Konferenz beleuchtet Strategien für europäische Führungsrolle in der Nanotechnologie
Die meisten Teilnehmer des "EuroNanoForum", das am 9. Dezember im italienischen Triest stattfand, waren sich einig, dass Europa in der Nanotechnologie in einer beneidenswerten Position ist. Dennoch fürchten viele, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein könnte, und die Meinungen darüber, wo Europa den Schwerpunkt legen sollte, um seine Stellung zu sichern, gehen weit auseinander. Viele Redner sprachen am ersten Konferenztag die Infrastruktur an. "Wer als erster die Infrastruktur aufbaut, wird in der Nanotechnologie auch das Rennen machen", meinte Helmut Schmidt, der Direktor des Instituts für Neue Materialien. Die Tatsache, dass die wesentliche Infrastruktur fehlt, bezeichnete er als einen Engpass, der Wettbewerb behindere. EU-Forschungskommissar Philippe Busquin, der sich per Video an die Konferenz wandte, sagte, der Aufbau von Infrastrukturen sei zwar nie ganz einfach, aber die Neuartigkeit und der multidisziplinäre Charakter der Nanotechnologie bedeute, dass dies für Behörden wie für Wissenschaftler zu einer besonders kostspieligen und komplizierten Aufgabe werde. Aufgrund solcher Schwierigkeiten sei man gezwungen zusammenzuarbeiten, so das Kommissionsmitglied, und dies insbesondere auf internationaler Ebene. Der Wunsch nach mehr internationaler Zusammenarbeit besteht offensichtlich auch bei den möglichen Partnern Europas. Wie Teruo Kishi, der Vizepräsident des japanischen Wissenschaftsrats, im Gespräch mit CORDIS-Nachrichten sagte, habe er vor kurzem bei einem Treffen mit Busquin den Wunsch nach engeren Kontakten zur EU geäußert. Ein Abkommen über die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen der EU und Japan wird demnächst erwartet. Der britische Nobelpreisträger Harry Kroto äußerte jedoch gewisse Zweifel an der angestrebten verstärkten Zusammenarbeit. "Ich halte die Art und Weise, wie die Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen gefördert wird, für problematisch [...]. Zwei Stellen können durchaus zusammenarbeiten [...] eine Zusammenarbeit zwischen drei, vier oder fünf Stellen lässt sich in der Forschung jedoch nur sehr schwer verwirklichen." Er räumte jedoch ein, es sei "sehr nützlich, Gruppen zu bilden", in seinem Fall sei allerdings die Zusammenarbeit mit einem einzigen Partner stets am nützlichsten gewesen. Für mehrere Teilnehmer stellt darüber hinaus die Grundlagenforschung eine Voraussetzung für den Erfolg in der Nanotechnologie dar. Wie Kishi gegenüber CORDIS-Nachrichten erläuterte, habe Japan zwar bedeutende Mittel in die Nanotechnologieforschung investiert, vernachlässige aber nicht die Grundlagenforschung. Dies ist für ihn ein Grund für den Vorsprung Japans in der Nanotechnologie. Professor Kroto schloss sich dieser Meinung an und sagte, die meisten Entdeckungen beruhten auf Zufällen. "Bei der Grundlagenforschung kommen viel eher als bei der zielgerichteten Forschung aufregende und unerwartete Ergebnisse heraus", sagte er.