. Alle wurden schnell lokalisiert und gefunden. Auch das Steuerungssystem wurde auf einem großen Kreuzfahrtschiff eingebaut und erfolgreich betrieben. Die Nutzer, darunter auch Passagiere, meldeten ein hohes Akzeptanzniveau und Zufriedenheit. Das Team steht weiterhin in Verhandlungen mit Endnutzern. Bald sollten die finalen Systeme reif für den Markt sein. Auf lange Sicht könnte das System auch auf Kontexte außerhalb der maritimen Rettung ausgeweitet werden, zum Beispiel auf Ski-Gebiete oder Freizeitparks. Dank der Entwicklungen aus dem Projekt werden Schiffsevakuierungen geordneter und schneller ablaufen. Passagiere werden damit ein Schiff in Not mit höherer Wahrscheinlichkeit sicher verlassen können. Falls jemand ins Wasser fällt, wird dank der neuen Systeme eine schnelle Rettung möglich sein.

Schlüsselbegriffe

LYNCEUS2MARKET, Schiff, Evakuierung, Notevakuierung, Verfolgung, Ortung, Steuerungssystem, Passagiere und Besatzung, Suche und Rettung

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