Rektoren haben Vorbehalte gegenüber RP6
Der Verband der Rektorenkonferenzen der EU (EUREC) hat eine Stellungnahme zu den Vorschlägen für das nächste Rahmenprogramm vorgestellt. Darin meldet der Verband Bedenken an, was Großprojekte, die mangelnde Berücksichtigung der Grundlagenforschung und die Rolle der Sozialwissenschaften anbelangt. "Die Grundlagenforschung ist einer der wichtigsten Garanten der Innovation", heißt es in der Stellungnahme des EUREC. "Unser Verband kann sich nur schwer vorstellen, wie innerhalb großer Projekte Grundlagenforschung betrieben werden soll, wenn diese überwiegend Maßnahmen zur zielgerichteten Forschung oder Problemlösung darstellen", heißt es darin weiter. Außerdem wird gefordert, die Grundlagenforschung in die Arbeitsprogramme der Spitzenforschungsnetze aufzunehmen. In die Spitzenforschungsnetze sollten außerdem "so viele unterschiedliche Forschergemeinden wie möglich" eingebunden werden, meint der EUREC. "Für die Innovation sind kleine vernetzte Organisationen und Einrichtungen von grundlegender Bedeutung." Der Verband schreibt, er unterstütze zwar den Vorschlag, die Verwaltungsstrukturen des Rahmenprogramms zu straffen, sei jedoch besorgt darüber, dass der Prozess von der Einführung von Großprojekten abhängt. Die Stellungnahme erläutert, warum der EUREC der Auffassung ist, dass ein Schritt in Richtung Großprojekte zum Rückgang des Anteils der beteiligten KMU führen wird: "Da die neue Struktur den Schwerpunkt auf Großprojekte verlagert, könnten die Folgen noch schlimmer sein als unter dem derzeitigen Rahmenprogramm, denn nur die größten industriellen Forschungseinrichtungen wären in der Lage, die finanziellen und personellen Mittel sowie die Infrastrukturen aufzubringen, die für ein Gebot im Rahmen einer Aufforderung zur Interessensbekundung erforderlich sind. Damit werden bestimmte Stellen und Unternehmen ausgeschlossen, die unter dem laufenden Rahmenprogramm noch aktiv sind." Die Stellungnahme fügt hinzu, solche Großprojekte stärkten zwar die oft geforderte Autonomie, könnten aber weder Objektivität noch Transparenz gewährleisten, solange keine Leitlinien bestehen, die die Möglichkeiten der Beteiligung darlegen. Zu den Geistes- und Sozialwissenschaften erklärt der EUREC, diese sollten "nicht nur als reine unterstützende Fächer", sondern als eigenständige wissenschaftliche Disziplinen betrachtet werden. "Der Verband hofft, dass die Europäische Kommission das gesamte Spektrum der [...] Wissenschaften zu nutzen beabsichtigt, und nicht nur die technischen Fächer", heißt es in der Stellungnahme. Dem EUREC ist besonders aufgefallen, dass das Budget für diese Fächer weit niedriger als bei anderen Fächern angesetzt ist. "Wenn Forschungsmaßnahmen in den Sozialwissenschaften früher weniger Mittel der Gemeinschaft erhalten haben, heißt das noch nicht, dass hochwertige Forschung im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften für wenig Geld zu haben ist", heißt es abschließend in der Stellungnahme. EUREC wurde 1973 gegründet. Dieser Verband repräsentiert rund 85Prozent der höheren Bildungseinrichtungen und über die Hälfte der Einrichtungen in der EU, die Grundlagenforschung betreiben.