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Senkung der Mortalität durch Leberkrebs in Entwicklungsländern

Angesichts einer erwarteten Verdopplung der Leberkrebsfälle in Afrika bis zum Jahr 2050 werden dringend etablierte Lösungen für Screening, Früherkennung und Behandlung benötigt. Im Projekt PROLIFICA konnte mit einer großen Fallstudie in Westafrika die Notwendigkeit für solche Entwicklungen verdeutlicht werden. Das Team arbeitet jetzt an der Entwicklung von Biomarkern für einen Teststreifen.

Etwa 25 % bis 30 % der 250 Millionen Menschen, die von einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) betroffen sind, sterben voraussichtlich an einem hepatozellulärem Karzinom (HCC). Vor allem in Entwicklungsländern wie in Westafrika ist die Situation besonders besorgniserregend: Hier ist Leberkrebs eine der häufigsten Todesursachen, die alternde Bevölkerung führt voraussichtlich zu einer Verdopplung der Inzidenz, der Zugang zu Screening- und Behandlungsprogrammen ist stark eingeschränkt, und es gibt keine maßgeschneiderten HBV-Behandlungsrichtlinien. Im EU-geförderten Projekt PROLIFICA (Prevention of Liver Fibrosis and Cancer in Africa) sollte die Belastung durch Lebererkrankungen und Leberkrebs aufgrund von HBV-Infektionen in dieser Region bewertet werden. Zudem sollte demonstriert werden, dass gemeindebasierte Screening- und Behandlungsprogramme umsetzbar, wirksam und kosteneffizient sind. Hierfür führte das Projektteam eine Studie an mehr als 9.000 Patienten in Gambia, im Senegal und in Nigeria durch. Es gab drei Hauptziele: die wichtigsten Risikofaktoren für HCC in einer westafrikanischen Bevölkerung mittels einer klinischen Fall-Kontroll-Studie zu identifizieren; zu zeigen, dass die Behandlung der chronischen HBV-Infektion möglich und wirksam ist; und nachzuweisen, dass HCC dank einfacher Diagnosetests frühzeitig erkannt und effektiv behandelt werden kann. Projektkoordinator Prof. Mark Thursz vom Imperial College of Science Technology and Medicine, Großbritannien, erläutert die wichtigsten Projektergebnisse. Warum haben Sie sich in Ihrem Projekt auf Afrika konzentriert? In Afrika gibt es weltweit eine der höchsten Prävalenzen von chronischer HBV-Infektion und damit die höchste Inzidenz von Leberkrebs. Ich habe schon viele Jahre mit Forschern in Westafrika zusammengearbeitet und den natürlichen Verlauf der HBV-Infektion sowie genetische Faktoren, die den Ausgang dieser Infektion beeinflussen, untersucht. In Europa und Amerika kann diese Infektion gut behandelt werden, aber in Afrika gab es keine Behandlungsprogramme. Wir wollten untersuchen, ob die Einrichtung eines Programms für das Screening nach und die Behandlung von Hepatitis B umsetzbar wäre, um zu verhindern, dass die Patienten eine Lebererkrankung im Endstadium entwickeln. PROLIFICA baut auf zwei Plattformen auf: Die erste war eine Fall-Kontroll-Studie zu Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom), die Proben und Daten für die Biomarker-Entwicklung liefern sollte. Die zweite war ein populationsbasiertes Screening-Programm, um festzustellen, ob wir Menschen, die mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert sind, effektiv identifizieren und ihnen eine Behandlung bieten können, um Komplikationen durch die Infektion zu verhindern. Sie wollten zeigen, dass HBV, eine Hauptursache für Leberkrebs, frühzeitig erkannt und wirksam behandelt werden kann. Wie ist Ihnen das gelungen? Das Hauptziel war es, die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit für den Nachweis einer chronischen Hepatitis-B-Virusinfektion in einem frühen Stadium zu untersuchen, sodass man mit der Behandlung der Infektion Leberkrebs verhindern kann. Da die Infektion ohne erkennbare Symptome verläuft, bis eine Lebererkrankung im Endstadium eintritt, mussten wir in die Gemeinden gehen, um vor Ort auf HBsAg zu testen – einen Serummarker für chronische Infektion. Positiv getestete Patienten wurden dann zu einer vollständigen Untersuchung eingeladen, und diejenigen, die internationale Kriterien erfüllten, wurden behandelt. Sie haben mehr als 9.000 Patienten aus Gambia und dem Senegal gescreent. Was sind die wichtigsten Dinge, die Sie aus dieser Arbeit gelernt haben? Bisher hat sich keine Studie mit der Durchführung von Screenings für virale Hepatitis in den Gemeinden befasst. Wir waren erfreut zu sehen, dass die Aufnahme des Screenings bei rund 70 % lag und dass diejenigen, die positiv getestet wurden, effektiv versorgt wurden. Wir waren überrascht, dass lediglich 5 % der Patienten mit chronischer HBV-Infektion tatsächlich eine Behandlung benötigten. Dies ist offensichtlich eine gute Nachricht, da weltweit Besorgnis erregende 250 Millionen Menschen von dieser Infektion betroffen sind. Wenn nur 5 % behandelt werden müssen, können wir mit dieser Zahl wesentlich besser umgehen. Außerdem erwiesen sich Screening und Behandlung als kosteneffizient. Diese Daten wurden an die Gruppe für HIV und Hepatitis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weitergeleitet und werden die Grundlage für künftige Empfehlungen zu Screenings der Bevölkerung bilden. Wie würden Sie vorgehen, um die Zahl der Krebsfälle in Afrika zu reduzieren? Wir haben die Daten von PROLIFICA genutzt, um die Auswirkungen verschiedener Interventionen zur Kontrolle der Hepatitis-B-Virusinfektion und zur Verringerung der Todesfälle durch Leberkrebs zu modellieren. Die Modelle bestätigen, wie wirksam Hepatitis-B-Impfprogramme für die Verhinderung von Neuinfektionen waren, diese Programme wirkten sich jedoch nicht auf die Todesfälle durch eine Lebererkrankung im Endstadium aus. Tatsächlich belegten die Ergebnisse, dass die durch Krebs verursachten Todesfälle ohne alternative Interventionen für weitere 30 Jahre steigen und auf einem hohen Niveau bleiben werden. Durch das Screening nach und die Behandlung von HBV-Infektionen könnte die Zahl der Krebsfälle innerhalb von fünf Jahren erheblich reduziert werden. Wie wird Ihr Projekt die lokale Politik beeinflussen? Zunächst erwarten wir nur eine begrenzte Aufnahme der Screening- und Behandlungsstrategie, da der politische Schwerpunkt auf HIV, Tuberkulose und Malaria liegt und nicht auf der Bekämpfung von Hepatitis B. Allerdings haben einige Regierungen in Afrika ihr Interesse daran bekundet, öffentliche Gesundheitsmaßnahmen zur Bekämpfung von Hepatitis B einzuführen, um die Zahl der Leberkrebsfälle zu reduzieren. Welches sind Ihrer Meinung nach die interessantesten Biomarker, die Sie identifiziert haben, und warum? Wir identifizierten eine Reihe von Patienten mit hepatozellulärem Karzinom in unseren Kliniken und nahmen biologische Proben für proteomische und metabonomische Analysen. Durch die Proteomanalyse wurden vier Proteine identifiziert, deren Serumspiegel sich bei hepatozellulärem Karzinom veränderten. Wir warten jetzt auf weitere Analysen, um festzustellen, wie nützlich diese für das Screening oder die Diagnose sein könnten. Wir haben außerdem eine Gruppe von Metaboliten im Urin identifiziert und verifiziert, deren Werte bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom ebenfalls verändert sind. Diese sind besonders interessant, weil sie es uns in Zukunft ermöglichen könnten, Patienten mit einem hohen Erkrankungsrisiko mithilfe eines einfachen Urinteststreifens zu identifizieren. Darüber hinaus weisen einige der Metabolen wie etwa Acetylcarnitin auf ein mögliches therapeutisches Ziel für die zukünftige Wirkstoffforschung hin. Was sind Ihre nächsten Pläne nach Abschluss des Projekts? Weitere Arbeiten sind erforderlich, um den Urinmetaboliten in einen Praxistest weiterzuentwickeln. Zurzeit haben wir ein Massenspektrometer in den MRC Laboratories in Gambia eingerichtet, um Metaboliten zu messen und zu sehen, ob wir Diagnoseinformationen in Echtzeit zur Verfügung stellen können. Wenn sich dies bestätigt, würden wir untersuchen, wie das Format des Tests vereinfacht und möglicherweise sogar ein Teststreifen daraus gemacht werden könnte. Im Hinblick auf die Screening- und Behandlungsstrategie für Hepatitis B suchen wir jetzt nach Finanzierung, um ein umfassendes landesweites Demonstrationsprojekt durchzuführen, das die Auswirkungen auf die Zahl der Todesfälle durch Krebs und Leberzirrhose endgültig nachweisen soll. PROLIFICA Gefördert unter FP7-HEALTH Projektseite auf CORDIS Website von PROLIFICA

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Vereinigtes Königreich

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