Bessere Ernteerträge mit weniger Wasser
In aller Welt wird Wasser heute zu einer immer kostbareren und teureren natürlichen Ressource. Dies trifft vor allem für sicheres Trinkwasser zu, doch kaum weniger wichtig ist die Verfügbarkeit adäquater Wasserressourcen für landwirtschaftliche Zwecke. So gefährden ein allzu sorgloser Umgang mit den vorhandenen Wasserressourcen und anhaltende Probleme mit Wassermangel die industrielle Landwirtschaft in Südeuropa. Hier sind Obstbäume einem größeren Risiko ausgesetzt als die meisten Feldanbaufrüchte, da sich bei ihnen die Auswirkungen von Dürreperioden von Jahr zu Jahr akkumulieren. Doch gerade diese Obstsorten - beispielsweise Äpfel, Pfirsiche, Zitrusfrüchte und Oliven - leisten einen beträchtlichen Beitrag zum Einkommen der jeweiligen Anbauregionen. Die Herausforderung besteht also darin, die Ernteerträge konstant zu halten oder sogar zu steigern, aber zugleich den Wasserverbrauch zu senken. Dieses Problems haben sich jetzt Wissenschaftler aus dem Mittelmeerraum gemeinsam im Rahmen des EU-Förderprogramms FAIR angenommen. Dazu brachten sie ihr Expertenwissen in die Erarbeitung von Programmen zur Bewässerungsplanung ein, mit denen sich die Ausnutzung von Wasser und Nährstoffen bei gleichzeitiger Minimierung der eingesetzten Wassermenge optimieren lassen. In diesen Programmen sind die Häufigkeit und Dauer der Bewässerung von Bäumen exakt definiert. Möglich wurden die Ergebnisse durch die Anwendung von TDF-Sensoren (TDF = Trunk Diameter Fluctuation, Stammdurchmesser-Veränderung). Diese High-Tech-Sensoren liefert detaillierte Informationen über den Wasser-Rückhaltestatus jedes einzelnen Baumes. Die Daten werden in das Bewässerungs-Planungsprogramm eingegeben und zur Ermittlung der Wassermenge verwendet, die zur Gesunderhaltung des Baumes und zur Aufrechterhaltung der Ertragsmenge nötig ist. Auf diese Weise wurden Wassereinsparungen zwischen 10 und 30 Prozent erreicht. In den Programmen wird die Bewässerungsdefizit-Theorie angewandt, nach der keine Bewässerung des Baumes bis zur vollständigen Sättigung erfolgt. Zugleich konnten Verbesserungen der Obstqualität beobachtet werden. Ein weiterer wichtiger Vorteil für die Umwelt, der aus dieser Forschungsarbeit resultiert, ist die Senkung der Stickstoffmengen, die in den Boden sickern, und damit die Verringerung der Gefahr der Grundwasserverschmutzung. Die Ergebnisse der Arbeit werden gegenwärtig auf akademischer Ebene veröffentlicht, aber auch bei den zuständigen Behörden in diesen Regionen bekannt gemacht. Das Ziel ist die Förderung intelligenterer Anbaupraktiken.