Der Weltraum ist entscheidend für die Entwicklung Europas - Bericht
Europa müsse die Raumfahrtentwicklungen als Mittel zur Durchsetzung seiner wichtigsten Zielsetzungen auf den Gebieten Wirtschaft, Umwelt und Sicherheit nutzen, so ein Bericht dreier Experten zur Untersuchung der europäischen Weltraumpolitik, der vom Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Antonio Rodotà, in Auftrag gegeben worden war. Bei den Experten handelt es sich um Carl Bildt (vormals schwedischer Präsident und UN-Sonderbeauftragter für den Balkan), Jean Peyrelevade (Vorsitzender von Crédit Lyonnais) und Lothar Späth (vormals Ministerpräsident von Baden-Württemberg). In der Einleitung des Berichts legen sie dessen Zielsetzungen deutlich dar. Dabei handelt es sich hauptsächlich um die Gewährleistung, dass der Weltraum zu einem integralen Bestandteil der europäischen Politik wird, und der Bericht nennt Erdbeobachtung, Umweltangelegenheiten und Sicherheit im Allgemeinen als einige der Hauptgebiete, in denen sich die Weltraumforschung als nützlich erweisen kann. "Wir können den Weltraum und die Weltraumpolitik nicht mehr getrennt von den übrigen europäischen Aktivitäten betrachten", so der Bericht. In dem Bericht wird die Meinung vertreten, dass eine gemeinsame europäische Weltraumpolitik mit vielen potenziellen Vorteilen für Europa verbunden sei, so z.B.: - Verringerung der Abhängigkeit Europas von nichteuropäischen Systemen in Schlüsselbereichen; - Förderung der Verwirklichung der Zielsetzung von Lissabon, zur wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaft der Welt zu werden; - Entwicklung Europas zur Alternative für die USA (die USA tätigen 80 Prozent der weltweiten Ausgaben für die Weltraumfahrt); - Schaffung einer Grundlage für eine engere Beziehung zu Russland; - Verhinderung des Einsatzes von Single Point Failure-Systemen weltweit sowie der Entwicklung eigener Infrastrukturen durch andere Konkurrenten (vor allem aus Asien). Der Bericht gibt im Folgenden eine Reihe von Empfehlungen, darunter: - Eine engere Beziehung zwischen der ESA und der Europäischen Union, indem z.B. der Weltraum auf die Tagesordnung des Europäischen Rates gesetzt wird und die Europäische Kommission dem Rat der ESA beitritt; - Nutzung der Funktionen der ESA für eher sicherheitsbezogene Aspekte der europäischen Weltraumpolitik; - Verwendung von Entwicklungen der ESA als Geschäftspotenzial (wie dies beim GPS der Fall war, das anfangs nur für die US Navy entwickelt worden war und nun einen gewaltigen kommerziellen Erfolg verzeichnet). In der Einführung kommt man zu dem Schluss, dass auf dem Weltraumsektor in Europa noch sehr viel mehr möglich ist. "Wir sehen Europa mit größeren Fähigkeiten sowohl zur Zusammenarbeit als auch für den Wettbewerb auf der globalen Szene daraus hervorgehen. Wir sind davon überzeugt, dass dadurch auch die Möglichkeiten Europas, seine anderen Ziele zu erreichen, verstärkt werden", so die Verfasser.