EU-Studie untersucht das Gesundheitsrisiko von Tätowierungen und Körperpiercings
Die Kommission hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, Maßnahmen gegen die Gesundheitsrisiken von Tätowierungen und Körperpiercings zu unternehmen. Eine neue Studie der Kommission beschreibt die gesundheitlichen Gefahren durch die inzwischen weit verbreiteten Tätowierungen und Piercings. Sie zeigt, dass mehr als ein Drittel der von der Branche bei Tätowierungen verwendeten organischen Farbmittel nicht als Bestandteile für Hautkosmetika zugelassen sind. Bei den meisten Chemikalien, die für Tätowierungen verwendet werden, handelt es sich vielmehr um Industriepigmente, die ursprünglich für andere Zwecke, z.B. Automobillacke und Schreibtinte, hergestellt wurden. Die Zusammensetzung dieser Stoffe ist weitgehend unbekannt. Fachleute fürchten jedoch, dass sie die Auflagen in Bezug auf Sicherheit, Sterilität und Reinheit nicht erfüllen. Was die gesundheitlichen Gefahren durch Piercings anbelangt, stellt die Studie fest, dass Hygienestandards missachtet werden, denn bis zu fünfzig Prozent aller Piercings hätten akute Infektionen zur Folge, die medizinische Hilfe erfordern. In schweren Fällen könnte ein Piercing auch zur Infektion mit Aids, Hepatitis oder Lepra führen. Ferner weist die Studie darauf hin, dass in den Mitgliedstaaten derzeit keine eigenen Rechtsvorschriften für Tätowierungs- und Piercing-Praktiken in Kraft sind; wenn in der EU überhaupt Gesetze bestehen, beschränken sie sich zumeist auf Hygienepraktiken wie die Verwendung von Handschuhen und sterilen Nadeln. Die Sterilität oder die toxikologische und die Gefahrenbewertung der bei Tätowierungen und Piercings verwendeten Stoffe würden von den Gesetzen jedoch übersehen, heißt es in der Studie. Zu den Forschungsergebnissen erklärte EU-Forschungskommissar Philippe Busquin: "Wir würden es begrüßen, wenn Bürger, die sich eine Tätowierung oder ein Piercing zulegen wollen, die entsprechenden Gesundheits- und Sicherheitsgarantien genießen würden. Ich hoffe, dass die Ergebnisse unserer Forschungsarbeiten auf EU-Ebene mehr Bewusstsein für die mit Tätowierungen und Piercings verbundenen Gefahren schaffen und die Vertreter dieser Branche veranlassen, die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen; gleichzeitig sollten die Mitgliedstaaten die entsprechenden politischen Schritte in dieser Angelegenheit unternehmen." Da entsprechende Bestimmungen sowohl auf nationaler als auch europäischer Ebene fehlen, wurde vor kurzem der Europarat tätig und verabschiedete eine Entschließung, in der die Prinzipien erläutert sind, nach denen die Staaten ihre entsprechenden Gesetze richten sollten. Insbesondere befürwortet die Entschließung die Einführung von Gesetzen über die Zusammensetzung, die mikrobiologische Reinheit und die Etikettierung von Produkten für Tätowierungen sowie Hygienekontrollen der Einrichtungen und der Methoden.