Staatsaufbau — lokale Eigenverantwortung erforderlich
Das Projekt "Local ownership and peace missions" (PEACE) verdeutlichte, warum es wichtig ist, die Bedürfnisse und Ansichten der lokalen Bevölkerung bei staatsbildenden Maßnahmen miteinzubeziehen. Um dieses Konzept besser verstehen zu können, wurde ein integriertes theoretisches Modell weiterentwickelt, das die internationale Beteiligung in den Balkanstaaten (Kosovo) und der Karibik berücksichtigt. Programme zur Förderung der lokalen Eigenverantwortung müssen Teil staatsbildender Maßnahmen sein, um Schutz vor konfligierenden Paradigmen zu bieten. Diese Bedrohung ist sehr real, wenn die staatsbildenden Maßnahmen nicht an den lokalen Gegebenheiten ausgerichtet sind. Paradebeispiele hierfür sind die durch die internationale Gemeinschaft eingesetzten Regierungen im Kosovo sowie in Osttimor zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Forscher überprüften Entwicklungsstudien und Reformen des Sicherheitssektors. Zudem wurde intensive Feldforschung in Haiti und im Kosovo betrieben. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden daraufhin auf das Gebiet der Friedensmissionen übertragen. Die Ergebnisse wurden im Jahr 2012 auf internationalen Veranstaltungen und 2013 auf der International Studies Association Annual Conference vorgestellt. Die theoretische Grundlagenarbeit lieferte einen wichtigen Forschungsbeitrag und führte zu einer Neudefinition des Konzepts. Die Aktivitäten in diesem speziellen Forschungsbereich finden sich in einem Buch mit dem Titel "The Semantics of Statebuilding" wieder. Im Rahmen des PEACE-Projekts wurden unter Berücksichtigung der Lage in Haiti nach dem Erdbeben und im Kosovo für Fallstudien Verfahren für die Verwendung im Zusammenhang mit dem Konzept der lokalen Eigenverantwortung bei spezifischen staatsbildenden Maßnahmen ermittelt. Ziel war es, zu bestimmen, inwiefern die Umsetzung des Konzepts die Legitimität von Akteuren beeinflusst, welche an den verändernden Maßnahmen beteiligt sind. Die Teilnahme am Forschungsprojekt "Precarious Neighbourhoods and Sustainable Urban Development in Haiti" ermöglichte die Durchführung vertiefender Feldforschungen und die Vertiefung von Fachkenntnissen. Dies half dabei, die Wirkung internationalen Handelns auf lokale Gesellschaften besser konzeptualisieren zu können. Die Ergebnisse des Projekts (einschließlich der wissenschaftlichen Publikationen und der politischen Empfehlungen) trugen zur internationalen Debatte über bewährte Verfahren für staatsbildende Maßnahmen bei. Die Projektergebnisse legten zudem einen Grundstein für innovative Forschungsprojekte in verwandten Themenbereichen. Nicht zuletzt trug das PEACE-Projekt maßgeblich dazu bei, eine unabhängige Forscherstelle in Europa zu schaffen und somit insbesondere den Europäischen Forschungsraum zu verbessern.