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Europäischer Forschungsrat ist Mittel zum Zweck, so der Generaldirektor für Forschung

Auf einer Tagung über die Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats (ERC) bekräftigte der Generaldirektor der GD Forschung Achilleas Mitsos die Unterstützung der Kommission für eine Verbesserung der Grundlagenforschung in Europa, bezeichnete den ERC jedoch lediglich als Mi...

Auf einer Tagung über die Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats (ERC) bekräftigte der Generaldirektor der GD Forschung Achilleas Mitsos die Unterstützung der Kommission für eine Verbesserung der Grundlagenforschung in Europa, bezeichnete den ERC jedoch lediglich als Mittel zum Zweck. Dr. Mitsos war am 24. Februar als Redner auf der internationalen Tagung von Wissenschaftlern und Politikern in Brüssel eingeladen, um die Sichtweise der Kommission über die Einrichtung eines ERC darzulegen. Er stellte verschiedene Voraussetzungen für eine verstärkte Unterstützung der Grundlagenforschung vor, beispielsweise die Förderung des Wettbewerbs auf europäischer Ebene, die wissenschaftsbasierte Festlegung vorrangiger Bereiche und Erstklassigkeit als einziges Kriterium für eine finanzielle Förderung. Er erklärte jedoch, dass er nicht versuchen werde, die Ausgestaltung einer derartigen Institution vorauszusagen, sondern sich stattdessen darauf konzentrieren wolle, wie die Grundlagenforschung verbessert werden könne. "Der ERC selbst ist nur Mittel zum Zweck - vielleicht ein unerlässliches Mittel, aber keinesfalls das Ziel. Europa braucht ein System zur Förderung von Erstklassigkeit in der Grundlagenforschung auf der Basis wissenschaftlicher Kriterien. Wenn wir uns hierauf konzentrieren, werden wir die Organisation schaffen, die erforderlich ist", so Dr. Mitsos. Dr. Mitsos wies auf eine kürzlich veröffentlichte Mitteilung der Kommission zur Grundlagenforschung hin als Beleg dafür, dass die Kommission bereit sei, eine politische Debatte zu diesem Thema anzustoßen. Er stellte ferner heraus, dass im von der Kommission geplanten Budget für 2007 bis 2013 die Grundlagenforschung als eine der fünf zentralen Achsen eines neuen EU-Forschungsprogramms vorgesehen sei. "Im Rahmen der von der Kommission vorgestellten finanziellen Perspektiven ist die Forschung der bei weitem größte Gewinner mit einer enormen Budgeterhöhung. [...] Wir befinden uns kurz vor einer umfassenden Revolution des Ansatzes der Kommission in Sachen Forschungspolitik", erläuterte Dr. Mitsos und fügte hinzu, dass die genauen Zielsetzungen in einer umfassenden Mitteilung im Mai vorgestellt werden. Viele der Tagungsteilnehmer waren jedoch offenkundig stärker an einer Diskussion über die Einrichtung eines ERC interessiert. Der Vizepräsident der ERC-Expertengruppe Mogens Flensted-Jensen stellte den Abschlussbericht der Expertengruppe vor, in der die Einrichtung eines funktionsfähigen ERC bis 2007 und die Bereitstellung eines Jahresbudgets von zwei Millionen Euro nach drei- bis fünfjähriger Arbeit gefordert wird. Als ersten Schritt fordert Flensted-Jensen die Gründung "eines wissenschaftlichen Implementierungsausschusses, der sich aus bedeutenden Forschern und Forschungsleitern mit umfassender Kenntnis der politischen Prozesse zusammensetzt und bei der Einrichtung eines ERC beratend tätig wird." Er erklärte weiter, dass die Ergebnisse der Expertengruppe auf umfassenden Konsultationen mit den beteiligten Akteuren beruhen, auch wenn zu seinem Bedauern die Meinung der Industrie möglicherweise nicht in vollem Umfang berücksichtigt wurde. Horst Soboll, Leiter Forschungspolitik bei DaimlerChrysler, vertrat die Sichtweise der Wirtschaft auf der Tagung. Er wies darauf hin, dass die Industrie der Gründung einer Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung zwar positiv gegenüberstehe, jedoch gleichzeitig "große Zweifel" bezüglich des derzeitigen Umsetzungsprozesses hege. "Die EU braucht eine verbesserte Grundlagenforschung, doch dies alleine reicht nicht aus, da es sich nur um ein Glied in der Innovationskette handelt. [...] Die wahre Kluft zwischen der EU und den USA liegt nicht in der Schaffung von Wissen, sondern in der Nutzung und praktischen Umsetzung dieses Wissens", stellte er fest. Soboll fügte hinzu, dass die EU nicht noch einen weiteren "Ausschuss" benötige und schlug vor, die neu zur Verfügung gestellten Mittel für die Grundlagenforschung über bereits bestehende Instrumente zu verteilen. Zwei andere Redner wandten sich gegen diesen Ansatz. Rolf Linkohr, deutsches MdEP, erklärte hierzu: "Wir möchten keine neue europäische Agentur einrichten, die von Buchhaltern geleitet wird. Wir brauchen einen flexiblen Ansatz, wenn es um die Grundlagenforschung geht. [...] Wenn der ERC unter die Forschungsrahmenprogramme fällt, müssen sämtliche Regeln dieser Programme beachtet werden. Die Entscheidungen sollten den Wissenschaftlern überlassen und die Regeln der Buchhalter umgangen werden." Peter Tindemans, Vorstandsmitglied von Euroscience, schloss sich dieser Ansicht an: "Der ERC sollte keine EU-Agentur oder politische Institution sein, da dies viel zu managementintensiv wäre. Die Rolle der Sponsoren, d.h. der EU, der nationalen Regierungen und Forschungsräte, sollte vielmehr darin bestehen, die Aufgaben des ERC zu definieren, ein allgemeines politisches Rahmenwerk festzulegen und Rechenschaft über die vom ERC ausgegebenen öffentlichen Mittel abzulegen." Tindemans schloss seinen Beitrag mit der Aufforderung an die Teilnehmer, die Diskussionen um den ERC nicht zu einer politischen Debatte werden zu lassen, "die den ERC im Keim ersticken könnte". Nach Aussage von Dr. Mitsos ist die Einrichtung eines ERC sehr wohl eine politische Angelegenheit. "Wir sprechen hier von einer politischen Entscheidung, die getroffen werden muss. Diese wird vereinfacht, wenn es innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft einen Konsens gibt, doch grundsätzlich haben wir es hier mit einem politischen Prozess zu tun." In seiner Zusammenfassung forderte der ehemalige portugiesische Minister für Wissenschaft und Technologie José Mariano Gago die Wissenschaftsgemeinschaft dringend auf, einen Konsens zu finden, der alle wissenschaftlichen Disziplinen, die fortschrittlichsten und am wenigsten fortschrittlichen Nationen sowie die Ansichten der akademischen Welt und der Industrie mit einschließt. "Wir müssen nun auf europäischer und nationaler Ebene aktiv werden. Die Debatte hat augenscheinlich gerade erst begonnen, und deshalb geht es nun darum, bei den politischen Entscheidungsträgern in ganz Europa ein Bewusstsein für diese Thematik zu schaffen", schlussfolgerte er.

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