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Nach Meinung von Prodi kann Mobilität von Forschern zur Europäischen Renaissance beitragen

Der Präsident der Europäischen Kommission Romano Prodi rief in einer Rede auf einer Konferenz zum Thema "Erweitertes Europa für Forscher", die am 27. Juni in Brüssel stattfand, zu einer "neuen Europäischen Renaissance" auf, im Zuge derer Lernzentren in "Spitzenforschungszentre...

Der Präsident der Europäischen Kommission Romano Prodi rief in einer Rede auf einer Konferenz zum Thema "Erweitertes Europa für Forscher", die am 27. Juni in Brüssel stattfand, zu einer "neuen Europäischen Renaissance" auf, im Zuge derer Lernzentren in "Spitzenforschungszentren von Weltklasse" umgewandelt werden sollen. Die Konferenz folgte auf eine Mitteilung über eine "Mobilitätsstrategie für den Europäischen Forschungsraum", die die Kommission am 20. Juni an den Rat und das Europäische Parlament gerichtet hatte. Eine Diskussionsrunde am Runden Tisch vereinte Prodi, Forschungskommissar Philippe Busquin und Vertreter von Forschungsinstituten, der Lehre und der Industrie aus Mitgliedstaaten sowie Bewerberländern. Hierbei wurden Beschränkungen der Mobilität von Forschern, besondere Probleme im Zusammenhang mit Reisen zwischen der EU und den Beitrittsländern sowie mögliche Lösungen für diese Schwierigkeiten besprochen. Im Laufe der Präsentationen und Fragen tauchten unter anderem Punkte auf wie der Begriff des "Brain Drain", bürokratische, rechtliche und finanzielle Mobilitätsbarrieren, Mobilität zwischen verschiedenen Sektoren sowie Benchmarking. "Es kann keine Wissensgesellschaft ohne neues Wissen geben. Und die wichtigste Quelle von neuem Wissen ist die Forschung", so Romano Prodi. "Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Forschung die treibende Kraft hinter der neuen Europäischen Renaissance sein muss." Beim Vergleich der europäischen Situation mit der in den USA äußerte Prodi, dass "viele unserer Köpfe auf der falschen Seite des Atlantik gelandet sind - und noch immer landen". "Es ist ironisch, dass Europa keine Probleme hat, hervorragende Fußballmannschaften zusammenzustellen, die aus Spielern verschiedener EU-Länder bestehen. Erstklassige Forscherteams zusammenzustellen scheint demgegenüber erheblich schwieriger zu sein", fügte Prodi hinzu. Philippe Busquin erhob den Anspruch, dass die Bürokratie eines der Haupthindernisse für die Mobilität der Forscher darstelle und unterstrich die Ironie der Tatsache, dass es für nicht aus der EU stammende Forscher oft schwieriger sei, sich zwischen EU-Mitgliedstaaten zu bewegen, als von außerhalb der EU in einen solchen einzureisen. Mehrere Redner bemerkten allerdings, dass die bürokratischen, finanziellen und rechtlichen Barrieren nicht die einzigen Probleme seien, die die Mobilität der Forscher beeinträchtigen, wobei sie auf menschliche Aspekte anspielten. Ein Vertreter der British Royal Society sprach die Lage in Großbritannien an, wo man nur sehr ungern ins Ausland gehe, es sei denn, ein Forscher habe einen ganz speziellen Grund, dies zu tun. So sei es sehr schwierig, britische Forscher dazu zu bringen, nach Japan zu gehen, auch wenn die finanziellen Bedingungen mitunter sehr günstig sind. Er habe die Erfahrung gemacht, dass gemeinsame Projekte den Forschern die Mobilität zwischen den Ländern erleichtere. Kommissar Busquin machte auf die andere Seite der Gleichung aufmerksam und bedauerte den Protektionismus, der in vielen Universitäten besteht. Viele Universitäten nähmen noch immer nur Forscher auf, die auch an dieser Universität studiert haben. Er forderte ein Internetportal, über das Forscherstellen EU-weit ausgeschrieben werden könnten. Außerdem forderte er die Einrichtung eines Mobilitätszentrums, das den Forschern und ihren Familien, die in ein neues Land gehen, praktische Hilfestellung bieten könnte. Weiterhin betonte Busquin, dass nationale und EU-Forschungsprogramme konsistent sein müssen und dass hier die Kommission ins Spiel komme. Die Kommission müsse die gemeinsame Nutzung von Ressourcen fördern, meinte er. Einige Anwesende drückten ihre Bedenken zu Brain Drain aus, und um ein solches zu verhindern, schlugen sie vor, Forschern, die im Ausland gearbeitet haben, bei ihrer Rückkehr Stipendien auszuzahlen. Dieser Punkt wird gegenwärtig in der Kommission diskutiert. Norbert Kroo, Generalsekretär der ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest, wies Befürchtungen einer Abwanderung von Wissenschaftlern zurück, indem er darauf hinwies, dass die Zahl der Forscher, die ins Ausland gehen und nicht wieder zurückkehren, über die letzten 20 Jahre konstant geblieben ist. Er betonte vielmehr, dass die Rückwirkungen eines drohenden Brain Drain in erster Linie positiv sind, da sie Druck auf die Politiker ausüben, die Bedingungen im Heimatland zu verbessern. Er bezog sich auf eine Entscheidung aus Deutschland, Computerfachleuten eine Greencard auszuhändigen. Dies löste in Ungarn zunächst Besorgnis aus, doch in Wirklichkeit haben nur sehr wenige Menschen das Land verlassen, und in der Zwischenzeit sind die Umstände in Ungarn besser geworden. Busquin forderte, man könnte finanzielle Barrieren für die Mobilität von Forschern angehen, indem man dem skandinavischen Beispiel folgen würde. In diesem Zusammenhang wies er auf eine kürzlich in Schweden eingeführte Politik hin, die Steuerlast für hochqualifizierte Forscher zu reduzieren, die für drei Jahre nach Schweden kommen. Ähnliche Initiativen werden auch in Dänemark eingerichtet. "Vielleicht werden wir dem skandinavischen Beispiel folgen", so Busquin.