Prodi fordert dynamischere Unternehmenskultur in Europa
Die europäische Wirtschaft müsse dynamischer, unternehmerischer und innovativer werden, wenn sie den Herausforderungen bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der sozialen Ausgrenzung begegnen und dabei eine weltweit wettbewerbsfähige Industrie erhalten will, so der Präsident der Europäischen Kommission Romano Prodi am 19. März 2000 auf der Hannover-Messe 2000 in Deutschland. Eine gesunde Unternehmenskultur werde Europa ferner in die Lage versetzen, den Übergang zur "neuen Volkswirtschaft" zu schaffen, in der die Informationstechnologien die Marktstrukturen grundlegend veränderten, so Prodi. Die Ausführungen von Präsident Prodi geben einen Vorgeschmack auf die Themen, die im Brennpunkt des Sondergipfels der Staats- und Regierungschefs in Lissabon zu Beschäftigung, Wirtschaftsreformen und sozialem Zusammenhalt erörtert werden, wenn sie ihre langfristige soziale und wirtschaftliche Strategie für Europa festlegen. Die Europäische Kommission habe ein dynamisches "Europa der Unternehmen" bis 2005 gefordert, das "für uns alle eine Herausforderung sein wird", so Prodi. "Ich bin davon überzeugt, daß wir die Herausforderungen unserer Zeit mit derselben Weitsicht, demselben Mut und derselben Entschlossenheit wie die Gründungsväter Europas aufnehmen und damit die politische Energie freisetzen können, die bei der Errichtung des Binnenmarktes und der Einführung des Euro am Werk war. Wir sind in der Lage, eine dynamische Gesellschaft zu schaffen, die keinen ausgrenzt. Das unternehmerische Europa, das neue Europa." Derzeit, so Prodi, gebe es nicht genügend Unterstützung beim Aufbau oder Ausbau neuer Unternehmen, und es gebe zu wenig Unternehmer. "Europa braucht unbedingt dynamische Menschen, um lebendige kleine und mittelgroße Unternehmen zu gründen, die schnell wachsen und sich zu weltweit führenden Anbietern entwickeln. Europa braucht Menschen, die bereit sind, Risiken einzugehen, und die ihre Chance ergreifen, ohne sich von der Angst vor einem Rückschlag zurückhalten zu lassen." "Das bedeutet, daß wir in Europa ein attraktives und durchschaubares Geschäftsumfeld schaffen müssen, das den kleinen Unternehmen wirklich hilft." Daraufhin erläuterte Prodi, auf welche Weise dies erreicht werden könnte. "Die Schaffung eines unternehmerischen und innovativen Europas sollte an den Schulen beginnen," so Prodi. Ferner müssen die Kosten für die Gründung neuer Unternehmen verringert und die Verfahren der Eintragung in die Unternehmensregister vereinfacht und benutzerfreundlich gestaltet werden, wobei alle unnötigen behördlichen Vorschriften beseitigt werden müssen. Darüber hinaus regte er an, daß Wagniskapital rechtzeitig zur Verfügung stehen müsse. "Europa benötigt auch die entsprechenden Kenntnisse für die neue digitale Wirtschaft", sagte der Präsident der Europäischen Kommission. "Deshalb müssen wir unbedingt in die Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmer und die Erziehung unserer Kindern große Summen investieren." Die europäischen Unternehmen sollten ermutigt werden, nicht abzuwarten und zuzuschauen, sondern sich die Entwicklungen offensiv zu Eigen machen, so Prodi weiter. Die Europäische Kommission, oder die e-Kommission, wie sie der Präsident bezeichnete, werde bei der Schaffung einer innovativen Informationsgesellschaft, die niemanden ausgrenzt, führend sein. "Die Europäische Kommission soll dabei an vorderster Front des Wandels stehen und sich zur "e-Kommission" entwickeln, indem sie die Anwendung der Informationstechniken anführt und zu einem leuchtenden Beispiel einer leistungsfähigen, modernen und verantwortlichen Verwaltung wird." "Die Europäische Kommission unternimmt bereits erhebliche Anstrengungen, um sich den Herausforderungen und Anforderungen der Informationsgesellschaft zu stellen", so Prodi. Die eEurope-Initiative biete eine kohärente und realistische Strategie, um Europa in das digitale Zeitalter und die neue Wissenswirtschaft zu führen, sagte er. Sie solle gewährleisten, daß Europa mit den Vereinigten Staaten bei der Verbreitung und Nutzung des Internet, dem elektronischen Geschäftsverkehr und der Anzahl von Neugründungen im Bereich der Spitzentechnik gleichzieht. Die Initiative hat sich anspruchsvolle Ziele für die digitale Versiertheit gestellt und strebt den Anschluß sämtlicher europäischer Schulen an das Internet bis zum Jahr 2001 an. Prodi sagte, die Europäische Kommission wolle Zielmarkierungen einsetzen, um sicherzustellen, daß diese Ziele auch erreicht werden.
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