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Wissenschaft im Trend: Wie Massenmigration Spaniens DNA transformierte

Eine DNA-Analyse zeigt, dass im Spanien vor über 4 000 Jahren Männer fast vollständig ausgerottet wurden.

Grundlagenforschung

Die Iberische Halbinsel (das heutige Spanien und Portugal) hat in der Bevölkerungsgeschichte Europas sowohl Faszination ausgelöst als auch Rätsel aufgegeben. Dies liegt daran, dass hier die Kulturen Afrikas, Europas und des Mittelmeerraums im Laufe der Jahrtausende aufeinandergeprallt sind. Ein internationales Team aus 111 Bevölkerungsgenetikern und Archäologen untersuchte Personen aus der Region und ging dabei bis zu 8 000 Jahre in der Zeit zurück. Die in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichten Ergebnisse lassen auf eine ausgeprägte genetische Komplexität schließen, stellen jedoch eine mysteriöse Migration vor etwa 4 500 Jahren fest, die die DNA der alten Iberer vollständig transformierte. In der bis dato größten DNA-Studie der Region analysierte das Team die Genome von 403 Iberern aus der Mittelsteinzeit, der Jungsteinzeit, der Kupferzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit und anderen historischen Epochen. Alte DNA enthüllt Geheimnisse der unverkennbaren iberischen Bevölkerung Die erstaunlichste Entdeckung legt nahe, dass die Y-Chromosomen in dieser Region in der Bronzezeit fast vollständig ersetzt wurden. Die auf der Iberischen Halbinsel lebenden einheimischen Männer wurden im Genpool ausgetauscht. Ihre Y-Chromosomen wurden von denen von Männern verdrängt, die in diese Gegend einwanderten. „Dies ist einer der stärksten Beweise für die sexuelle Selektion in der Vorgeschichte auf dem Gebiet der Erforschung alter DNA“, sagte der Hauptautor Iñigo Olalde von der Harvard Medical School in einer Pressemitteilung der Harvard University. Die Forscher machten die Entdeckung, indem sie das einzigartige Y-Chromosom von Männern in der Region untersuchten, das aus ungefähr 8 000 Jahre alten Fossilien geborgen wurde. „Es ist erstaunlich, wie die Gentechnik mithilfe von alter DNA in Kombination mit Informationen aus Archäologie, Anthropologie, Linguistik und dem Studium historischer Aufzeichnungen die Vergangenheit zum Leben erwecken kann“, erklärte David Reich, Professor für Genetik am Blavatnik Institute der Harvard Medical School sowie Forscher des Howard Hughes Medical Institute und leitender Mitautor der Studie. Seit 2 500 v. Chr. kamen zu der iberischen Bevölkerung Menschen aus Mitteleuropa hinzu, deren genetische Vorfahren aus der russischen Steppe stammten. In den nächsten Jahrhunderten vermischten sich die Einheimischen mit den Mitteleuropäern. Nach 2 000 v. Chr. konnten 40 % der Vorfahren der Iberer und 100 % der Väter, die im Rahmen der Studie untersucht wurden, bis nach Mitteleuropa zurückverfolgt werden. Dies bedeutet, dass die Neuankömmlinge hauptsächlich Männer waren und die Männer, die vorher dort lebten, fast ersetzt haben. Die einheimischen Frauen hingegen überlebten die Übernahme. Der beste Beweis dafür sind die Überreste eines Mannes und einer Frau, die in der Bronzezeit zusammen an einem Ort in Spanien begraben wurden. Die Daten zeigen, dass die Frau eine Einheimische war und die jüngsten Vorfahren des Mannes aus Mitteleuropa stammten. „Es wäre ein Fehler, zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass die iberischen Männer getötet oder gewaltsam vertrieben wurden“, so Dr. Olalde gegenüber der „BBC“. „Die archäologischen Befunde liefern keine eindeutigen Hinweise auf einen Gewaltausbruch in dieser Zeit.“ Die Studie gab Aufschluss über die Bevölkerungsgeschichte dieser einzigartigen Region und wie sich dadurch die väterliche Abstammungslinie der Iberer bis heute verändert hat. Dadurch wird belegt, dass die Genetik nun die ferne Vergangenheit sogar mit den Menschen von heute verbinden kann.

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