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Wissenschaft im Trend: Klimawandel-Skepsis? Meeresspiegelanstieg höher als bisher angenommen

Nach der Auswertung von Satellitendaten aus 25 Jahren zeichnen Wissenschaftler ein düsteres Bild der Erderwärmung. Der Meeresspiegel steigt jedes Jahr schneller – und sogar noch früher als prognostiziert.

Klimawandel und Umwelt

In der Diskussion über die aktuellen Prognosen zum Meeresspiegelanstieg sind sich die Experten weltweit einig, dass die Meeresspiegel unaufhaltsam ansteigen. Das ist bereits Fakt. Ungewiss ist noch, wie rasant sie steigen werden. Was genau ist für diese beunruhigende Entwicklung verantwortlich? Der Anstieg des Meeresspiegels hat mehrere Gründe. Wenn Wasser sich erwärmt, dehnt es sich aus und nimmt dadurch mehr Volumen ein, was den Meeresspiegel steigen lässt. Treibhausgasemissionen verstärken diesen Effekt weiter. Die Eisschilde in Grönland und der Antarktis, die größten Eismassen der Welt, schmelzen weiterhin rasant. Schätzungen zufolge hat der Grönländische Eisschild im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts bereits 303 Gigatonnen Masse pro Jahr verloren. Schmelzende Berggletscher tragen ebenfalls zum Anstieg bei. Eine neue Studie in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ verfolgte das Ziel, besser zu verstehen und zu prognostizieren, wie der Planet auf eine immer wärmer werdende Welt reagieren wird. Dazu untersuchte die Studie den Spiegel der Weltmeere anhand von Satellitenmessungen, die seit 1992 durchgeführt werden. Die Daten belegen, dass die Anstiegsrate jedes Jahr zunimmt. Das Forscherteam beobachtete in Satellitendaten der NASA und europäischer Quellen aus 25 Jahren einen Gesamtanstieg des Meeresspiegels um 7 cm. Den Berechnungen der Forscher zufolge hat sich der Anstieg des Meeresspiegels in den letzten Jahrzehnten beschleunigt und er hat nicht, wie bisher angenommen, konstant zugenommen. Bleibt es bei dieser Rate, könnte der Gesamtanstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 zweimal höher ausfallen als bisher angenommen. Die Forscher schätzen, dass sich die Anstiegsrate des Meeresspiegels um rund 0,08 mm pro Jahr beschleunigt. Wenn nichts dagegen unternommen wird, könnte diese steigende Tendenz bedeuten, dass der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um mindestens 10 mm pro Jahr steigt. „Diese Beschleunigung, die vor allem durch das beschleunigte Abschmelzen in Grönland und der Antarktis bedingt ist, könnte dazu führen, dass sich der Gesamtanstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 gegenüber bisherigen Prognosen, die von einer konstanten Rate ausgehen, verdoppelt“, so Steve Nerem, leitender Autor und Professor für Luft- und Raumfahrtwissenschaften an der University of Colorado Boulder, in einem Interview mit der britischen Zeitung „Independent“. Nerem zufolge könnte der Gesamtanstieg zwischen 1993 und 2100 bei 65 cm liegen, wobei dies eine vorsichtige Schätzung der Anstiegsrate und -beschleunigung über die nächsten 82 Jahre ist. „Unsere Hochrechnung basiert auf der Annahme, dass sich die Entwicklung des Meeresspiegels so fortsetzt wie in den vergangenen 25 Jahren. Doch angesichts der massiven Veränderungen, die wir heute bei den Eisschilden beobachten, ist das kaum wahrscheinlich.“ Für Küstenorte und die vielen Regionen in tieferen Lagen, die hochwassergefährdet sind, wäre das bereits genug, um verheerende Schäden anzurichten. Auch Metropolen wie Miami und Schanghai werden nicht verschont bleiben. Sind die Menschen auf steigende Meeresspiegel vorbereitet? Wer in Küstenregionen wohnt oder für seinen Lebensunterhalt auf Küsten angewiesen ist, sollte davon besonders alarmiert sein. Für diese Menschen lautet die Frage nicht mehr, wie stark der Anstieg ausfallen wird, sondern wann er kommt. Die Zahlen lügen nicht.

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18 April 2018