Bessere Krankenversorgung dank zuverlässiger Tests
Das Institut für Gesundheit und Verbraucherschutz ist die jüngste der acht Einrichtungen, die die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission bilden. Zu seinen zahlreichen Aufgaben gehört u.a. zur Verbesserung der Sicherheit und Zuverlässigkeit medizinisch-technischer Produkte, wie z.B. künstliche Hüftgelenke, beizutragen. Hintergrund Der hohe Anteil älterer Mitbürger in der europäischen Bevölkerung hat in der plastischen Chirurgie zu einer kontinuierlich ansteigenden Verwendung von Prothesen wie künstliche Hüft- und Kniegelenke und Zahnimplantaten geführt. Aufgrund der erhöhten Lebenserwartung der Patienten sind haltbarere Ersatzprodukte vonnöten, um Mehrfachoperationen zu vermeiden. Technologische Entwicklungen in den Werkstoffwissenschaften, wie z.B. der Einsatz ,,intelligenter" Werkstoffe und hochsensibler Sensoren, ermöglichen erhebliche Verbesserungen in verschiedenen medizinischen Bereichen, angefangen bei modernen chirurgischen Instrumenten bis zu Grundausrüstungen wie Katheder. Daher ist den Diensten des Instituts für Gesundheit und Verbraucherschutz (IHCP) sehr viel daran gelegen, die Entwicklung dieser neuen Technologien mitzuverfolgen, um die Anwendung moderner und verbesserter medizinisch-technischer Produkte in der EU-Gesundheitsfürsorge zu fördern und zu harmonisieren. Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse Das Referat für bioverträgliche Materialien und Systeme (BMS) ist eine der zahlreichen Forschungsabteilungen innerhalb des IHCP. Die Aufgabe dieser Abteilung besteht einerseits darin, die Zuverlässigkeit medizinisch-technischer Produkte zu prüfen, und sich andererseits auch mit Funktionssystemen, biomedizinischer Modellierung, Verschleiß und Korrosion in biomedizinischen Systemen zu befassen. Das Referat war früher Teil des Instituts für fortgeschrittene Werkstofftechnologien, einer anderen Einrichtung der GFS. Ihre jetzige Zugehörigkeit spiegelt eine deutliche Abkehr von traditioneller metallurgischer und keramischer Werkstofforschung wider. In einem derzeit noch laufenden Projekt haben Forscher am IHPC die Ablagerung von Keramik und Kohleschichten in Knochenumgebung untersucht. Das Forscherteam benutzte verschiedene Techniken zur Oberflächenbearbeitung und konnte abgestufte bioverträgliche Beschichtungen wie Zirkonerde, diamantenartiger Kohlenstoff und nanokristalline Diamanten anbringen. Beschichtungen dieser Art werden in der Medizin vielfach angewandt: Bei künstlichen Hüften kann beispielsweise der Gelenkkopf damit beschichtet werden, um Reibung und folglich Verschleiß zu verringern, wodurch letztlich die Haltbarkeit beachtlich erhöht wird. Darüber hinaus vermindern sie auch das Risiko, daß Verschleißteilchen in den Körper gelangen, was zu einer Funktionsstörung führen würde, und bieten den Vorteil, daß sie die Integration von Metallteilen in den Knochen (Osteo-Integration) verbessern. In einem anderen Projekt wurde eine Doppelbeschichtung entwickelt, für die unter Vakuum eine Plasma-Spray-Methode (VPS) eingesetzt wird . Die Beschichtung erfolgt, indem osteo-konduktive Beschichtungen, wie die oben beschriebenen, auf eine zuvor mit VPS behandelte Titanschicht aufgebracht werden. ,,Biomedical Modelling Structure and Testing" zeichnet ebenfalls für die Schaffung und Führung eines europäischen Implantatregisters verantwortlich, das dazu dient, die Leistung orthopädischer Implantate und ihre Lebensdauer als umwelt- und patientenbezogene Faktoren zu bewerten. Alle genannten Aktivitäten sind darauf ausgerichtet, die Entwicklung sicherer und zuverlässigerer medizinisch-technischer Produkte zum Nutzen der Patienten in der ganzen EU zu fördern. Organisation der Partnerschaft Das IHCP wurde ins Leben gerufen, um die Gesundheits- und Verbraucherpolitik der Europäischen Union zu unterstützen. In dieser Funktion bündelt, organisiert und optimiert es bestehende FTE-Komponenten von den anderen Instituten der GFS, um deren wissenschaftliches und technologisches Potential in diesem Sektor zu maximieren. Das Institut ist darüber hinaus an verschiedenen anderen kooperativen Forschungsprojekten unter den Rahmenprogrammen der EU sowie an weiteren europäischen Programmen wie Eureka beteiligt.