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IT-Unterstützungswerkzeug dient entschlossenem Handeln bei Brustkrebs

Ein zukunftsweisendes neues Werkzeug zur Entscheidungsunterstützung stellt klinische Brustkrebsfälle intuitiv dar und bietet personalisierte Empfehlungen auf der Grundlage von Evidenz, früheren Fällen und Entscheidungen an. Brustkrebsfachleute werden auf diese Weise noch besser fundierte Entscheidungen treffen und die wirkungsvollsten Therapien auswählen können.

Gesundheit

Brustkrebs ist immer noch die häufigste Krebsart bei Frauen in der EU. Allein 2018 gab es schätzungsweise 562 500 Fälle. Tatsächlich wird jede achte Frau in der EU noch vor ihrem 85. Geburtstag an Brustkrebs erkranken. Die Komplexität der heutzutage verfügbaren digitalen Daten erfordert effiziente Werkzeuge, die ein interdisziplinäres Fallmanagement ermöglichen. Der im Rahmen des EU-finanzierten Projekts DESIREE (Decision Support and Information Management System for Breast Cancer) entwickelte Prototyp des IT-Entscheidungsunterstützungssystems ist derart konzipiert, dass der Entscheidungsfindungsprozess viel konsistenter und effizienter gestaltet werden und im Endeffekt dazu beitragen kann, Leben zu retten.

Herausforderung Big Data

Interdisziplinäre Brustzentren behandeln Brustkrebsfälle auf bewährte Weise. Sie setzen sich aus medizinischen Fachleuten - zum Beispiel Radiologen, Pathologen, Chirurgen und Onkologen - zusammen, die sich ungefähr einmal wöchentlich treffen, um Patientenfälle zu überprüfen und über Behandlungen zu entscheiden. Die systematische Bearbeitung der Fälle und die Einbeziehung verschiedener medizinischer Perspektiven gewährleistet, dass bestmögliche Behandlungsverläufe eingehalten werden. Damit wird eine hohe Versorgungsqualität gesichert. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, den Inhalt der vielen für jede Patientin verfügbaren medizinischen Daten zu verstehen und sie sinnvoll zu interpretieren. Heute übliche IT-Systeme sind oft für diese Aufgabe nicht ausreichend gerüstet, so dass sich die Zusammenführung und Begutachtung dieser heterogenen Informationen komplex und zeitaufwendig gestalten kann. Auch Vergleiche zwischen Fällen und Therapien können schwierig sein, selbst wenn die Rohdaten vorhanden sind. „Das Ziel dieses Projekts war die Entwicklung eines Informations- und Entscheidungsunterstützungssystems, das den interdisziplinären Brustzentren hilfreich zur Seite steht“, erklärt DESIREE-Projektkoordinator Dr. Iván Macía, Direktor für elektronische Gesundheitsdienste und biomedizinische Anwendungen bei Vicomtech in Spanien. „Es ist für das medizinische Personal schlicht unmöglich, sich an derart viele Variablen sowie an frühere Fälle und Entscheidungen zu erinnern. Also wollten wir einen Weg finden, all diese Informationen auf eine angenehme Weise darzustellen.“

Entscheidungsfindung unterstützen

Die Entwicklung des DESIREE-Systems wurde von Anfang an von den Bedürfnissen und Anforderungen der vier am Projekt beteiligten Krankenhäuser beeinflusst. Es war ein Konsens erforderlich, um Fachwissen und Patientenvariablen zu integrieren und die klinischen Richtlinien digital umzusetzen. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass nur qualitativ hochwertige Daten gesammelt und in das System einbezogen wurden und die Empfehlungen den vorhandenen Erkenntnissen entsprachen. Endergebnis ist der Prototyp eines IT-Werkzeugs, das klinische Richtlinien, klinische Erfahrungen und wichtige Informationen zum Patientenkontext zusammenführt und die Fachleute bei der Bewertung der Ergebnisse früherer Entscheidungen unterstützen kann. Eine Begutachtung der Entscheidungen und Ergebnisse ähnlicher Fälle gewährleistet außerdem, dass die Patientinnen auf einheitliche Weise behandelt werden. Das Werkzeug stellt Einzelfälle intuitiv dar und beinhaltet für jeden Fall relevante diagnostische Bilder. Außerdem enthält es eine Zeitachse der Diagnosen und Behandlungen. „Dieser Aspekt des Systems ist wirklich wichtig. In der Praxis ermöglicht diese Chronik die genaue Nachverfolgung jedes Falls. Die Funktionalität der Entscheidungsunterstützung sichert eine fundierte Entscheidungsfindung auf der Grundlage von Evidenz, Erfahrungen und früheren, ähnlich gelagerten Fällen“, sagt Dr. Macía. Ein weiterer innovativer Aspekt war die Arbeit des Projekts an der Modellierung der chirurgischen Therapie, die auf einem früheren Forschungsvorhaben mit einem US-Partner aufbaut. Durch eine Kombination aus die Heilung betreffenden und mechanischen modellierenden Bildgebungsdaten der Patientin können die ästhetischen Auswirkungen einer Operation auf die Brust vorhergesagt und simuliert werden. „Das ist etwas wirklich Greifbares für die Patientinnen. Vorstellbar ist, dass der Arzt bei vorhandener Angst vor einer Operation oder deren ästhetischem Ergebnis ihnen zeigen kann, wie die Ergebnisse aussehen werden“, ergänzt Dr. Macía. Das gesamte IT-System wird derzeit der klinischen Validierung unterzogen. Das Projekt DESIREE endete offiziell im Juli 2019. Dennoch wird auf den im Rahmen von DESIREE erzielten Ergebnissen weiter aufgebaut. In einem Projekt-Workshop mit IT-Fachleuten, der vor kurzem stattfand, wurden mögliche zukünftige FuE-Kooperationen erkundet. Auch externe Technologieunternehmen wurden kontaktiert, um über eine zukünftige mögliche kommerzielle Nutzung zu diskutieren. „Ein weiterer Aspekt ist, dass dieses System auf andere Krebsarten übertragbar ist. Zunächst muss jedoch eine vollständige klinische Validierung erfolgen, um andere davon zu überzeugen, dass das System wirklich funktioniert. Darin besteht die wahre Herausforderung, Vorreiter bei der Entwicklung eines solchen Systems zu sein“, schließt Dr. Macía.

Schlüsselbegriffe

DESIREE, Krebs, Brust, Daten, Modellierung, chirurgisch, Bildgebung, Technologie, interdisziplinäre Brustzentren, Radiogen, Pathologen, Chirurgen, Onkologen

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