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Inhalt archiviert am 2023-01-13

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Nach den Sternen greifen oder den Weltraum auf den Boden der Tatsachen zurückbringen?

Was treibt die heutige Weltraumforschung an? Immer noch die faszinierenden Bilder von Menschen im Weltraum oder die eher praktischen Anwendungen der Weltraumforschung auf der Erde? Auf der Konferenz zur Einleitung des Konsultationsprozesses über das Grünbuch der Kommission übe...

Was treibt die heutige Weltraumforschung an? Immer noch die faszinierenden Bilder von Menschen im Weltraum oder die eher praktischen Anwendungen der Weltraumforschung auf der Erde? Auf der Konferenz zur Einleitung des Konsultationsprozesses über das Grünbuch der Kommission über die Raumfahrtpolitik am 6. März gab es Befürworter für beide Sichtweisen. Im Gespräch mit CORDIS-Nachrichten bezeichnete Frank de Winne, der im Oktober 2002 als zweiter Belgier an einem Raumflug teilnahm, die bemannte Raumfahrt als nach wie vor faszinierend. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir Menschen sind. Wir wollen unseren Horizont erweitern, und Forschung ist Teil unseres europäischen Erbes, unserer Kultur", sagte de Winne. Im Gegensatz dazu sagte der frühere schwedische Premierminister Carl Bildt in seinem Vortrag auf der Konferenz, man solle "den Weltraum auf den Boden der Tatsachen zurückbringen". "Ich glaube nicht, dass ein Mensch im Weltraum die Menschheit immer noch zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Dies gehört mittlerweile zum Alltag und wird als selbstverständlich betrachtet", so Bildt. "Die breite Unterstützung, die die Raumfahrt braucht, stützt sich nun noch mehr als vor 30 Jahren, als wir nach den Sternen griffen, auf das, was sie uns hier in Form von Anwendungen und Umsetzungen bringt." De Winne und Bildt waren sich einig, dass eine europäische Raumfahrtpolitik notwendig ist und dass als aller erstes der politische Wille vorhanden sein muss. Wenn der politische Wille erst einmal bestehe, würden die Finanzmittel schon folgen. Laut de Winne sollte die Beteiligung Europas am nächsten Raumfahrtprogramm eine Priorität darstellen: "Es ist wirklich wichtig, dass Europa in zukünftigen Raumfahrtprogrammen eine Rolle spielt. Daher sollten wir umgehend die entsprechenden Schritte in technologischer und politischer Hinsicht unternehmen." Bildt sprach sich dafür aus, die Raumfahrtpolitik auf der höchsten politischen Ebene - dem Europäischen Rat - anzusiedeln. "Die europäische Raumfahrtpolitik sollte in einen Zusammenhang mit anderen Politikbereichen, etwa der Umwelt, gesetzt werden. Dies muss auf höchster Ebene geschehen", erklärte er. Zudem forderte er die wechselnden EU-Präsidentschaften auf, politische Impulse für eine Raumfahrtpolitik zu liefern. Beide Teilnehmer gehen davon aus, dass Europa in zahlreichen Bereichen von einer europäischen Raumfahrtpolitik profitieren würde. De Winne fügte hinzu, die Ergebnisse dieser Politik gäben den Europäern etwas, auf das sie stolz sein können: Wir Europäer müssen auf etwas blicken können, das wir als Europäer geschaffen haben", sagte er unter Verweis auf die bemannte Raumfahrt. Konkret fügte Bildt hinzu, eine solche Politik würde zur Lösung mancher Probleme Europas, etwa der Verzögerungen beim Galileo-Projekt beitragen. "Wir sollten uns nichts vormachen: Galileo ist ein Durcheinander", sagte er. Sowohl de Winne als auch Bildt erwarten, dass der Europäischen Kommission und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) große Aufgaben im Bereich der Information der breiten Öffentlichkeit über die Entwicklungen in der Raumfahrt und der Ausarbeitung einer europäischen Raumfahrtpolitik zukommen. Was institutionelle Fragen anbelangt, nannte Bildt vier Hindernisse: "archäologische Überbleibsel", "die Schlacht der drei Säulen", "mehr Mittel als Ziele" und das "unausgesprochene Missverhältnis der finanziellen Mittel". Als "archäologische Überbleibsel" bezeichnete er die unterschiedlichen Grundpfeiler der Europäischen Kommission und der ESA, die das Zustandekommen einer Einigung über ein neues Verhältnis zwischen den beiden Einrichtungen behindern könnten. "Kommission und ESA basieren schon immer auf unterschiedlichen Grundpfeilern. Das darf nicht vergessen werden, denn dieser Faktor kann zu interessanten Entwicklungen führen", so Bildt. Mit der "Schlacht der drei Säulen" bezog er sich darauf, dass Fragen der Raumfahrt zurzeit von allen drei Säulen der EU berücksichtigt werden, wobei aber keine die Gesamtverantwortung für die Raumfahrtpolitik übernehmen will. Die Tatsache, dass es in Europa eine Vielzahl von Institutionen gibt, die sich mit vielen Programmen in unterschiedlichen Bereichen beschäftigen, während es aber nur wenige konkrete Ziele gibt, führt Bildt zu der Schlussfolgerung, dass Europa "mehr Mittel als Ziele" besitzt. Die ausbleibende Diskussion über die finanziellen Mittel und die Ambitionen führt ihn schließlich zu der Aussage, dass es ein "unausgesprochenes Missverhältnis der finanziellen Mittel" gibt. "Es bleibt im Verborgenen, weil es nicht ausreichend angesprochen wird. Entweder stellen wir uns diesen Aufgaben und treiben das notwendige Geld auf, oder wir tun dies nicht und schrauben unsere Ambitionen zurück", erklärte Bildt.

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