Kommission stellt Projekte mit sauberer Technologie vor
Im Rahmen einer Veranstaltung am 16. Juli stellte die Europäische Kommission verschiedene, mit EU-Mitteln finanzierte Projekte vor, mit der sie nachhaltige industrielle Produktions- und Recyclingprozesse sowie saubere Technologien fördert. In seiner Eröffnungsrede erklärte das für Forschung zuständige Mitglied der EU-Kommission, Philippe Busquin: "Zehn Jahre nach dem Gipfeltreffen von Rio und einige Wochen vor dem Gipfel von Johannesburg über nachhaltige Entwicklung besteht noch immer eine der zentralen Fragen darin, wie das Wirtschaftswachstum gefördert und gleichzeitig die Umwelt geschont werden kann. Saubere Technologien [...] bieten innovative Antworten auf diese Frage. Saubere Technologien und Recyclingprozesse werden von entscheidender Bedeutung für Fortschritte im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung sein." Busquin schätzt, dass 30 Prozent der Projekte des Fünften Rahmenprogramms (RP5) saubere Technologien betrafen, und versicherte, dieser Anteil werde auch im Sechsten Rahmenprogramm (RP6) beibehalten. Das Kommissionsmitglied wies außerdem darauf hin, dass es Jahre dauern könne, bis konkrete Ergebnisse der Forschungsmaßnahmen ersichtlich sind. Als Beispiel nannte er die weltweit erste Zinkoxidanlage, die in diesem Jahr in Südafrika ihren Betrieb aufnahm und aus einem Projekt hervorging, das vor zehn Jahren durch das Programm "Rohstoffe" finanziert worden war. Jacques Halut, ein Verfahrenstechniker an der französischen Hochschule für Chemie, stellte das TOZELIWA-Projekt vor, das vom RP5-Programm "Growth" finanziert wird. Ziel des Projekts ist die Entwicklung von Techniken für die Entsorgung von Abwässern aus der Oberflächenbehandlung von Metallen, wobei die Vermeidung solcher Abwässer im Vordergrund steht. Studien des französischen Umweltministeriums haben ergeben, dass die galvanotechnische Industrie in Europa für 40 Prozent der giftigen Schwermetallbelastung der natürlichen Gewässer verantwortlich ist. An dem auf drei Jahre angelegten Projekt sind seit 2001 zwölf Partner aus vier EU-Ländern beteiligt. Das Konsortium untersucht kombinierte Verdunstungs- und Nanofiltrierungs- oder Umkehrosmosetechniken als Mittel zur Beseitigung von Abbauprodukten vor dem Recycling. Halut ist zwar zuversichtlich, dass galvanotechnische Betriebe durch dieses Projekt in die Lage versetzt werden, ganz ohne Abwässer zu arbeiten und auf eine chemisch-physikalische Abwasseraufbereitung und Abwasservermeidungstechniken unter Einsatz von Chemikalien zu verzichten, räumte jedoch Schwierigkeiten bei der Markteinführung dieser neuartigen Technologie ein. "Die Industrie hält sich zurück und ist nicht vertraut mit diesen neuen Anlagen", sagte Halut. Aus diesem Grund sei die Nachfrage nach wie vor gering und die Preise hoch. Das Konsortium beginne nun aber damit, auf Workshops die Vorteile der Technologie darzulegen, erklärte er. Maria Janssen stellte die Ergebnisse des PROGRES-Netzes vor, eines seit 1998 bestehenden thematischen Netzes unter dem Programm "Brite Euram III". Das Netz stellt ein Diskussionsforum für Fragen über die Verwendung von glasartigen Verbrennungsrückständen zur Herstellung neuartiger Produkte dar. In den Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen in der EU fallen jedes Jahr rund 60 Millionen Tonnen glasartige Verbrennungsrückstände an. Ein Teil dieser Menge wird zwar wiederverwendet, der Anteil schwankt jedoch je nach Land zwischen 15 und 100 Prozent. In den vergangenen 40 Jahren entwickelte sich die Zementindustrie zum einzigen großen Abnehmer solcher Verbrennungsrückstände. Das PROGRES-Netz hat das Ziel, neue Anwendungen zu finden. Neue Anwendungen sind z.B. inerte und funktionelle Füllstoffe, Absorptionsmittel, Baustoffe, Zeolithmineralien und Additive zur Immobilisierung von Schadstoffen. Dr. Janssen zufolge liegt die Hauptschwierigkeit bei der Vermarktung darin, dass der Kunde die Stoffe als Abfallprodukte betrachtet. "Natürlich haben wir noch viel zu tun, bis wir alle Akzeptanzprobleme ergründet haben. Was die Akzeptanz von Verbrennungsrückständen auf dem Markt betrifft, müssen wir deutlich machen, dass es sich dabei um Ersatzprodukte für teure und knappe Rohstoffe handelt", erklärte sie. An dem Netz ECOLIFE (Closing the Loop of Electr(on)ic Products and Domestic Appliances. From Product Planning to End-of-Life Technologies) wirkt seit 1998 ein Konsortium mit 28 Partnern aus 10 Ländern mit. Mit der Gründung dieses thematischen Netzes wurde das Ziel verfolgt, Forschungsmaßnahmen auf europäischer, einzelstaatlicher und regionaler Ebene von der Konzeption elektrischer und elektronischer Geräte bis zu deren Entsorgung zu koordinieren. Nach Angaben von Dr. Bernd Kopacek von der Österreichischen Gesellschaft für System- und Automatisierungstechnik waren die anstehenden EU-Rechtsvorschriften über die Reduzierung von Elektronikabfällen und die geringere Verwendung von Chrom und anderer Schwermetalle der Anlass für die Gründung des Netzes. Das Netz beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit vier Schlüsselaspekten: Ökologische Gestaltung, Schließung des Kreislaufs, Entsorgung und stetige Anpassung des Standes der Technik. Das Netz hat bereits einen Leitfaden mit bewährten Praktiken in der ökologischen Gestaltung hervorgebracht, in dem zahlreiche Fallstudien beschrieben werden. Ein Beispiel für ökologische Gestaltung ist das "Green Phone" von Motorola, in dessen Lötmetall kein Blei enthalten ist, das aus Recycling-Kunststoff besteht und ein energiesparende Ladegerät besitzt. Für Dr. Kopacek wird der entscheidende Faktor für den Erfolg dieser Herangehensweise darin liegen, ob alternative Einsatzmöglichkeiten für gebrauchte Bauteile gefunden werden. Ein Beispiel sei die Verwendung eines Speicherchips eines Laptops in einem Auto oder einem Spielzeug. Abschließend stellte Edorta Larrauri das erste virtuelle europäische Recycling-Zentrum (VERC) vor, das am 1. Juli 2002 gegründet wurde. Dieses virtuelle Zentrum soll als Informations- und Lösungsanbieter für die Wirtschaft, darunter insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), sowie die Forschung, die Politik und andere interessierte Stellen dienen. An dem Netz sind 17 Partner aus 10 europäischen Ländern beteiligt.