EU-Projekt: Evaluierung innovativer Therapien für Prostatakrebs
Die Europäische Kommission hat Fördermittel für ein neues Prostatakrebs-Netzwerk bewilligt, das unter dem ersten vorrangigen Themenbereich "Biowissenschaften, Genomik und Biotechnologie im Dienste der Gesundheit" des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) finanziert wird. In der EU wird jährlich bei etwa 200.000 Männern Prostatakrebs diagnostiziert. Diese Zahl wird laut Experten aufgrund der zunehmend älteren Bevölkerung in Europa steigen. Wird Prostatakrebs früh erkannt, kann er leicht behandelt werden. Jedoch erfolgt bei der Hälfte der Männer die Diagnose von Prostatakrebs in einem späten Stadium, in dem die Krankheit möglicherweise nicht mehr auf Hormontherapien reagiert. In diesen Fällen kann sich der Krebs auch auf die Knochen ausbreiten und sich zu metastisiertem Prostata- und Knochenkrebs entwickeln. Im PRIMA-Netzwerk, einem Integrierten Projekt, treffen insgesamt 14 akademische Gruppen und drei private Unternehmen aus vier EU-Mitgliedstaaten und Israel zusammen, um zu untersuchen, wie es dazu kommt, dass Prostatakrebs nicht mehr auf Hormontherapien reagiert und sich auf die Knochen ausbreitet. Insbesondere wird sich das Netzwerk mit der Interaktion zwischen Prostatakrebszellen und der Mikroumgebung der Knochen beschäftigen. Jack Schalken, der Projektkoordinator von der Universität Nijmegen in den Niederlanden, sprach mit CORDIS-Nachrichten und erläuterte eines der Hauptprobleme bestehender Therapien für Prostatakrebs. "Bis jetzt sind die einzigen akzeptierten Therapien für fortgeschrittene Formen dieser Krebsart chirurgische oder chemische Kastration. Obwohl dies vielleicht zu einer besseren Kontrolle der Krankheit führt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Krebszellen nicht mehr auf die Therapie reagieren und sich auf andere Körperteile ausbreiten." Anstatt Modelle zu verwenden, wird das wissenschaftliche Team Gewebe von Prostatakrebspatienten analysieren, um die Pfade zu untersuchen, die zur Ausbreitung des Krebses führen. Das Konsortium hat dann vor, eine Therapie zu entwickeln, die bestehende Behandlungen ergänzt. Unter Berücksichtigung dessen, dass die genetischen Strukturen von Krebszellen sich leicht verändern können, wird das Konsortium alle therapeutischen Wege untersuchen, wie z.B. die Behandlung mit kleinen Molekülen, Androgene signalisierende Pfade und neuartige Immuntherapien. Sobald die vorgesehene Therapie validiert ist, wird sie einer klinischen Testphase unterzogen. Wenn diese erfolgreich ist, hofft das Konsortium, dass die Therapie schließlich kommerzialisiert werden kann. Professor Schalken ist der Ansicht, dass das umfassende und integrierte Wissen innerhalb des PRIMA-Netzwerks es ihm ermöglichen wird, bisher nicht da gewesene Arbeiten im Bereich der Forschung zu und Diagnose von Prostatakrebs durchzuführen. "Durch Annahme der Struktur eines Integrierten Projekts sind wir in die Lage versetzt worden, die kritische Masse zusammenzuführen, die notwendig ist, um dieses sehr ernste Gesundheitsproblem anzugehen", meinte er.
Länder
Finnland, Frankreich, Israel, Niederlande, Vereinigtes Königreich