Brauchen wir einen Europäischen Forschungsrat? - Busquin äußert seine Meinung
EU-Forschungskommissar Philippe Busquin gab neue Details bekannt, wie er die Zukunft des Europäischen Forschungsraums (EFR) sieht, und sprach darüber, wie ein Europäischer Forschungsrat diese Initiative ergänzen könnte. Bei einer Veranstaltung der dänischen Ratspräsidentschaft mit dem Titel "Towards a European Research Area. Do we need a European Research Council?" (Hin zu einem Europäischen Forschungsraum. Brauchen wir einen Europäischen Forschungsrat?) am 7. Oktober beschrieb Busquin den EFR als ein sich entwickelndes Konzept, das bereits ein Katalysator für eine Veränderung der Einstellungen war. Er nutzte die Gelegenheit auch, um die Ziele des EFR erneut zu betonen. "Das Projekt 'Europäischer Forschungsraum' beruht auf einer simplen Feststellung: wenn Europa mehr als nur die zweite weltweite Wissenschaftsmacht werden soll [.], sind Kooperation und Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg notwendig, aber nicht ausreichend", so Busquin. Der Kommissar räumte ein, dass das Konzept des EFR nicht neu sei, "da es seit fast dreißig Jahren während des ganzen Prozesses des Aufbaus Europas im Hintergrund stand". Seit dem Rat in Lissabon 2000 hat die Idee jedoch einen politischen Arbeitsstatus erreicht. Busquin sagte auch, dass der EFR selbst nicht das Endziel des Projekts sei. Er sei lediglich ein erster Schritt "zu einer wirklich europäischen Forschungspolitik, die mehr ist als die Summe der Forschungspolitiken der EU, der zwischenstaatlichen Kooperationsorganisationen und der verschiedenen europäischen Länder". Busquin erläuterte, er wolle, dass der Begriff "Europäische Forschung" mehr bedeute als "in Europa hergestellt" oder "durch die EU gefördert" und genauso benutzt werde wie der Begriff "Amerikanische Forschung". Das Projekt sollte einen wirklichen "Binnenmarkt der Forschung" mit einer "echten Koordination nationaler Forschungsaktivitäten und -politiken, die 80 Prozent der gesamten europäischen Forschungsanstrengungen ausmachen", kombinieren, so der Kommissar. Busquin meinte, die Diskussionen über die Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats seien ein Beweis für die Auswirkungen, die der EFR bereits auf Einstellungen hatte, insbesondere unter den nationalen Forschungsorganisationen. Diese Veränderung der Einstellung zeige sich auch in der Erkenntnis, dass es notwendig ist, die bereits unternommenen Anstrengungen zu ergänzen, um nationalen Aktivitäten mehr Kohärenz zu verleihen. "Von der Definition her ist der Europäische Forschungsraum noch nicht Wirklichkeit. Er ist jedoch bereits viel mehr als nur eine Idee", so der Kommissar. Um ihn Realität werden zu lassen "ist es notwendig, machtvollere Instrumente institutioneller Art zur Koordination nationaler Forschungspolitiken einzuführen", fügte er hinzu. Die Kommission werde Vorschläge zu dieser Frage vorlegen. Vielleicht hätte hier der Europäische Forschungsrat seinen Platz. Busquin unterstrich eine Reihe von Vorteilen, die eine solche Struktur der europäischen Forschung bringen könnte. "Ein Europäischer Rat der geplanten Art mit dem Ziel, die Grundlagenforschung in Europa auf der Basis beachtlicher Autonomie zu unterstützen, würde einen Bedarf erfüllen, dem man heutzutage nicht gerecht wird", so der Kommissar. Er fügte hinzu, dass solch ein Rat dazu beitragen würde, den EFR in die Realität umzusetzen.. Der Kommissar hat auch einige Ideen zur Struktur, auf die ein solcher Rat aufbauen sollte. Es dürfe keine Verdopplung bereits existierender Strukturen erfolgen und diese Strukturen müssten berücksichtigt werden, wenn die Aufgaben der neuen Institution definiert würden, betonte er. Er forderte, dass bei allen Überlegungen zur Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats die Frage gestellt werden sollte, ob dadurch ein echter Mehrwert entsteht. Der Mehrwert sollte sich in der Fähigkeit zeigen, Spitzenforschung zu unterstützen und zu stärken, sowohl was die Ressourcen als auch die finanzielle Koordination betrifft. "Wenn nicht eine gewisse Menge nationaler Ressourcen gebündelt wird, ist die Idee weniger interessant, wenn es darum geht den Europäischen Forschungsraum Realität werden zu lassen", so Busquin. Daher sei eine gewisse Menge neuer Fördermittel wesentlich und diese könnten und sollten in bedeutendem Maße von Unternehmen, z.B. durch Stiftungen, bereit gestellt werden. Busquin rief auch dazu auf, neue Institutionen Schritt für Schritt einzuführen. Es solle eine Pilotphase und Tests in kleinerem Umfang geben. "Dies ist zweifellos der vernünftigste und realistischste Weg zu verfahren. Dadurch können schnell Ergebnisse erzielt werden, in Anbetracht dessen, dass jede radikale, schwerwiegende Entscheidung eine gewisse Zeit dauert", so schloss er.