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Interview

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Functional Food, das gut schmeckt

Seit dem Jahr 2004 hat sich Emulsar auf dem Markt für emulgierte Lebensmittel erfolgreich mit einer Technologie etabliert, die sowohl für einen guten Geschmack sorgt als auch den Bedarf für Zusatzstoffe senkt. Dank der EU-Unterstützung unter Horizont 2020 könnte das Unternehmen nun auch den Markt für diätische Lebensmittel erschließen und Menschen mit Adipositas, Diabetes, Krebs, Alzheimer oder Mangelernährung unterstützen.

Orale Nahrungsergänzungsmittel (oral nutritional supplements, ONS) zählen zu den wichtigsten Waffen im Kampf gegen krankheitsbedingte Mangelernährung – ein Problem, das für die EU Verluste von 120–170 Mrd. EUR bedeutet. So nehmen etwa 50 % aller Diabetespatienten solche Ergänzungsmittel zu sich, oft jedoch nur ungern. Der Geschmack ist eines der größten Probleme, mit denen Functional Food konfrontiert ist, und dessen Lösung könnte die Therapietreue der Patienten drastisch erhöhen. Emulsar wurde im Jahr 2004 gegründet und konnte seitdem die intelligente Emulsionstechnologie SENT© entwickeln und patentieren, welche den Schutz, die Stabilität und die Freisetzung von Wirkstoffen verbessert, ohne den Geschmack zu beeinträchtigen oder den intensiven Einsatz von Zusatzstoffen erforderlich zu machen. SENT© wird seit 2012 industriell eingesetzt und führte nun zu einem neuen Konzept für ein proteinreiches ONS, das Geschmacksprobleme löst und eine höhere Effizienz ermöglicht. Frédéric Arnaud, Mitbegründer des Unternehmens, spricht über die zukünftigen Pläne der Firma und die Ergebnisse des kürzlich abgeschlossenen Projekts GWAFH (Give the world appetite for health), das unter Phase 1 des KMU-Instruments von H2020 finanziert wurde. Können Sie uns mehr über Ihre Emulsionstechnologie erzählen? Worin sehen Sie ihr hohes Potential? SENT© von Emulsar basiert auf einem neuen Technologie- und Herstellungsparadigma für die Produktion von Emulsionen, bei dem die Emulgierung mit nanoporösen Membranen erzielt wird. Dieses Verfahren bietet gegenüber aktuellen Emulsionstechnologien einzigartige Vorteile: Die erzeugten Tröpfchen sind zehnmal kleiner, ihre Größe lässt sich besser steuern und auch eine höhere Homogenität wird erreicht. Geringere thermische und mechanische Belastungen bedeuten darüber hinaus, dass für eine stabile Emulsion weniger Zusatzstoffe erforderlich sind. Die Nachfrage nach Lebensmitteln mit weniger Zusatzstoffen wächst deutlich, doch gleichzeitig wollen die Verbraucher beim Geschmack keine Kompromisse eingehen. Wie erfüllen Sie diese Nachfrage? Bei Functional Food wird mit am häufigsten der schlechte Geschmack kritisiert, der zweifellos auch der wichtigste Grund dafür ist, dass es kaum konsumiert und die verschriebene Dosis nicht immer eingenommen wird. Durch die SENT©-Technologie konnten wir bereits Light Oil© auf den Markt bringen – für wohlschmeckendere, fettarme Dressings, Saucen, Brotaufstriche, Butter und Margarine. Das Öl wird mit feinen Wassertröpfchen angereichert, die in der Ölphase verborgen bleiben und sich im Mund nicht destabilisieren (und so nicht wahrnehmbar bleiben). Wenn Emulsar Light Oil© beispielsweise für ein fettarmes Dressing verwendet wird, schmeckt dieses wie ein Dressing mit normalem Fettgehalt, ohne dass es durch Verdickungsmittel breiig wird. Welche Erkenntnisse haben Sie in der EU-finanzierten Durchführbarkeitsstudie in Bezug auf das Marktpotential Ihres Produktionsverfahrens gesammelt? Durch die in Phase 1 geleistete Arbeit wurde ein bestimmter Bereich auf dem Markt für Functional Food hervorgehoben, auf dem SENT© eine Revolution bedeuten könnte: diätische Lebensmittel, insbesondere ONS. Diese formulierten Lebensmittel sollen ein krankheitsbedingtes Ernährungsdefizit eines Patienten ausgleichen. Der schlechte Geschmack und die großen Portionen, die für jede Mahlzeit erforderlich sind, führen jedoch dazu, dass die Patienten nicht immer die verschriebene Dosis zu sich nehmen, wodurch die Wirksamkeit der ONS drastisch eingeschränkt wird. Aktuell sind auf dem Markt nur Techniken verfügbar, mit denen nur schwer zusätzliche Proteine hinzugefügt werden können, ohne das Produkt ungenießbar zu machen – es wird übermäßig zäh und die Proteine schmecken unangenehm. In Phase 1 haben wir festgestellt, dass unsere Technologie für Wasser-in-Öl-Emulsionen erfolgreich angepasst werden kann, um die Proteindichte deutlich zu erhöhen. So wird das Volumen effektiv halbiert und der unangenehme Geschmack und die zähe Beschaffenheit der Proteine verdeckt. Das Ziel des Projekts besteht darin, ONS-Herstellern eine revolutionäre Proteinzutat – Protein Plus© – bereitzustellen, um diesen Bedarf zu decken. Welche Vorteile könnte Ihr Produkt beispielsweise für Diabetespatienten haben? Und liegen für diese Vorteile wissenschaftliche Belege vor? Aktuell beruhen die Behandlungsempfehlungen für Diabetes auf Änderungen der Lebensweise und einer inkrementellen medikamentösen Behandlung. Diese Maßnahmen können jedoch unwirksam sein, wenn Diabetes mit einer Mangelernährung einhergeht, die bei Diabetespatienten weit verbreitet ist. Daher werden Diabetespatienten „diätische Lebensmittel“ oder ONS verschrieben, welche nachweislich die Mortalitätsrate senken, Krankenhausaufenthalte verkürzen und Wiedereinlieferungen unwahrscheinlicher machen. Doch im Gegensatz zu andern Arten von ONS – die häufig mehr Zucker enthalten, um den Geschmack des Proteins zu verschleiern – muss bei ONS für Diabetiker der Zucker durch Süßstoffe ersetzt werden. Der Geschmack des Proteins ist dann deutlicher, weshalb weniger davon verwendet werden kann, damit das Produkt genießbar bleibt. Es besteht also nicht nur eine geringere Therapietreue aufgrund des Geschmacks, diese ONS sind darüber hinaus auch weniger effizient. Unsere Technologie wird diese Proteine konzentrieren und ihren unangenehmen Geschmack verdecken. Im Labormaßstab konnten wir bereits demonstrieren, dass die Anwendung von SENT© mit Proteinen zu einer Zutat mit hoher Proteindichte führt, mit der das aktuelle ONS-Volumen bei gleichbleibendem Proteingehalt halbiert werden kann und gleichzeitig Geschmack und Beschaffenheit des Proteins in den Hintergrund gerückt werden. Ende 2016 werden wir mit einer klinischen Studie beginnen, um die Vorteile unseres Ansatzes wissenschaftlich zu belegen. Konnten Sie bereits mögliche Kunden finden, insbesondere außerhalb Europas? Der Markt für ONS wird von europäischen und amerikanischen Akteuren dominiert: Nutricia (Danone), Nestlé Clinical Nutrition, Fresenius Kabi und Abbott Nutrition – und dank der in Phase 1 durchgeführten Interviews haben die meisten dieser Unternehmen bereits ein Treffen mit uns angefragt. Können Sie uns mehr über Ihre Strategie für die nächsten Monate und Jahre erzählen? Bei Emulsar möchten wir von Produkten, die einem das Leben erleichtern (Fertiggerichte), zu Anwendungen wechseln, die für manche Menschen unerlässlich sind (ONS). Dies stellt eine große Marktmöglichkeit dar, erzeugt einen kommerziellen Wert und fördert unser Wachstum. Wir bewegen uns damit von einem Lowtech- in einen Hightech-Sektor, von einem ausgereiften, gesättigten Markt in einen schnell wachsenden, und auch von einer fragmentierten Umgebung in ein Umfeld, in dem nur wenige große Akteure aktiv sind. Indem wir mit diesen Unternehmen zusammenarbeiten, könnte sich unsere Zutat schnell auf einem riesigen Markt ausbreiten, der sich über zahlreiche Länder erstreckt. Über ONS hinaus besteht unser Ziel letztendlich darin, den größeren Markt für Functional Food (Lebensmittel mit gesundheitsfördernder Wirkung) und den Massenmarkt für herkömmliche Lebensmittel zu erschließen. Dies wird dadurch möglich, dass wir den Mehrwert unserer Technologie bereits auf dem wissenschaftlich und technologisch anspruchsvollsten Markt demonstrieren konnten und so das Interesse von Akteuren der gesamten Lebensmittelindustrie gewinnen konnten. Haben Sie sich für Finanzierung der Phase 2 beworben? Wenn ja, was möchten Sie mit der zusätzlichen EU-Unterstützung erreichen? Wir haben uns im September für Phase 2 beworben; nun hoffen wir auf die Bewilligung. Diese europäischen Fördermittel würden uns ermöglichen, das Potential von Protein Plus© zu maximieren, den industriellen Prozess zu validieren, die erhöhte Therapietreue für ONS klinisch nachzuweisen und uns auf die Vermarktung vorzubereiten. GWAFH Finanziert unter: KMU-Instrument von H2020. GWAFH-Projektwebsite

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