Europa ist besser auf Unternehmertum eingestellt, aber große Hindernisse verbleiben noch
Das Unternehmertum genießt unter Europäern ein besseres Image und mehr Mitgliedstaaten unternehmen jetzt Schritte, die Barrieren für mehr unternehmerische Initiativen in Europa zu beseitigen. Die EU liegt jedoch auf diesem Gebiet immer noch hinter den USA zurück. So lautet die Schlussfolgerung aus den Ergebnissen des Anzeigers 2001 zur Unternehmenspolitik der Europäischen Kommission, in dem Europas Fortschritte in sieben spezifischen Bereichen beurteilt wurden, die die Zunahme des Unternehmeranteils beeinflussen. Es handelt sich dabei um die Bereiche Zugang zu Finanzmitteln, das ordnungspolitische und administrative Umfeld, offene und funktionsfähige Märkte, Innovation und Verbreitung von Wissen, unternehmerische Initiative, Humanressourcen und neue Technologien. Zu den Bereichen, in denen ein Fortschritt festgestellt werden konnte, gehört auch die Maßnahme, das ordnungspolitische Umfeld für Unternehmer einfacher zu gestalten. Es konnte eine leichte Abnahme des Anteils der Unternehmen verzeichnet werden, die dieses als Hemmnis empfinden. Mehr Europäer stehen dem Gedanken der Selbstständigkeit geneigter gegenüber. Die europäischen KMU (kleine und mittlere Unternehmen) wenden sich immer stärker dem Internet als ein Geschäft zu. Es ist ein höherer Öffnungsgrad der Volkswirtschaften zu erkennen, wobei einige Volkswirtschaften wie beispielsweise Belgien einen Öffnungsgrad ihres Handels von 60 Prozent aufweisen. Die schwedischen und finnischen FuE-Ausgaben (FuE - Forschung und Entwicklung) als Teil des BIP (Bruttoinlandsprodukts) sind höher als in den USA. Die EU übertrifft die USA bei den tertiären Bildungsabschlüssen in den Bereichen Gesundheits- und Sozialwesen, Ingenieurwissenschaften, Fertigungs- und Bautechnik. In dem Anzeiger wird jedoch auch der Schluss gezogen, dass noch viel zu tun ist - sowohl kurz- als auch langfristig. Trotz Verbesserungen zeigen die Bürger der EU immer noch mehr Anzeichen einer Abneigung gegen die Risikoübernahme als die der USA. Dies ist ein Punkt, den Erkki Liikanen auf einer Pressekonferenz am 22. November ansprach. "Wenn sie zwischen einer Tätigkeit als Arbeitgeber, Arbeitnehmer oder einer selbständigen Tätigkeit wählen könnten, wollen die meisten Europäer Arbeitnehmer werden", so Liikanen, er fügte jedoch hinzu, dass das Unternehmertum in den südlichen EU-Mitgliedstaaten weiter verbreitet ist. Liikanen führte an, dass der Hauptgrund für den Mangel an unternehmerischer Initiative Angst vor der Risikoübernahme sei. "Wir müssen gegen das Stigma des Versagens angehen und ein Umfeld für das Unternehmertum schaffen", sagte Liikanen. "In Europa sind die Kosten bei einem Konkurs so hoch, dass die Risikoübernahme eher eine Bedrohung als eine Herausforderung darstellt", fügte er hinzu. Der Zugang zu Finanzmitteln für diejenigen, die die Initiative ergreifen, ist begrenzter als in den USA. "Derzeit lassen Ausmaß und Umfang dieser [Finanz-] Aktivitäten noch zu wünschen übrig", heißt es in dem Papier. Unternehmensgründungen unterscheiden sich in den Mitgliedstaaten hinsichtlich der Kosten und des Zeitaufwands erheblich, jedoch stehen Systeme wie beispielsweise das von Griechenland im Vergleich zu den USA und auch zu anderen Mitgliedstaaten wie Irland nicht gerade gut dar. In Griechenland belaufen sich die Eintragungskosten für einen Einzelhändler auf mindestens 750 EURO und eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung hat ein Mindestkapital von 23.500 EURO einzuzahlen. In Irland hingegen betragen die entsprechenden Vergleichszahlen ungefähr 100 EURO und einen EURO. Es wurde zwar versucht, die ordnungspolitische Belastung der europäischen Unternehmen zu verbessern, jedoch stachen vier Bereiche als schwierig heraus: Gesundheitsschutz und Sicherheit, Beschränkung der Arbeitszeit, beschäftigungsbezogene Steuern und Sozialversicherungs- und Rentenanforderungen. In Bereichen, in denen es Fortschritte bei den vorgeschlagenen Maßnahmen von den europäischen Einrichtungen zu verzeichnen gab, wurde die Umsetzung in nationales Recht verzögert. Schwerpunkt der langfristigen Ziele sollte die Anzahl der zur Verfügung stehenden ausgebildeten Arbeitnehmer, die Basis für weitere Innovationen und die gesteigerte Konzentration der Unternehmen auf ICT (Informations- und Kommunikationstechnologie) sein. In dem Papier wird eingeräumt, dass es zu einigen Problemen keine schnelle Lösung gibt. "Erfolge in den Bereichen Innovation und Wissensverbreitung können nicht kurzfristig erzielt werden", heißt es dort. Es werden einige wesentliche Elemente für den Erfolg herausgestellt: "Voraussetzung sind eine stabile wissenschaftliche Basis sowie ein Netz von wissenschaftlichen und forschungsorientierten Clustern, in denen neue und innovative Ideen gefördert werden." Zur Verbesserung der Fähigkeitsgrundlagen in der EU ist eine Erhöhung des Qualifikationsniveaus erforderlich, da an entsprechenden Maßnahmen nur etwa zehn Prozent der 25- bis 64-Jährigen teilnehmen, und der Anteil dieser Altersgruppe mit tertiärem Bildungsabschluss muss an die höheren in den USA festgestellten Werte (33 Prozent) herangeführt werden. Zudem muss der Anteil der Unternehmerinnen erhöht werden - der für die EU festgestellte Anteil hat in der Zeit von 1990 bis 1999 abgenommen. Schließlich ist ein weiterer Fortschritt im Bereich der Zugänglichkeit zu und Nutzung der Internet-Ressourcen durch die KMU in der EU erforderlich. Der Anteil der an das Internet angeschlossenen KMU ist zwar in den letzten Jahren stark gestiegen, jedoch sind Breitbandanwendungen in der EU wesentlich weniger verbreitet als in den USA. Ferner erweisen sich die Kosten für den Internetanschluss immer noch als ein Hindernis für die Verbreitung des Internet.