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Inhalt archiviert am 2023-01-13

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Politiker, Wissenschaftler und Beamte geben dem Europäischen Forschungsrat Form

Vor dem Hintergrund der Debatte über die mögliche Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats betrachtet CORDIS-Nachrichten die Beiträge führender Politiker, Wissenschaftler und Beamter bei einer Veranstaltung am 19. Februar in Paris in Bezug auf den möglichen Rahmen eines k...

Vor dem Hintergrund der Debatte über die mögliche Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats betrachtet CORDIS-Nachrichten die Beiträge führender Politiker, Wissenschaftler und Beamter bei einer Veranstaltung am 19. Februar in Paris in Bezug auf den möglichen Rahmen eines künftigen Europäischen Forschungsrats. Die Debatte in Paris hat eine endgültige Schlussfolgerung zugelassen: Die Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats wird von der europäischen Wissenschaftsgemeinschaft inzwischen umfassend unterstützt. Die wirkliche Debatte konzentriert sich jetzt auf die Gründungsprinzipien, die Struktur und Finanzierungsmechanismen eines solchen Gremiums und während die Meinung zu diesen Themen noch geteilt ist, werden die Positionen der verschiedenen interessierten Parteien klarer. Für Forscher und Wissenschaftler sind die wichtigsten Fragen die Unabhängigkeit eines solchen Gremiums und die Art der Forschung, die es finanziert. Nobelpreisträger Professor Rolf Zinkernagel spricht sich dafür aus, dass die EU und die nationalen Institutionen vor der Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats zwar umfassend konsultiert werden sollten, das endgültige Gremium jedoch in seiner Entscheidungsfindung vollkommen unabhängig sein sollte. "Wenn wir die erfolgreichsten Forschungsprogramme in den USA betrachten, stellen wir fest, dass sie langfristig angelegt sind und von den Wissenschaftlern selbst geleitet werden", sagte er. Professor Zinkernagel betonte außerdem, dass der Europäische Forschungsrat ohne ausreichende Finanzierung nur die Illusion von Unabhängigkeit besitzen würde: "Europa braucht keinen weiteren Diskussionsclub. Es braucht einen Wissenschaftsausschuss mit echten Befugnissen und der Freiheit, diese Befugnisse zu nutzen." Als Reaktion drauf warnte José Mariano Gago, der ehemalige portugiesische Minister für Wissenschaft und Technologie, davor, die Unabhängigkeit zu stark zu betonen. Er nannte das Beispiel anderer Agenturen, die eine vollkommene Unabhängigkeit erreicht hätten, aber als direktes Ergebnis ihrer Unabhängigkeit keine ausreichenden Finanzierungsmittel hätten sicherstellen können. Die Wissenschaftler waren sich allgemein einig, dass die Finanzierung des Europäischen Forschungsrats Initiativen im Bereich Grundlagenforschung unterstützten sollte und frei vom Grundsatz der "angemessenen Gegenleistung" sein sollte. Eine Reihe leitender Forscher, einschließlich Professor Zinkernagel und Professor Jean-Patrick Connerade, Vorsitzender von Euroscience, betonte außerdem die positiven Auswirkungen, die der Wettbewerb zwischen dem Europäischen Forschungsrat und den nationalen Forschungsräten auf die europäische Wissenschaft haben werde. In diesem Punkt widersprach jedoch Dr. Peter Kind, Leiter des Referats für die Strukturierung des Europäischen Forschungsraums der GD Forschung. Er sprach sich dafür aus, dass eines der Gründungsprinzipien sein sollte, dass "der Europäische Forschungsrat nicht mit bestehenden nationalen oder europäischen Finanzierungsstrukturen übereinstimmen oder konkurrieren sollte - es gibt ausreichend Raum für eine gegenseitige Ergänzung." Dr. Kind macht geltend, dass "die wahrscheinlichsten Gründungsväter des Europäischen Forschungsrats eben die nationalen Forschungsräte sind", die sicherlich eine gegenseitige Ergänzung dem Wettbewerb vorziehen würden. Vor dem Hintergrund der Bemerkung von Forschungskommissar Philippe Busquin, dass ein Europäischer Forschungsrat nicht erwarten sollte, bedeutende Finanzierungsmittel von den EU-Rahmenprogrammen für Forschung zu erhalten, können die nationalen Forschungsräte in der Tat eine bedeutende Finanzierungsquelle für ein solches Gremium darstellen. Die Hervorhebung des Wettbewerbselements eines Europäischen Forschungsrats könnte sich somit als eine risikoreiche Strategie erweisen. Ein mögliches Szenario ist ein Europäischer Forschungsrat mit starken exekutiven Verbindungen zu bestehenden EU- und nationalen Einrichtungen sowie Finanzierungsgremien, was sicherstellt, dass ein Großteil der Vorstandsmitglieder einen starken wissenschaftlichen Hintergrund hat. Was die Finanzierung betrifft, so empfiehlt die Kommission dringend, dass ein Europäischer Forschungsrat zum Ziel haben sollte, neue Gelder für die Forschung zu gewinnen und somit zum Ziel der EU, die Forschungsausgaben auf drei Prozent des BIP zu erhöhen, beitragen sollte. Die meisten Wissenschaftler stimmen dem zu, obwohl es eine Minderheit gibt, die für die Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats auf der Grundlage einer Umverteilung der vorhandenen Forschungsmittel ist. Alle Seiten stimmen darin überein, welches die nächsten Phasen in der Debatte um den Europäischen Forschungsrat sein werden. Eine hochrangige Expertengruppe, die von der Europäischen Wissenschaftsstiftung ernannt wurde, um die Idee eines Europäischen Forschungsrats zu untersuchen, kam am 18. Februar zusammen und soll im November 2003 einen Abschlussbericht über die vorgeschlagenen Ziele, die Struktur und das Finanzierungsmodell für das Gremium vorlegen. Der Bericht soll als Hintergrund für Diskussionen dienen, auf die die Befürworter des Europäischen Forschungsrats unter dem irischen Ratsvorsitz der EU im ersten Halbjahr 2004 hoffen. Wissenschaftler wie Politiker forderten eine professionelle und zielgerichtete Lobby auf der Grundlage eines klar definierten Modells für einen Europäischen Forschungsrat. Kommissar Busquin sagte, dass er die Idee eines Europäischen Forschungsrats voll und ganz unterstütze, aber dass es an der Wissenschaftsgemeinschaft sei, die Idee voranzubringen. Hierzu müsse die Organisation besser definiert werden und ihre Finanzierung müsse spezifiziert werden. Es gibt zwar immer noch Elemente in der Debatte über den Europäischen Forschungsrat, bei denen die Meinung selbst zu den grundlegendsten Fragen auseinander geht, dennoch können Grundsätze, Strukturen und Finanzierungsmodelle bestimmt werden, die für den Großteil der Parteien annehmbar wären. Die echte Verwunderung vieler Teilnehmer darüber, dass das Treffen so reibungslos abgelaufen sei, bestätigte, dass sich bei der Veranstaltung in Paris neue Konsensbereiche aufgetan haben. Das Endergebnis der Debatte mag einfach eine Frage des Timing sein, aber wie der Befürworter des Europäischen Forschungsrats Professor François Gros sagte: "Um Victor Hugo zu zitieren: 'Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist'."

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