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Die Gegenstrategie der EU gegen Fake News und die vier Ds, die Zweifel schüren: CORDIS nimmt an der 11. Weltkonferenz der Wissenschaftsjournalisten teil

Online-Betrug kann einer Gesellschaft auf allen Ebenen Schaden zufügen. Die 11. Weltkonferenz der Wissenschaftsjournalisten (WCSJ) in Lausanne hat gezeigt, dass sich Kommunikation als Fluch erweisen kann, der zur Untergrabung der öffentlichen Gesundheit beiträgt.

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Im Rahmen der Veranstaltung „Fake-news in science. How to recognise and fight it“ erzählte Dr. Riko Muranaka ihre Seite der Geschichte, nachdem sie die Behauptung in Frage gestellt hatte, dass der Impfstoff gegen das humane Papillomavirus (HPV) zu chronischen Schmerzen und Bewegungsstörungen führen könnte. Die Beweise, die sie gegen den japanischen Neurologen Shuichi Ikeda vorlegte, brachten ans Tageslicht, dass nur eine einzige Maus geimpft worden war und der Hirnschnitt, der Schäden aufwies, nicht zu dieser Maus gehörte. Nachdem Dr. Ikeda eine Verleumdungsklage gegen Dr. Muranaka eingereicht hatte, spitzte sich die Situation zu, als sie Drohungen und Anschuldigungen darüber erhielt, dass die Impfstoffproduzenten sie in der Tasche hätten. Ironischerweise hat die Universität, an der Dr. Ikeda beschäftigt war, ihn im November jenes Jahres, 2013, von dem Vorwurf entlastet, Forschungsdaten gefälscht zu haben. Er wurde jedoch dafür kritisiert, dass er in der „Studie“ nur Versuche an einer einzigen Maus vornahm. Zum Nachteil der menschlichen Gesundheit nehmen öffentliche Impfängste wieder zu Obwohl die japanischen Gesundheitsbehörden beteuerten, dass Dr. Ikedas Anschuldigungen „sehr bedauerlich“ wären und er Missverständnisse unter der Bevölkerung verbreitet hätte, hat es nur drei Jahre gedauert, bis Japans HPV-Impfrate von fast 80 % auf weniger als 1 % gefallen war. Dies war das Ergebnis einer Social-Media-Kampagne und Sensationsberichterstattung. Zudem hat das Zögern der Regierung, den HPV-Impfstoff weiterzuempfehlen, noch zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. Ein Rückgang der Impfungen bei sexuell aktiven Männern und Frauen hat schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Es gibt über 100 HPV-Stämme, von denen mehr als 14 Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Trotz der offensichtlichen Vorteile von Impfungen betont Dr. Muranaka, dass die Haltung der Regierung und die Berichterstattung in den sozialen Medien Schuld daran tragen, dass die Öffentlichkeit ihre Sicherheit in Frage stellt. EU geht gemeinschaftlich gegen Desinformationen vor Joe Lynam, Desinformationsspezialist und ehemaliger Wirtschaftskorrespondent der BBC, hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Bei der Erarbeitung des EU-Aktionsplans gegen Desinformation hat er seine ohnehin schon umfassenden Fähigkeiten in Bezug auf Fake News und deren Urheber noch weiter verfeinert. Laut Lynam bezieht sich Dr. Muranaka auf die „Desinformationssenke“. Bei der Aufschlüsselung der Taktik von Verbreitern von Fake News wies er darauf hin: „Die vier Ds stehen für ‚distort, distract, dismiss, dismay‘ (dt.: verzerren, ablenken, verwerfen, bestürzen) und das wichtigste fünfte D ist ‚doubt‘ (dt.: Zweifel).“ Bei seiner anschließenden Aufzählung der Ziele und Opfer des Zweifels hob er hervor: „Es besteht Zweifel an unseren Institutionen, Zweifel an unseren Regierungen, Zweifel an unseren Journalisten und Zweifel an der Wissenschaft. Die Saat des Zweifels sorgt für Verwirrung und diese hat zur Folge, dass sich die Öffentlichkeit in Lager wie Impfgegner aufspaltet.“ „Einer der Aspekte des EU-Plans ist der Verhaltenskodex, nach dem sich die großen Plattformen, Online-Werbetreibende, ... Twitter, Facebook, zum ersten Mal auf ein Regelwerk zur Bekämpfung von Desinformation einlassen“, erklärte er. Dies schließt die Demonetarisierung der Urheber durch Werbung ein, sollte der Artikel eindeutig Lügen enthalten. Er fügte hinzu, dass es auch ein Register geben wird, in dem genau festgelegt ist, wer die Werbung macht. Die sichtbare Unterstützung für Dr. Muranaka rührte von der Auszeichnung John Maddox im Jahr 2017 her, die von der Fachzeitschrift „Nature“, der Kohn Foundation und der Wohltätigkeitsorganisation Sense about Science an Personen verliehen wurde, die sich für Wissenschaft und Beweise in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse einsetzen. Im Kampf gegen Fake News werden Institutionen wie die EU und Einzelpersonen wie Dr. Muranaka auch weiterhin gegen den Dämon der Desinformationsverbreiter ankämpfen.

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