Europas Weltraumgemeinschaft fordert Fortführung der bemannten Raumfahrt
Die Reaktionen auf das Grünbuch der Kommission zur europäischen Raumfahrtpolitik haben sich bislang auf die Unterstützung einer stärkeren europäischen Position in der Raumfahrt und die Fortführung der bemannten Raumfahrt konzentriert. Nach der Veröffentlichung des Grünbuchs am 21. Januar richtete die Kommission ein Online-Forum ein, in dem Meinungen zum Thema abgegeben werden können. Die Diskussionsthemen wurden in 15 Kategorien eingeteilt, von denen die beliebteste "Manned space flight" (bemannte Raumfahrt), gefolgt von "Independent access to space" (unabhängiger Zugang zum Weltraum) und dann "International co-operation" (internationale Zusammenarbeit), ist. "Zweifellos hat die Raumfahrt in letzter Zeit Rückschläge erlitten [...] und es ist keine Überraschung, dass Forderungen nach einer Begrenzung der Erforschung des Weltraums laut wurden. Dies ist eine sehr verständliche, jedoch kurzsichtige Ansicht über die Zukunft", schreibt Lee Edgar. Edgar ist ebenfalls der Meinung, dass nun der rechte Zeitpunkt für die Europäische Weltraumorganisation (ESA) gekommen sei, sich durchzusetzen und eine stärkere Position für sich selbst im Weltraum einzufordern: "Die ESA, mit ihren europäischen Partnern in der Industrie, befindet sich in einer viel besseren Lage als jemals zuvor, um neben der Suche nach Wissen auch nach vorne zu streben und die kommerziellen Möglichkeiten dieser Erforschung noch besser zu nutzen." Lob für die ESA kommt von Jürgen Herholz. Er stellt fest, dass die "ESA ein positives Beispiel für die europäische Zusammenarbeit im Interesse gemeinsamer Ziele ist und war." Herholz führt jedoch auch weiter aus, dass sich die Aktivitäten der ESA und der EU teilweise überschneiden und dass eine "Koordination absolut notwendig ist, um die Effizienz der Nutzung europäischer Ressourcen zu gewährleisten." Er schlägt die Schaffung einer gemeinsamen Struktur auf europäischer Ebene vor, die notwendige Forschungsarbeiten, die zur Zeit zum größten Teil im Verantwortungsbereich der ESA liegen, sowie die Entwicklung von Weltrauminfrastrukturen, die zur Erfüllung der EU-Ziele notwendig sind, koordinieren solle. "Eine Trennung der wissenschaftlichen von den kommerziellen Zielen ist nicht praktikabel, weil beide weitgehend die gleichen Technologien nutzen", führt Herholz aus. Die Unterstützung für die Fortführung der bemannten Raumfahrt ist sehr breit. Sandro Mancini aus Belgien ist der Meinung, dass auf ihr das Hauptaugenmerk der ESA in der nahen Zukunft liegen solle. Er fügt jedoch hinzu, dass dies aufgrund der hohen Kosten in Zusammenarbeit mit anderen Weltraumbehörden geschehen solle. Andere sind weniger überzeugt davon, dass eine Zusammenarbeit über Europa hinausgehen müsse. Daniel Strand aus Schweden argumentiert wie folgt: "Wenn die ESA und die EU ein ernsthafter Partner des ISS [Internationale Raumstation] -Programms sein wollen, dann sollten wir (die EU) dafür sorgen, dass wir unabhängig von anderen Astronauten in den Weltraum senden können." Während in einigen Beiträgen die Meinung geäußert wird, dass die bemannte Raumfahrt notwendig sei, um eine neue Generation von Wissenschaftlern und Astronauten zu ermutigen, hebt ein Teilnehmer am Forum die Auswirkungen hervor, die die europäische bemannte Raumfahrt auf das Bild anderer von dem Kontinent haben könne. "Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung des Image. Wenn die ganze Welt sehen würde, dass das 'alte' Europa technologisch weiter fortgeschritten ist als die USA, könnte dies von großem Vorteil für uns sein", schreibt Sven Knuth. Die Alternative zur bemannten Raumfahrt - Roboter - wird von den Teilnehmern am Forum nicht gut aufgenommen. Wim Mortelmans ist der Meinung, dass Roboter nur zu einem Bruchteil dessen in der Lage sind, was Menschen können. Es ist eine Reihe von Veranstaltungen geplant, um Interessierten eine weitere Gelegenheit zur Teilnahme an der Raumfahrtdebatte zu geben. Einzelheiten werden auf der Website der Kommission unter unten angegebener Adresse bekannt gegeben.