EU drängt USA bei Klimakonferenz zum Handeln
"Europa ist entschlossen zu handeln und hat zum Kampf gegen den Treibhauseffekt mobilisiert. Wir rufen die anderen Industrieländer dazu auf, sich unserem Kampf anzuschließen. Die Zeit zum Handeln ist gekommen." Mit diesen Worten erhitzte der französische Präsident Jacques Chirac in seiner Funktion als Vorsitzender des Europäischen Rates die Gemüter bei der entscheidenden Klimakonferenz in Den Haag. Die Gespräche schreiten nur langsam fort und bei der ersten Gesprächsrunde vom 13. bis 17. November wurden keinerlei Ergebnisse erzielt. Diese sind jedoch notwendig, wenn das Kyoto-Protokoll umgesetzt werden soll. Bei der zweiten Gesprächsrunde vom 20. bis 24. November werden politische Führungskräfte sowie die europäische Umweltkommissarin Margot Wallström das Wort ergreifen, um Kompromisse zu erzielen, die für alle akzeptabel sind. "Es ist noch nicht zu spät, aber wir müssen jetzt handeln", sagte Wallström in einem Interview am 19. November Wallström fügte hinzu, dass die Entscheidungen, die im Rahmen der Sechsten Vertragsstaatenkonferenz (COP6) getroffen werden, das richtige Gleichgewicht zwischen effektiven nationalen Maßnahmen der Industrieländer zum Umgang mit den zentralen Ursachen der Klimaveränderung, wie beispielsweise die Emission von Treibhausgasen durch Energieproduktion, Verkehr und Landwirtschaft, und der Anwendung der Zusatzmechanismen des Kyoto-Protokolls finden müssen. Die EU hat die Industrieländer dazu gedrängt, energisch zu handeln, um die Kohlendioxid-Emissionen zu senken. Die USA ziehen es jedoch vor, dies durch den Handel mit Emissionsguthaben zu erreichen. Durch den Kauf von Emissionsquoten von anderen Ländern, die ihre Ziele hinsichtlich der Emissionsreduzierung bereits erreicht haben, könnten die USA höhere Energiesteuern für die amerikanische Industrie und die Verbraucher vermeiden. Zu den Strategien der USA gehört auch die Aufforstung von Wäldern, sogenannte Kohlenstoff-Senken, um die Schadstoffe aufzufangen. Präsident Chirac erinnerte die Delegierten daran, in welchem Maße die Reduzierung der Verschmutzung von den USA abhängt: "In den USA ist die Produktion von Treibhausgasen pro Einwohner dreimal so hoch wie in Frankreich. Es sind in erster Linie die Amerikaner, auf die wir unsere Hoffnungen setzen, die Treibhausgasemissionen weltweit effektiv zu reduzieren. Kein Land kann jedoch seinen Beitrag zur gemeinsamen Anstrengung umgehen." Es gab bisher nur geringe Anzeichen dafür, dass Zugeständnisse gemacht werden könnten. Am 20. November wurde jedoch ein kleiner Fortschritt erzielt, als US-Delegierte ankündigten, dass sie das Guthaben, von dem die Amerikaner glauben, dass es ihnen zusteht, reduzieren würden, und Präsident Chirac Unterstützung für den von den USA bevorzugten Vorschlag der Kohlenstoff-Senken anbot: "Wenn [wissenschaftlich] bestätigt werden könnte, dass Wiederaufforstung, der Kampf gegen die Desertifikation und der Kampf gegen die globale Erwärmung sich gegenseitig stärken können, dann wäre es falsch, diesen Weg auszuschlagen", sagte er.