Positive Reaktion auf größere Sicherheit von Blut
Menschliches Blut unter ständiger Qualitätskontrolle in Bioreaktoren zu produzieren, ist das ehrgeizige Ziel moderner Medizintechnik. Die gleichen Projektergebnisse lassen sich auch auf die In-vitro-Erzeugung von Organen anwenden. Hintergrund Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen Blut in Bioreaktoren zu produzieren, könnte viele Gesundheitsprobleme in der EU lösen, u.a. die Engpässe der Blutversorgung für medizinische Zwecke und das Screening von Spenderblut, das erforderlich ist, um die Infektionsgefahr für den Empfänger zu minimieren. Das Biotech2-Projekt der Europäischen Kommission ,,Hematopioictic: a model for human somatic stem culture" musste zahlreiche Hindernisse überwinden, bevor dieses Ziel erreicht war. Für seine Ergebnisse, die somatische Stammzellen im allgemeinen betreffen, gibt es viele mögliche Anwendungsgebiete. Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse Blutstammzellen sind die Vorstufe von Blutzellen, die sich im Knochmark im ,,Ruhezustand" befinden. Bevor die Projektpartner Kulturen anlegten, mussten sie die Ursache für diesen Ruhezustand herausfinden. Sie identifizierten mehrere Zellteilungsinhibitoren, die sie blockierten, um eine Teilung der Stammzellen zu bewirken. Mit dieser Technik konnte ein Hindernis überwunden werden, das sich bei der Verwendung somatischer Stammzellen in der Gentherapie stellt: Die viralen Vektoren, die benutzt werden, um ein therapeutisches Gen in eine Zielzelle zu transportieren, können ihre Ladung nur auf sich teilenden Zellen abladen. In den ersten Kulturen differenzierten sich die Zellen zu schnell und verschwanden innerhalb von 15 Tagen völlig. Dieses Problem ist nun gelöst worden: Die Zellen können drei Monate in einer nicht-differenzierten Stammzellen-Kultur wachsen. Es wurden bereits vier Patente in diesem Bereich angemeldet. Bemerkenswert ist, dass sich die Projektergebnisse auch auf andere somatische Stammzellen (Vorstufen von Leber- und Hautzellen usw.) anwenden lassen. Es ist sogar möglich, mehrere Arten von Stammzellen zusammen zu züchten, um ein Organ wie die Haut, mit verschiedenen Schichten und spezialisierten Zellen, zu produzieren. Darüber hinaus drücken Stammzellen ein Gen aus, das das Altern der Zellen verhindert. Die Stammzellen können so verändert werden, dass sie zu einer übermäßigen Expression dieses Gens oder zu seiner völligen Unterdrückung führen, und machen damit ein Instrument verfügbar, mit dem sich der Alterungsprozess untersuchen lässt. Oder allgemeiner ausgedrückt: Ihre genetische Veränderung kann dazu dienen, Gene mit unbekannten Funktionen zu analysieren. In der Medizin betreffen die Anwendungen die Bereitstellung enormer Mengen an sicherem Blut oder besserer Haut im Falle starker Hautverbrennung. Außerdem sind in-vitro erzeugte Organe auch potenziell für toxikoligische Studien sowie u.a. für Arzneimittel- und Kosmetiktests einsetzbar. Für diese Anwendungen würde es sogar besser sein, embryonische Stammzellen (aus überzähligen, durch In-vitro-Fertilisation gewonnene Embryonen) zu verwenden, da bei ihnen keine spontane Zellteilung in der Kultur erfolgt und dadurch größere Mengen zur Verfügung stehen. In einigen Ländern ist ihr Gebrauch allerdings verboten. Die derzeitige biomedizinische Ethik-Debatte muss anerkennen, dass sie im Rahmen der In-vitro-Herstellung von Geweben und Organen möglicherweise einen großen Beitrag zur menschlichen Gesundheit leisten, und entgegen der landläufigen Meinung nicht in die Gebärmutter eingepflanzt werden können, um dort menschliche Klone zu produzieren! Organisation der Partnerschaft Das Projektteam umfasst Zellbiologen und Industriepartner. Klinische und verordnungsrechtliche Blut-und Gewebetests gehen über den Rahmen des Projekts hinaus.