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Inhalt archiviert am 2022-12-21

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Der Innovationsanzeiger aus der Sicht eines Wissenschaftlers

In Vorbereitung der Veröffentlichung des Innovationsanzeigers, der Ende dieses Jahres von der Europäischen Kommission veröffentlicht werden soll, hat CORDIS-Nachrichten den Benchmarking-Experten Professor Bengt-Åke Lundvall aus Dänemark interviewt. Nachstehend folgt eine Zusam...

In Vorbereitung der Veröffentlichung des Innovationsanzeigers, der Ende dieses Jahres von der Europäischen Kommission veröffentlicht werden soll, hat CORDIS-Nachrichten den Benchmarking-Experten Professor Bengt-Åke Lundvall aus Dänemark interviewt. Nachstehend folgt eine Zusammenfassung seiner Anmerkungen. Koordinierung ist laut Professor Lundvall der Schlüssel zum Benchmarking. Er sieht einen großen Nachteil darin, wenn die Dinge nicht im Zusammenhang mit ihrem Umfeld gesehen werden. "Auf der Tagesordnung der portugiesischen Ratspräsidentschaft stand die Zusammenführung der Innovation und der wissensbasierten Wirtschaft mit sozialer Kohäsion: Es ist durchaus logisch, Bereiche zusammenzuhalten, die nicht als zusammengehörig erscheinen mögen", sagte er. Anschließend hob Professor Lundvall anhand eines Beispiels aus Dänemark hervor, wie dies funktionieren kann. Dänemark verfügt über eine Politik des so genannten DK21-Plans, der entworfen wurde, um die industrielle Entwicklung des Landes zu untersuchen. An ihm waren neun Minister beteiligt, die allesamt erklärten: "Wir möchten die Innovation, die Gesellschaft sowie die umweltbezogene Nachhaltigkeit und Kohäsion betrachten". Dabei sollen zugleich alle damit verbundenen Themen zusammengehalten werden. "Eine kohärente Sicht des Kontextes und der Ziele impliziert eine politische Koordinierung", sagte Professor Lundvall. Ferner besteht die Notwendigkeit, Informationen zusammenzuhalten, statt sie an allzu viele Quellen zu verbreiten, wobei Professor Lundvall den Eindruck hat, dass dies in der Vergangenheit möglicherweise im Zusammenhang mit der Innovation geschehen ist. Er würde die Art von Koordination begrüßen, die sich im monetären Bereich vollzieht. "Es gibt keine direkte Koordinierung, weil es keine Verständigung wie im monetären Bereich gibt. Diejenigen, die für die Koordinierung der monetären Angelegenheiten zuständig sind, haben eine kurzfristigere Sichtweise", sagte er. Diese Koordination sollte sich auch darauf erstrecken, was analysiert wird, etwas, das wegen wirklicher Ungenauigkeiten und wegen politischer Entscheidungen außerhalb des Rahmens liegen kann. Im letzteren Fall haben innovative Forschungsstudien noch vor ein paar Jahren möglicherweise die Anzahl der "dotcom"-Startups in einer Wirtschaft mit einbezogen, wohingegen diese nunmehr aufgrund des Zusammenbruchs einer großen Zahl dieser Unternehmen oftmals als schwächere Elemente einer innovativen Wirtschaft angesehen werden. "Es sah so aus, dass die Leute die Ereignisse interpretierten. Einige bezogen in das Benchmarking sogar den Besitz von [Hightech]-Aktien in den Haushalten mit ein, betrachteten dies als Teil eines innovativen Umfelds. Man muss jedoch extrem skeptisch sein, denn das, was in einem Jahr gut ist, ist es im nächsten Jahr nicht mehr", sagte Professor Lundvall. Im Hinblick auf den zweiten möglichen Schwachpunkt wurde das Benchmarking in der Vergangenheit genutzt, um bestimmte Ziele zu fördern, und darin lag eine der Schwierigkeiten, den Prozess vom Privatsektor, wo er angefangen hat, in den öffentlichen Sektor zu verlegen. "Zahlen und Statistiken können extrem politisiert werden. Vielleicht möchte man ja, dass das Ergebnis schlecht ausfällt, damit man es nutzen kann, um Dinge zu ändern." Aus diesem Grund sind die Verfahren, die für das Benchmarking eingesetzt werden, fast genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als die Ergebnisse. "Wenn man dies nur mit einem Top-Down-Ansatz für eine begrenzte Anzahl von Menschen tut, kann man nicht viel erwarten. Man könnte eine Bündelung erreichen, wobei viele lokale Ideen innerhalb der EU in eine sinnvolle Form gebracht werden. Man sollte einen Prozess auf nationaler Ebene haben. Man muss jedoch auf einer Ebene beginnen, auf der eine Verhaltensänderung gewünscht wird und die Menschen mit einbezogen werden, andernfalls ist die Auswirkung begrenzt. Es ist viel einfacher, die Leute dazu zu bringen, diese Information aufzunehmen, wenn sie an deren Formulierung beteiligt waren", sagte Professor Lundvall. Ein anderer Aspekt, der eine tatsächliche Auswirkung haben wird, ist, für die richtige Art des Benchmarking zu sorgen. Professor Lundvall sieht allgemein zwei Arten. "Es gibt das naive Benchmarking, das eine einzigartige beste Verfahrensweise darstellt, von der man den Eindruck hat, dass sie von einem zum anderen übertragen werden kann. Innovation vollzieht sich jedoch sehr unterschiedlich, je nach systemischem Kontext. Intelligentes Benchmarking bedeutet "Lernen aus Vergleichen": Man schaut, was man braucht, und wie andere es machen." Schließlich warnte der Professor davor, sich allzu sehr auf Statistiken und Trends zu verlassen. Er warnte davor, dass schlechte Zahlen auch von den vernünftigsten Umfeldern ausgehen können. Er sagte ferner, dass die Geschichte nicht immer gezeigt habe, dass der Transfer innovativer Techniken und Technologien stets auch den gewünschten Effekt gehabt habe. Er hob die sechziger Jahre hervor, das jenes Jahrzehnt darstellte, das mit die höchsten Wachstumsraten in der Produktivität verzeichnete, jedoch keine Einführung neuer bahnbrechender Technologien erfuhr.

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