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Sustainable techno-economic solutions for the agricultural value chain

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Lösungen für eine nachhaltige Verringerung der Lebensmittelverschwendung stärken unsere Bioökonomie

Eine EU-finanzierte Initiative ermittelte die besten realisierbaren Wege zur Nutzbarmachung von Abfallströmen aus dem Agrar- und Lebensmittelsektor, um die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2030 um 50 % zu verringern.

KLIMAWANDEL UND UMWELT

LEBENSMITTEL UND NATÜRLICHE RESSOURCEN

© Todd Klassy, Shutterstock

Die Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen schätzt, dass landwirtschaftliche Produktion und Nahrungsmittelerzeugung bis 2050 um zwei Drittel zunehmen müssen, um zusätzliche zwei Milliarden Menschen zu ernähren. Zugleich geht ein Drittel der produzierten Nahrungsmittel – etwa 1,3 Milliarden Tonnen jährlich – verloren oder landet im Müll. Allein in Europa werden jedes Jahr rund 700 Millionen Tonnen landwirtschaftlichen Abfalls generiert. Es ist also dringend notwendig, für eine effiziente Verwendung von landwirtschaftlichen Abfällen, Kuppel- und Nebenerzeugnissen zu sorgen sowie nachhaltige Wertschöpfungsketten im landwirtschaftlichen wie auch im verarbeitenden Sektor zu schaffen. Das EU-finanzierte Projekt AgroCycle befasste sich mit der Problematik rund um das Thema Abfall aus verschiedenen landwirtschaftlichen Bereichen wie Wein-, Olivenöl-, Garten- und Obstbau, Kultivierung von Weideland, Schweinezucht, Molkereibetrieb und Geflügelzucht. Das Konsortium bestand aus einer multinationalen Gruppe, die sich aus 26 Partnerorganisationen aus China und Europa zusammensetzte. Zu seinen Mitgliedern zählten Forscherinnen und Forscher, Unternehmen aus den Sektoren Technik, Produktion, Beratung und Einzelhandel (sowohl Großunternehmen als auch KMU), Verbraucher sowie Handels- und Erzeugerverbände.

Abfallströme besser verstehen

Die Initiative setzte sich zum Ziel, aus geringwertigen landwirtschaftlichen Abfällen hochwertige Produkte zu gewinnen und damit bis 2020 eine Steigerung der Rate für Abfallaufbereitung und -verwertung um 10 % zu erreichen. „Möglich wird das, wenn man ein genaues und ganzheitliches Verständnis von Abfallströmen entwickelt und eine bestimmte Anzahl an Wegen zur Abfallnutzung/-verwertung steuert“, erläutert Projektkoordinator Dr. Tom Curran vom University College Dublin in Irland. Die Projektpartner statteten die Industrie mit den Technologien und dem Fachwissen aus, mithilfe derer Herausforderungen im Zusammenhang mit beschränkten Margen, Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit in Geschäftsmöglichkeiten verwandelbar sind. Hierzu ist es nötig, innovative Anwendungsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Abfälle, Kuppel- und Nebenerzeugnisse zu erschließen und neue, nachhaltige Wertschöpfungsketten zu schaffen. Das Forschungsteam gestaltete auch eine Methode zur Bewertung der Wertschöpfungskette bei landwirtschaftlichem Abfall, um einen Überblick über die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Abfälle, Kuppel- und Nebenerzeugnisse zu erhalten und diese zu charakterisieren wie auch zu quantifizieren. Das Konsortium untersuchte Möglichkeiten zur Verwertung von Bioabfällen, dabei lag der Schwerpunkt auf Biokraftstoffen, Biodüngern und der Behandlung von agroindustriellem Abwasser sowie tierischem Dünger für Biopolymere, Energie und mikrobielle Brennstoffzellen, die sich durch einen hohen Mehrwert auszeichnen. Ökobilanzen und Lebenszykluskostenrechnung waren wichtige Hilfsmittel bei der Bestimmung der umweltbezogenen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit der Verwertungsoptionen. Außerdem entwickelte und leitete die Universität Maynooth in Irland, die zu den Projektpartnern gehört, ein genau auf das Thema abgestimmtes Bildungsprogramm für Jugendliche.

Vorteile für die Bioökonomie

Das Team entwickelte darüber hinaus nachhaltige Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle, um bessere Möglichkeiten für die Nutzbarmachung landwirtschaftlicher Abfälle in der Bioökonomie präsentieren zu können und solide neue Geschäftsmodelle zu konzipieren. „Wir haben die Online-Handelsplattform ‚AgroCycle Marketplace‘ ins Leben gerufen, die eine Verbindung zwischen Erzeugern von landwirtschaftlichem Abfall, Kuppel- und Nebenerzeugnissen und denjenigen herstellt, die solche Materialien verwerten könnten, wie beispielsweise Betreiber von Biogasanlagen“, erklärt Dr. Curran. Zudem wurden für den Gebrauch in Schulen gedachte Lehrpläne zum Fachbereich Kreislaufwirtschaft erarbeitet und Lehrer können die Unterrichtsmodelle kostenlos von der Website herunterladen. Diese Lehrmaterialien wurden bei der „Think Biobased Challenge“ mit einem Preis ausgezeichnet. Laut Dr. Curran gehört zu den bedeutendsten Leistungen, die AgroCycle erbringen wird, die Entkoppelung des landwirtschaftlichen sowie industriellen Wachstum und der Wettbewerbsfähigkeit von Auswirkungen auf die Umwelt. „Die Bestrebungen unserer Privatindustrie bezüglich wirtschaftlicher Entwicklung sind durchaus mit Zielsetzungen wie der Minderung der Auswirkungen des Klimawandels und einer Erhöhung der Energiesicherheit sowie der ökologischen Vielfalt in einer umweltfreundlichen Wirtschaft vereinbar“, stellt er fest. Von AgroCycle werden Verbraucher, Landwirte, Lebensmittelhersteller, Lehrer und Schüler profitieren. „Das Projekt wird die Wettbewerbsfähigkeit der EU sowie der internationalen Agrar-, Lebensmittel- und Bioraffineriebranchen erhöhen. Des Weiteren wird es durch die Gewährleistung einer nachhaltigen Versorgung von Bioraffinerien mit Rohstoffen und die dadurch ermöglichte aktive Beteiligung an der Geschäftskette der Industrie auf globaler Ebene die ländliche Entwicklung fördern“, schließt Dr. Curran.

Schlüsselbegriffe

AgroCycle, Lebensmittel, Abfallstrom, Wertschöpfungskette, landwirtschaftliche Abfälle, Kuppel- und Nebenerzeugnisse, Bioökonomie, Verwertungspfad, Geschäftsmodell

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 690142

Status

Abgeschlossenes Projekt

  • Startdatum

    1 Juni 2016

  • Enddatum

    31 Mai 2019

Finanziert unter:

H2020-EU.3.2.

H2020-EU.3.5.4.

  • Gesamtbudget:

    € 7 650 049,75

  • EU-Beitrag

    € 6 960 293,75

Koordiniert durch:

UNIVERSITY COLLEGE DUBLIN, NATIONAL UNIVERSITY OF IRELAND, DUBLIN