Skip to main content

The Neurobiology of Decision-Making in Eating - Innovative Tools

Article Category

Article available in the folowing languages:

Die Neurobiologie hinter Ernährungsentscheidungen: was lässt uns zu viel essen?

Der alarmierende weltweite Anstieg von Fettleibigkeit stellt ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem mit erheblichen sozioökonomischen Folgen dar. Zur Förderung einer gesünderen Lebensweise ist es notwendig, die Faktoren zu verstehen, die sich auf Ernährungsentscheidungen auswirken.

Gesellschaft
Grundlagenforschung
Gesundheit

Ungeachtet von Gesundheitsinformationen, Bildung und Steuern auf gesundheitsschädliche Nahrungsmittel treten Fettleibigkeit und nichtübertragbare Krankheiten nach wie vor häufig auf. Infolgedessen versuchen Regierungen weltweit die Gesundheit der Bürger durch Nudge-Interventionen zu verbessern – kleine, aber wirksame Anreize, die darauf abzielen, Ernährungsentscheidungen des Menschen zu ändern. Doch zur Schaffung effektiver Empfehlungen ist es von zentraler Bedeutung, dass die bestimmenden Faktoren für Ernährungsentscheidungen verstanden werden. Vor diesem Hintergrund brachte das Projekt NUDGE-IT (The Neurobiology of Decision-Making in Eating – Innovative Tools) führende europäische Experten auf diesem Gebiet zusammen, um effektive Strategien für die Einhaltung der Ernährungsrichtlinien zu bestimmen. „Das übergeordnete Ziel von NUDGE-IT bestand darin, die Entscheidungsfindung bei der Ernährungsentscheidung besser zu verstehen, und prädiktive Modelle zu erstellen, die dazu beitragen, die öffentliche Gesundheitspolitik zu verbessern“, erklärt Projektkoordinator Prof. Gareth Leng. Ernährungsentscheidungen werden durch kulturellen und sozialen Druck, durch kognitive Faktoren und durch familiäre, genetische und epigenetische Faktoren beeinflusst. Außerdem spielen die Vermarktung und Kennzeichnung von Nahrungsmitteln, wirtschaftliche Faktoren und die Wahrnehmung einer gesunden Ernährung eine Rolle bei Ernährungsgewohnheiten. „Manche Faktoren sind wahrscheinlich Hindernisse für die Wirksamkeit bestimmter politischer Maßnahmen oder lösen Bedenken über negative Folgen für manche Sektoren der Gesellschaft aus“, skizziert Prof. Lang. Im Zuge von NUDGE-IT wurde daran gearbeitet, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in politische Empfehlungen zu übertragen, um die Verständnislücke zwischen mechanistischer Erkenntnis und translationalen Humanstudien zu überwunden. In diesem Zusammenhang integrierten Wissenschaftler Verhaltens- und Beobachtungsstudien in neurobiologische Datenstudien, um Interessengruppen über Ernährungsempfehlungsrichtlinien aufzuklären. Determinanten für Ernährungsentscheidungen Im Rahmen des Projekts wurden eine Reihe interessanter Beobachtungen gemacht, die unter anderem den großen Einfluss von homöostatischen und hedonischen Mechanismen oder von Belohnungsmechanismen im Gehirn auf Nahrungsmittelverbrauch und Körpergewicht betreffen. Interessanterweise entdeckten die Wissenschaftler, dass sowohl Fettmasse als auch Knochen die Nahrungsaufnahme beeinflussen, während sich Darmsignale und Fettmasse scheinbar zusätzlich auf die Belohungswege auswirken. Dies könnte potenziell Implikationen für Maßnahmen zur Reduktion des Knochenmasseindexes in der ganzen Bevölkerung haben. Das Fehlen eines bestimmten Nährstoffes kann außerdem zu einem Anstieg der Nahrungsaufnahme führen, um den Mangel auszugleichen, und so unweigerlich eine erhöhte Energiezufuhr bewirken. Obgleich davon ausgegangen wird, dass das Körpergewicht zu 80 % erblich bedingt ist, mehren sich wissenschaftliche Beweise dafür, dass Stress sowie eine gestörte Ernährung in der Schwangerschaft und im frühkindlichen Leben scheinbar lebenslange Auswirkungen auf Physiologie und Stoffwechsel haben. Der metabolische Status der Mutter in der Schwangerschaft beeinflusst zweifelsohne die Hirndynamik des Fötus, während eine frühkindliche Überernährung nicht nur zu einer Gewichtszunahme führt, sondern auch eine lebenslange Veränderung von Ernährungsentscheidungen auslöst. Dennoch legen die Daten von NUDGE-IT nahe, dass Interventionen bei der Ernährung von Kindern zur Förderung eines gesunden Essverhaltens äußerst effektiv sein können. Dies spiegelt sich möglicherweise im schnellen Wachstum von Kindern wieder und deutet auf einen dynamisch regulierten homöostatischen Weg hin. Die Neurobiologie der Essgewohnheiten Was die Nahrung anbelangt, ist die Entscheidungsfindung zweifelsohne eng mit Aktivitäten in bestimmten Hirnregionen verbunden. Änderungen in diesen Bereichen können mit den Verhaltensänderungen assoziiert werden, die zu Fettleibigkeit führen. Ausgehend hiervon wurden im Zuge von NUDGE-IT Neurobildgebungsverfahren angewandt, um die neuronalen Korrelate und Prozesse zu studieren, die am ernährungsbezogenen Verhalten beteiligt sind. Die Forscher ermittelten die neuronalen Schaltkreise, die in die Nahrungsbewertung und -auswahl verwickelt sind, um Unterregionen des Gehirns näher zu ermitteln, welche den Appetit steuern. Interessanterweise wurde eine neue Verbindung zwischen dem physiologischen und psychologischen Status und der Ernährungsentscheidung von Individuen entdeckt. Eine mathematische Modellierung ermöglichte eine ganzheitlichere Sichtweise auf die Mechanismen der Ernährungsentscheidung und die Erstellung eines Rahmens für evidenzbasierte Ernährungsrichtlinien. „Wir müssen weiterhin mechanistische und translationale Studien kombinieren und Compliance-Herausforderungen durch Nudging-Richtlinien angehen, die auf bestimmte Bevölkerungsgruppen abgestimmt sind“, lautet die Schlussfolgerung von Prof. Leng.

Schlüsselbegriffe

NUDGE-IT, Nahrung, Belohungsweg, Neurobiologie, Gewicht

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich