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Understanding the role of environmental and climatic changes in shaping subterranean diversity to preserve Europe’s unique hidden biodiversity

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Die Ursprünge der Höhlenspinnen im Dinarischen Gebirge

Die Abstammung mancher Spinnen in den Höhlen des Dinarischen Gebirges reicht laut Erkenntnissen des Projekts HiddenLife bis zu 30 Millionen Jahre zurück. Die Erderwärmung bedroht allerdings zahlreiche Arten, die für unser Ökosystem eine fundamentale Bedeutung haben.

GRUNDLAGENFORSCHUNG

© Alen Kirin

Die Höhlen im Dinarischen Gebirge, das sich von Slowenien bis nach Nordalbanien erstreckt, zählen zu den reichhaltigsten Orten biologischer Vielfalt in Europa. Im Rahmen des EU-Projekts HiddenLife wurde entdeckt, dass manche Vorfahren der Spinnen bis zu 30 Millionen Jahre zurückdatieren und mittels einer DNA-Barcoding-Technik festgestellt, dass die Anzahl von Spinnenarten, die bislang in den Höhlen katalogisiert wurde, doppelt so groß ist. „Wir haben jetzt ein weitaus umfassenderes Bild von der tatsächlichen Vielfalt und Entwicklungsgeschichte der Höhlenspinnen in der Region“, sagt Martina Pavlek, die Forschungsstipendiatin, welche die Untersuchung mithilfe des Marie-Skłodowska-Curie-Programms durchführte. „Die wichtigsten Abstammungslinien der Höhlenspinnen scheinen weitaus älter als erwartet zu sein, da sie bis zu den Anfängen der Entstehung des Dinarischen Gebirges zurückreichen, einem geologischen Ereignis, über das nur wenig bekannt ist.“ Unter der Aufsicht von Miquel Àngel Arnedo Lombarte, Professor für Zoologie an der Universität Barcelona, analysierte Pavlek Spinnen und sonstige Höhlenfauna, die von Höhlenforschern aus Höhlen des Dinarischen Gebirges gesammelt worden waren. Es war eine herausfordernde Aufgabe, denn während manche Abschnitte des Dinarischen Gebirges wie Slowenien und große Teile Kroatiens gründlich erforscht sind, trifft dies nicht auf Montenegro sowie Bosnien und Herzegowina zu. In manchen Fälle ist der Grund hierfür, dass es in diesen Ländern wenige aktive Höhlenforscher gibt. In Bosnien und Herzegowina machen zudem noch immer Landmienen den Zugang zu Teilen des Dinarischen Gebirges unmöglich. Pavlek vermochte es jedoch, kaum untersuchte Arten zu sammeln und kaum untersuchte Bereiche zu erforschen. Zur Untersuchung von drei unabhängigen Abstammungslinien von Höhlenspinnen verwendete sie hochmoderne molekulare und statistische Instrumente, um bislang übersehene Arten zu entdecken und andere Arten zu bestätigen, die bereits durch morphologische Studien bekannt wurden.

Steigende Temperaturen

Pavlek war bereits bekannt, dass das Dinarische Gebirge ein Hotspot für biologische Vielfalt in Höhlen sei, doch die Anzahl von Arten, die sie entdeckte, war eine echte Überraschung. „Dieses Ergebnis deutet möglicherweise darauf hin, dass andere Wirbellosengruppen, die in der Region leben, auch eine weitaus größere Vielfalt haben, als derzeit erkannt wird“, sagt Pavlek. Die Erstellung eines Katalogs zur heute vorhandenen Fauna ist entscheidend für den zukünftigen Artenschutz. Die vorläufigen Ergebnisse von HiddenLife zeigten, dass Klimaänderungen in der Vergangenheit erhebliche Auswirkungen auf vorherige biogeographische Muster der Höhlenfauna hatten. Pavlek arbeitete mit den Forschern Marco Isaia und Stefano Mammola von der Universität Turin, Italien, an der Projektion der möglichen Auswirkungen der Erderwärmung auf Spinnen in 50 bis 70 Jahren. Da manche Arten nur in engen Temperaturbereichen wie z. B Höhlen zwischen 10 und 12 Grad überleben können, sind sie aufgrund der Erderwärmung vom Aussterben bedroht. „Spinnen sind ein fundamentaler Bestandteil der Ökosysteme“, sagt Pavlek. „Ohne sie wäre die Landwirtschaft unmöglich, da Insekten unsere Pflanzen fressen würden. In Höhlen, in denen die Anzahl und Häufigkeit von Arten gering ist, hätte das Aussterben von Spinnen weitreichende Auswirkungen auf das gesamte Nahrungsnetz.“ Zurück in ihrem Heimatland, als Mitglied der kroatischen biospeläologischen Gesellschaft, die sich der Erforschung und dem Schutz von Höhlen verschrieben, widmet sich Pavlek durch die Sammlung weiterer Proben weiterhin der Ursachenforschung für die Vielfalt im Dinarischen Gebirge: „Ich muss die Muster der biologischen Vielfalt verschiedener Gruppen miteinander vergleichen, die dieselben Lebensräume bewohnen, jedoch unterschiedliche natürliche Entwicklungsgeschichten zeigen, um die Prozesse und Faktoren zu ermitteln, die dieser erstaunlichen Vielfalt zugrundeliegen.“

Schlüsselbegriffe

HiddenLife, Spinnen, Abstammung, Dinarisches Gebirge, Erderwärmung, Biodiversität, Höhlenförscher

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 749867

  • Startdatum

    5 Juni 2017

  • Enddatum

    4 Juni 2019

Finanziert unter:

H2020-EU.1.3.2.

  • Gesamtbudget:

    € 158 121,60

  • EU-Beitrag

    € 158 121,60

Koordiniert durch:

UNIVERSITAT DE BARCELONA