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Inhalt archiviert am 2023-01-13

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Prodi ruft die Interessenvertreter zum Handeln auf, um den Zugang zu Medikamenten in den Entwicklungsländern zu gewährleisten

"Wie ist es möglich, dass Menschen in den Entwicklungsländern weiterhin an Krankheiten sterben, die behandelt, ja sogar geheilt, werden können?", fragte Kommissionspräsident Romano Prodi am 28. April beim Runden Tisch der Interessenvertreter über den Zugang zu Medikamenten. I...

"Wie ist es möglich, dass Menschen in den Entwicklungsländern weiterhin an Krankheiten sterben, die behandelt, ja sogar geheilt, werden können?", fragte Kommissionspräsident Romano Prodi am 28. April beim Runden Tisch der Interessenvertreter über den Zugang zu Medikamenten. In seiner Eröffnungsrede stellte Präsident Prodi fest, dass mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit keinen regelmäßigen Zugang zu wesentlichen, lebensrettenden Medikamenten haben. Fünf Millionen Menschen sterben jedes Jahr allein an AIDS, Tuberkulose und Malaria, überwiegend in den Entwicklungsländern. In Anbetracht dieser globalen Gesundheitskrise rief Prodi die hochrangigen Vertreter aus Industrie- und Entwicklungsländern, von internationalen Organisationen, aus der Industrie und von Nichtregierungsorganisationen auf, die anliegende Aufgabe zu erkennen und sicherzustellen, dass hinsichtlich eines nachhaltigen Zugangs zu Medikamenten für armutsbedingte Krankheiten Fortschritte erzielt werden. "Dies ist eine Herausforderung, die beinhaltet, dass [.] Bedürfnisse, Nachfrage und Angebot zu erschwinglichen Preisen mit einander in Einklang gebracht werden müssen. Daher bedeutet dies anpassen, ermutigen und - manchmal vielleicht sogar - den Markt in eine sozial verantwortlichere Richtung zu lenken. Welche dieser Möglichkeiten auch zutrifft, es ist klar, dass Nichtstun keine Option ist", argumentierte Prodi. Während der ersten Sitzung, die sich mit dem Beitrag der Forschung beschäftigte, kamen die Interessenvertreter überein, dass es eine Reihe von Hindernissen gibt, die den gleichberechtigten Zugang zu Medikamenten für armutsbedingte Krankheiten verhindern. Dazu gehören schlecht koordinierte Forschungsanstrengungen auf globaler Ebene, ein Mangel an Dialog und Partnerschaften zwischen den Interessenvertretern sowie unzureichende lokalpolitische Unterstützung und Kapazitätsbildung. Nach Meinung vieler Interessenvertreter ist jedoch das größte Hindernis der Mangel an privaten Investitionen in die Entwicklung und Verteilung von Medikamenten für armutsbedingte Krankheiten. "Wenn wir die wirtschaftliche Seite in Ordnung bringen, können wir das Problem lösen", meinte Rino Rappuoli vom Biopharmazeutik-Unternemen Chiron. Teilweise wird das wirtschaftliche Problem durch die Forschungs- und Entwicklungs- (F&E) Industrie verursacht, die nicht daran interessiert ist, in Forschung über armutsbedingte Krankheiten zu investieren, ganz einfach weil dies "unternehmerisch keinen Sinn macht", wie Anarfi Asamoa-Baah von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) feststellte. Laut Grant Aldonas, US-Staatssekretär für internationalen Handel, ist der einzige Weg, dieses Hindernis zu überwinden, es direkt anzugehen. Um "die Habgier im Zaum zu halten", müssten Regierungsbehörden ein effektives politisches Instrument mit weiter reichenden Anreizen entwickeln, das private Unternehmen anregt, in F&E über Krankheiten zu investieren, die derzeit vernachlässigt oder "verwaist" sind, erklärte Aldonas. Dies könnte z. B. einen besseren Zugang zu Risikokapital, kostengünstige Kredite, Steuervergünstigungen, garantierte Märkte und die Ausweitung von Patentrechten oder dem Alleinvertrieb auf Märkten umfassen. Doch laut Jean-François Girard, Präsident des französischen Instituts für Forschung und Entwicklung (IRD), geht es nicht nur um Anreize für private Investitionen. Vor allem sollte das Ziel sein, eine nachhaltige Forschungspartnerschaft zwischen der nördlichen und der südlichen Hemisphäre zu entwickeln. Girard unterstricht, wie wichtig es innerhalb dieser Partnerschaft sei, lokale Ressourcen zu entwickeln, sodass die Betroffenen das Wissen und die Fachkenntnisse in Besitz nehmen können und damit eine Abwanderung von Wissenschaftlern (Brain Drain) vermieden wird. Es sei jedoch keine Partnerschaft, wenn alle Entscheidungen auf der nördlichen Hemisphäre getroffen werden, warnte Dr. Asamoa-Baah und fügte hinzu, dass diese Art von Lösung nur eine kurzfristige Zielsetzung wäre. Auf EU-Ebene nimmt bereits ein neues Modell zur Umsetzung einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Entwicklungs- und Industrieländern sowie öffentlich-privater Partnerschaften Form an. Wie vom ebenfalls beim Runden Tisch anwesenden Forschungskommissar Philippe Busquin erläutert wurde, sind etwa 400 Millionen Euro auf EU- und nationaler Ebene für das "Klinische Versuchsprogramm Europa-Entwicklungsländer" (European and Developing Countries Clinical Trials Programme - EDCTP) vorgesehen. Dabei handelt es sich um ein neues Fünf-Jahres-Forschungsprogramm mit dem Ziel, erschwingliche Arzneimittel zur Behandlung von AIDS, Malaria und Tuberkulose durch eine neue Art von Partnerschaft zwischen Europa und den Entwicklungsländern zu entwickeln. "Initiativen wie EDCTP könnten zu weiteren, ähnlichen Initiativen führen, die beispielsweise andere, so genannte 'verwaiste' Krankheiten angehen", so Busquin. Die Interessenvertreter stimmten überein, dass EDCTP ein guter Anfang für eine sehr notwendige Partnerschaft zwischen der Nord- und der Südhalbkugel sei, einige jedoch gaben der Kommission Empfehlungen bezüglich des Aufbaus und der Umsetzung des Programms. Hinsichtlich der Beschaffung der 200 Millionen Euro an privaten Investitionen, die im EDCTP-Budget vorgesehen sind, schlug MdEP Ulla Sandbaek (Dänemark) vor, dass die Kommission vielleicht Beispiele aus dem Programm hervorheben könne, um das Interesse von pharmazeutischen Unternehmen zu wecken. Laut Harvey Bale vom Weltpharmaverband (IFPMA) sollte die Kommission jedoch beim Umgang mit den pharmazeutischen Unternehmen nicht nur an den Gewinn finanzieller Unterstützung denken. Vielmehr solle sie genau überlegen, wie sie sich das Fachwissen der Industrie beim Aufbau lokaler F&E-Kapazitäten zu Nutzen machen kann. In Hinblick auf die Festlegung von Prioritäten fragte Bruno Gryseels vom Institut für Tropenmedizin, ob die Kommission mit der Zuteilung von 200 Millionen Euro für EDCTP und nur 50 Millionen Euro für Forschung über tropische Krankheiten unter dem Sechsten Rahmenpogramm (RP6) das richtige Gleichgewicht gefunden habe. Er schlug vor, das richtige Gleichgewicht solle die Entwicklung eines spezifischen Programms für mit Armut in Zusammenhang stehende Medikamente umfassen, das auf bestehende Partnerschaften wie das internationale Kooperationsprogramm (INCO) aufbauen könne. Die schärfste Warnung kam jedoch von Dr. Asamoa-Baah, der zu dem Schluss kam, das EDCTP habe zwar die richtigen Bestandteile für eine "echte Nord-Süd-Partnerschaft", die Verpackung sei jedoch falsch. Obwohl das EDCTP zum Ziel habe, Ausbildung und die Basis für eine Forschungsinfrastruktur in den Entwicklungsländern bereitzustellen, mache die ezeichnung "klinische Versuche" es schwierig, die Entwicklungsländer davon zu überzeugen, dass ihre Bürger nicht als Versuchskaninchen missbraucht werden, erklärte er. Das Ergebnis der Diskussionen soll die Basis für eine mögliche Intervention bezüglich des Themas einer Agenda für übertragbare Krankheiten während des G8-Gipfels im Juni bilden.

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