Skip to main content

Article Category

Article available in the folowing languages:

Eine europäische Datenbank für die Gentherapie

In den letzten Jahren eröffnete sich der internationalen Wissenschaftsgemeinde die Perspektive, bislang unheilbare menschliche Erkrankungen mit Hilfe der Gentherapie zu behandeln, deren Basis die Gentransfervektoren bilden. Die europäische Genvektor-Datenbank und Genvektorsammlung (European Gene Vector Database and Repository, EGDR) hat angesichts eines konkreten Bedarfs der heute auf dem Gebiet der Gentherapie tätigen Gruppen (Forschungsgemeinde, Industrieunternehmen der Biotechnologie, Gesetzgeber) eine Datenbank zur Archivierung von Genvektoren entwickelt.

Gesundheit

Mit der Behandlung menschlicher Erkrankungen unter Anwendung von Methoden der Gentherapie könnte ein Traum in Erfüllung gehen. Realisiert werden könnte dies in erster Linie durch die Einführung und Expression spezieller Gene, die entweder therapeutische (bei genetischen Defekten), toxische (bei Krebs) oder präventive (bei Infektionskrankheiten) Aktivitäten in den menschlichen Zellen auslösen und von Gentransfervektoren gesteuert werden. Es gibt eine große Vielfalt an Gentransfervektoren, die von Plasmiden oder Viren (Retroviren, Adenoviren, MV und HSV) ausgehen und als biotechnologische Drogen eingestuft werden. Die meisten Genvektoren wurden in Verbindung mit Zellen entwickelt und getestet, die in vitro und in unterschiedlichsten Tierversuchen kultiviert wurden. Daneben wurden jedoch auch zahlreiche klinische Untersuchungen gestartet oder bereits erfolgreich abgeschlossen. Sowohl Regierungsstellen als auch die Pharma- und die Biotechnologie-Industrie haben ihre Bemühungen dabei auf die Entwicklung effizienter, effektiver und sicherer Genvektoren konzentriert. Die Herausforderung, alle zum Thema Genvektoren gesammelten ungeordneten Informationen zu zentralisieren, war das übergeordnete Ziel der EGDR. Dies führte zur Entwicklung einer praxistauglichen Datenbank sowie eines Genvektorarchivs. Die Datenbank bildet eine erste Quelle für aufbereitete, exakte und zuverlässige Daten zu den heute verfügbaren Genvektoren im Hinblick auf ihre Struktur und Herkunft, aber auch zu den Anwendungsmöglichkeiten und Eigenschaften spezieller Genvektoren und damit verwandter Zell-Linien (Tropismus, Aktivatoren, Genexpressionseinheiten, genetische Stabilität, Toxizität, biologische Wirksamkeit, klinische Ergebnisse, Qualität der Vektorpräparationen, Verfügbarkeit). Das Archiv für biologisches Material (BM) enthält Informationen über Aliquote von verfügbaren Vektoren, die im Hinblick auf Struktur, Sequenz, Herkunft, Präparationsqualität, Titer und das Vorhandensein von Verunreinigungen ausführlich beschrieben sind, und ermöglicht den Anwendern den Zugriff auf qualitativ hochwertige Informationen über biologisches Material. Die Datenbank enthält einhundert verschiedene Objekte (73 Plasmide, 9 Zell-Linien und 18 Vektoren), die aus den eigenen Archiven der Projektpartner stammen und bei Généthon sicher aufbewahrt werden, von wo aus sie der Forschungsgemeinde auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden. Diese erste Sammlung besteht aus Zell-Linien der Hersteller, Plasmid-Backbones zur Erzeugung von viralen Vektoren wie z.B. dem Adenovirus (Ad), dem adeno-assoziierten Virus (AAV), dem autonomen Minute Virus of Mice (MVM), dem Retrovirus und dem Lentivirus sowie Vektoren auf SV40-Basis und aus Material, das zur Durchführung von Tests für die Qualitätssicherung benötigt wird (Zell-Linien und Viren für die Vektor-Titration). Alle diese Genvektoren sind in Gentransfer-Experimenten verwendbar (oder werden dort bereits eingesetzt), die zur Grundlagenforschung und/oder zur Entwicklung von Vektoren dienen, ebenso in der Konzepten für die vorklinische und klinische Erprobung (in vivo/ex vivo, Genmarkierung), in der Forschung und in vorklinischen Projekten zur Untersuchung von erworbenen und genetisch bedingten Erkrankungen sowie direkt in klinischen Versuchen. Die Datenbank wurde in die EGDR-Website (http://www.egdr.org) integriert, die - zusammenfassend beschrieben - folgendes enthält: Zielsetzungen des ursprünglichen Projekts im Kontext des EU-Arbeitsprogramms, eine Liste der Mitglieder des Konsortiums mit Links zu ihren jeweiligen Websites, ein Leitfaden zum Anfordern bzw. Einliefern von biologischem Material vom bzw. an die EGDR, die Liste des im Archiv verfügbaren biologischen Materials als Ergebnis des ersten Inputs von den Projektpartnern einschließlich eines Leitfadens zum Auswählen von Material, Informationen zu den einzelnen Objekten - z.B. Plasmidkarten und sequenzen, Qualitätsspezifikationen und Literaturhinweise - sowie per Download abrufbare Formulare zum Anfordern bzw. Einliefern von Material. Die so geschaffenen Datenbanken sowie die Sammlungen bzw. sonstigen Bestände an biologischem Material vereinfachen die Organisation, Charakterisierung und Standardisierung von Informationen zu Gentransfervektoren. Unterstützt wird dieser Service durch Qualitätssicherungs- und Qualitätskontrollsysteme, die zur Gewährleistung der Qualität beider Informationstypen eingerichtet wurden. Mit diesem neuen System lassen sich aus den recht unterschiedlichen bei der Erfassung der Daten bestehenden Produktions-, Prüf- und Auswertungsbedingungen Genvektor-Informationen gewinnen, die quantitative Vergleiche zulassen. Überdies lassen sich trotz der Fülle der verfügbaren Daten, der hohen Variabilität der Versuchsbedingungen und der hohen Zahl unterschiedlicher Genvektorvarianten auf unkomplizierte Weise allgemeine Schlussfolgerungen aus Gentransferexperimenten ziehen. Außerdem haben sich so die Möglichkeiten zum Zugriff auf Genvektoren - selbst auf solche, die frei zugänglich sind - vereinfacht, und der Anwender kann davon ausgehen, dass ihre Qualität in puncto Herkunft, Titer, Verunreinigungen und Struktur gesichert ist. Zur Sicherstellung der Identität des Materials und seiner physikalischen und biologischen Spezifikationen wurde eine Qualitätssicherungsanalyse durchgeführt. Die vorhandenen Objekte wurden von den EGDR-Partnern zur Verfügung gestellt und sind das Resultat vergangener oder laufender F&E-Aktivitäten. Auf diese Ergebnisse und ihre denkbaren Anwendungsmöglichkeiten wird in den folgenden Abschnitten eingegangen. Die europäische Dimension dieses Projekts zeigt, dass der EGDR-Einsatz als Routinehilfsmittel auf dem Gebiet der Gentherapie wie ein Katalysator für alle mit diesem Hilfsmittel vertrauten Genvektor-Forscher und Entscheidungsträger wirken kann. Wie groß das Interesse der Wissenschaftsgemeinde an diesem Rationalisierungsinstrument ist, wird durch mehr als 13.000 Besuche der Website in den ersten sechs Monaten eindrucksvoll belegt. In diesem Stadium der Entwicklung auf dem Gebiet der Gentherapie kann eine gut organisierte Datenbank, die mit einem Archiv von gut dokumentiertem biologischem Material (Genvektoren) verknüpft ist, ein wertvolles Hilfsmittel sein - für die Wissenschaft ebenso wie für Industrieunternehmen der Biotechnologie und für den Gesetzgeber.

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich