Bericht: Anzeichen einer Erholung der IT- und Telekommunikationsbranche
Ein neuer Bericht des European Information Technology Observatory (EITO) vertritt die Auffassung, dass der westeuropäische Informationstechnologie- (IT-) und Telekommunikationsmarkt sich langsam von seiner bisher schwächsten Wachstumsrate im Jahr 2002 erholt. Der EITO-Bericht 2003, der am 25. Februar in Brüssel vorgestellt wurde, beschreibt, wie die weltweite Informations- und Kommunikationstechnologie- (IKT-) Branche ihre Erträge in den vergangenen zehn Jahren verdoppelte und im Jahr 2000 ein Rekordwachstum von fast 13 Prozent erreichte. EITO geht davon aus, dass die europäische IKT-Branche ein Wachstum von 2,5 Prozent im Jahr 2003 und 4 Prozent 2004 erreichen sollte, was einem Gesamtumsatz von 607 Milliarden Euro bzw. 632 Milliarden Euro entspricht. "Die IKT-Branche und ihr Markt befinden sich in einer Zwischenphase zwischen dem Abschluss einer außergewöhnlichen Wachstumsphase, die sich auf die Entwicklung moderner Technologien, die immer größere Verbreitung von IKT und intensive, proaktive Schritte zur Liberalisierung der Märkte stützte, und dem Beginn eines neuen Zyklus, der sich durch äußerst vielversprechende technologische Entwicklungen von Breitbanddiensten bis hin zu allgegenwärtigen Rechnern und extensiven IKT-Massenanwendungen auszeichnet", erklärte der EITO-Vorsitzende Bruno Lamborghini. Es gibt in der Tat deutliche Zeichen dafür, dass dieser neue IKT-Zyklus an Fahrt gewinnt: Nach Angaben des EITO-Berichts weisen Breitbandanschlüsse eine hohe Wachstumsrate auf. Ihre Anzahl dürfte sich bis 2006 mehr als vervierfachen. Außerdem hat der Bericht eine neue Entwicklung im IKT-Sektor ausgemacht, der sich weg von Hardware und hin zu Software und Dienstleistungen orientiere. So würden inzwischen nur noch 26 Prozent des Umsatzes mit Rechnerausrüstungen gemacht. "Neue Technologien und Anwendungen stellen ein unabdingbares Instrument für die Verbesserung der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit der KMU [kleine und mittlere Unternehmen] und der öffentlichen Verwaltungen dar und werden den Markt für Millionen von Nutzern erschließen, indem sie integrierte e-Business und Ökosystem-Anwendungen, Webangebote, elektronische Behördendienste and e-Learning anbieten und Wissensmanagement- und Gesamt-Sicherheitsmanagementsysteme entwickeln", so Lamborghini. Erkki Liikanen, das für Unternehmen und Informationsgesellschaft zuständige Mitglied der Kommission, der der Vorstellung des EITO-Berichts beiwohnte, betonte ebenfalls, dass die IKT-Branche als Quelle erhöhter Produktivität einen entscheidenden Einfluss auf andere Wirtschaftszweige ausübe. Er verwies jedoch darauf, dass die IKT-Branche auch an sich wichtig sei, denn sie gebe rund 1,25 Millionen Menschen Arbeit und habe 2002 einen Umsatz von 236 Milliarden Euro verzeichnet, was über 2,5 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspreche. Im Zuge dieser Entwicklungen habe Europa nun einen Anteil von 29 Prozent am globalen IKT-Markt, während der Marktanteil der Vereinigten Staaten auf nur noch 31,5 Prozent zurückgegangen sei. Allerdings sei, so Lamborghini, der "europäische Markt nach wie vor leer, was die Verbreitung der innovativsten IKT-Anwendungen angeht [...]. Europa ist nun gefordert, diese Chancen zu nutzen." Um solche Gelegenheiten zu verwerten, forderte Lamborghini konkrete Maßnahmen: "Europa benötigt einen proaktiven Mix aus zielgerichteten Maßnahmen der Wirtschaft und der Politik, um vom neuen IKT-Zyklus zu profitieren und diese Chance nicht vorbeiziehen zu lassen." Liikanen verwies auf die Maßnahmen, welche die Europäische Kommission bereits zur Stärkung dieses Sektors unternommen habe, so z.B. in ihrer kürzlich vorgelegten Empfehlung über relevante Märkte und einen neuen Rechtsrahmen.